Schlagwort-Archive: Dürre

CO2-Reduktion? Mir doch egal! Sprach die Republik und fuhr ihr Klima an die Wand.

Wir haben Dürre. An der Dürre ist der Klimawandel Schuld. Am Klimawandel ist die konventionelle Landwirtschaft Schuld. Und jetzt lassen sich die Bauern ihr fahrlässiges Handeln auch noch bezahlen.

Wer regelmäßig und viel Zeitung liest, Fernsehen schaut, Meme betrachtet, Diskussionen in den Sozialen Medien verfolgt, kann sich des Verdachts nicht erwehren: Medien, Politik und Öffentlichkeit haben wieder mal ihren heißgeliebten Sündenbock am Wickel – die konventionelle Landwirtschaft. Und mit Dr. Felix von Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), zudem ein Landwirt und Kollege. In einem Interview des ZDF-Morgenmagazins forderte er am 1. August, die Vergabe von Nothilfen an ökologische Auflagen zu knüpfen.

Warum es so hoch hergeht, erschließt sich mir nicht in einer Angelegenheit, in der man höchstens von einer Kollektivschuld reden kann. Wir alle haben es vermasselt (vorausgesetzt, es kommt wirklich so schlimm wie prophezeit). CO2-Reduktion? Mir doch egal! Sprach die Republik und fuhr ihr Klima an die Wand. weiterlesen

Langfristvorhersage: Es bleibt trocken!

Jörg Kachelmann twittert beunruhigende Wetterprognose

Nach Prognosemodell des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) soll es bis Mitte September trocken bleiben. Ich glaube, dann wären wir wirklich einer Katastrophe sehr nah.

Der bekannte Meteorologe Jörg Kachelmann (kachelmanwetter.com) postete heute morgen folgenden Prognosefilm (bitte klicken, um den Film zu starten), der wirklich beunruhigt: Langfristvorhersage: Es bleibt trocken! weiterlesen

Detlef Flintz antwortet auf offenen Brief

Die Antwort von Herrn Flintz

Sie zeigt, dass wir in einigen Dingen aneinander vorbeireden.
Sie zeigt, dass er sich als Erzieher begreift.
Sie zeigt die Arroganz gegenüber demokratisch gewählten landwirtschaftlichen Interessenvertretern.
Sie lässt mich ratlos zurück, auch wenn es erfreulich ist, dass er geantwortet hat.

Bild vom Brief, den Detlef Flintz an Heike Müller geschrieben hat

Sehr geehrter Frau Dr. Müller,

vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit meinem Kommentar in den ARD-Tagesthemen vom 26. Juli und insbesondere dafür, dass es Ihnen gelungen ist, jene sachlich zu halten.
Lassen Sie mich zunächst festhalten, dass das von mir angesprochene Mitleid und die Anerkennung einer Leistung sich nicht ausschließen. Insofern zolle ich den Landwirten, die sich in einer ausgesprochen schwierigen Situation befinden, auch meinen Respekt.
Dennoch muss die Frage nach der Verantwortung für Ernteausfälle von zuge-geben dramatischem Ausmaß erlaubt sein. Und da bestätigen Sie, sehr geehrte Frau Dr. Müller, leider mein Bild einer Interessenvertreterin, die das eingetretene Drama für nahezu unvermeidlich hält – und die Notwendigkeit eines einschneidenden Wandels nicht sieht: Wenn Sie auf den aus Ihrer Sicht mit sieben Prozent niedrigen Anteil der Treibhausgas-Emissionen verweisen, soll ich dann daraus schlussfolgern, dass nur die für die Rettung des Klimas verantwortlich sind, die mehr emittieren? Und soll ich Ihre Erwähnung der Quelle – Pressemeldung Umweltbundesamt – als eine Art „Freispruch“ werten? Letzteres tue ich natürlich nicht, denn schon in einem nur wenig ausführlicheren Text erläutert dieselbe Behörde: „Die Möglichkeiten zur Senkung der Emissionen sind vielfältig und werden in unterschiedlichen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion wirksam. Neben Maßnahmen der Stickstoffeffizienz (gleicher Ertrag mit weniger Einsatz…bieten sich erhebliche Potenziale im Düngemanagement und in der Pflanzen- und Tierproduktion.“ Sie sehen, Journalisten lesen nicht nur Pressemitteilungen…

Ich kann Ihnen versichern: In den zahlreichen kritischen Reaktionen auf meinen Kommentar habe ich den Hinweis auf die „nur sieben Prozent“ nicht nur einmal vernommen, und fast immer verbunden mit einer fehlenden Bereitschaft zur Veränderung. Darüber wiederum muss man sich nicht wundern, wenn auch die Bauernspitze die entsprechende Notwendigkeit nicht sieht und demzufolge auch nicht propagiert.
Einverstanden bin ich mit dem Slogan „Evolution statt Revolution“. Allerdings haben wir beide offenbar nicht dasselbe Verständnis vom Entwicklungstempo. Die von Ihnen angesprochene Düngeverordnung mag als gutes Beispiel gelten: Zunächst wurde die Absicht einer Novellierung von vielen Bauernvertretern skeptisch beäugt, nach deren Verabschiedung in 2017 kam dann die Kritik (und zwar nicht nur an dem angeblichen zusätzlichen Bürokratieaufwand, sondern auch an den Beschränkungen der Düngung, so etwa von Ihren thüringischen Kollegen) – und jetzt ist es ausgerechnet diese Düngeverordnung, die herhalten muss als Bollwerk gegen das jüngste EuGH-Urteil und damit verbundene Forderungen nach weiteren Maßnahmen zum Gewässerschutz. Man kann es auch so formulieren: soviel Evolution wie (aufgrund des gesellschaftlichen Drucks) gerade nötig und nicht soviel wie möglich.
Diese Haltung, das Mögliche möglich zu machen, benötigen wir aber meines Erachtens. Und dafür muss man die Landwirtschaft nicht auf den Kopf stellen –auch wenn Sie meinen Kommentar so ausgelegt wissen wollen: Nur Öko-Landwirtschaft? Habe ich nicht gefordert. Und sonst helfen nur noch Hofläden und Ferienwohnungen? Habe ich nicht behauptet. Ich habe sie nur als Beispiele genutzt für Diversifizierung – und für unternehmerische Phantasie. So wie sie beispielsweise auch ein Weseler Landwirt hat, über den ich zufällig am Wochenende las, dass er nunmehr Hausboote auf einem nahegelegenen See vermietet. Den Bauernhof behält er demnach trotzdem, nur von der Milchwirtschaft hat er sich getrennt.
Sie zeigen sich solcher Diversifizierung gegenüber skeptisch und schreiben von Spezialisierung als einem ökonomischen Gesetz. Abgesehen davon, dass ich kein Freund von solchen Allgemeinplätzen bin: In jedem Fall gehört zu den ökonomischen Gesetzen, dass Unternehmen vom Markt verschwinden, wenn die Spezialisierung nicht funktioniert hat. Sie aber predigen die Spezialisierung und wenn es dann mal nicht klappt, soll der Staat herhalten – wenn ich Sie richtig verstanden habe.
Um den Bogen zurück zur Düngeverordnung – und dem zugrundeliegenden Problem des Gülleüberschusses und damit verbundener unvertretbar hoher Nitratwerte im Grundwasser vieler Regionen – zu schlagen: Ein erster evolutio-närer Schritt wäre für mich die Erkenntnis, dass es volkswirtschaftlich und um-weltpolitisch keinen Sinn macht, in einem Bundesland wie NRW mit seiner hohen Bevölkerungsdichte Hochburgen der Viehzucht zu haben, wenn der Export von Gülle wer weiß wohin erfolgen muss – weil die heimischen Flächen schon überdüngt sind. Der zweite Schritt wäre für mich, sich nicht darauf auszuruhen, dass die Düngeverordnung erst in vielen Jahren Ergebnisse zeitigen kann – sondern zur Kenntnis zu nehmen, dass viele Experten der Düngeverordnung ein Scheitern voraussagen (und wir in vielen Jahren wieder bei Null anfangen). Evolution wäre also für mich, schon jetzt darauf hinzuarbeiten, weniger Fleisch mit höherer Qualität zu besseren Preisen zu produzieren – was nicht nur in Richtung einer umweltfreundlicheren Kreislaufwirtschaft ginge und die Nitratwerte gewiss senken würde, sondern auch positive Ernährungseffekte hätte.
Ich ahne es, Sie vermuten in mir wieder einen, der die Leute per Zwangswirt-schaft zum „Vegetarier-Glück“ zwingen will, während sie auf Selbstbe-stimmung der Menschen und Marktpreise setzen. Rein vorsorglich mein Widerspruch gegen dieses Bild: Wenn man auf einem Sektor ganz gewiss ohnehin nicht von Marktwirtschaft sprechen kann, dann ist es der hochsubventionierte Agrarmarkt. Und wenn Sie kritisieren, dass es für Bioprodukte eine höhere Flächenprämie gibt, dann antworte ich: Genau dies ist angemessen, weil diese Art des Wirtschaftens weniger Umweltschäden und mithin Kosten verursacht. Denn in einem Kilo Schweinesteaks für zum Bei-spiel 5,50 Euro sind die Umweltschäden nicht eingepreist.
Wir sollten also Versuche, das Preisniveau zu heben, nicht als Gängelung und/oder hoffnungslos diskreditieren, sondern als, wie andere Länder zeigen, realistische Option, Landwirtschaft und Umweltschutz zu betreiben. Das wird nicht einfach sein, ich weiß. Aber mit Funktionärinnen und Funktionären, die ihren Mitgliedern so wenig Notwendigkeit zur Veränderung signalisieren – und den Versuch, höhere Preise zu erzielen, nicht als evolutionär sondern als revolutionär ansehen – wird es noch schwerer. Unnötigerweise.
Ich würde mich freuen, würden Sie auch diese Zeilen in den Verteiler Ihres offenen Briefes geben. Für einen weiteren Austausch stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Detlef Flintz


Anmerkungen:

Detlef Flintz ist Leiter Programmgruppe Wirtschaft und Recht beim WDR (Link)

Die Antwort von Detlef Flintz bezieht sich auf dem offenen Brief, den Heike Müller am 28. Juli veröffentlicht hat und der hier zu lesen ist

Hitzewelle überrollt die Landwirtschaft


Gelungener Beitrag bei ev1.tv, wie ich finde. Die landwirtschaftlichen Aufnahmen dazu wurden auf meinem Hof gedreht.
Danke an das Lohnunternehmen Vogeling und dem jungen Fahrer Florian für die Geduld. Es hat ja etwas länger gedauert.

Kurz zusammengefasst:

Die Erträge beim Getreide waren bei mir keine Katastrophe. Hitzewelle überrollt die Landwirtschaft weiterlesen

Ausgewintert

Der Winter ist endgültig vorbei, viele Arbeiten auf dem Acker stehen nun an.

Leider hat der harte Winter mit seinen Kahlfrösten dafür gesorgt, dass viele Wintergetreideflächen nicht mehr zu retten sind und umgebrochen werden müssen.

Der Fachausschuss Getreide des Deutschen Bauernverbandes beschreibt die Situation in Deutschland wie folgt:

„Die Auswinterungsschäden auf den Feldern sind in einigen Regionen Deutschlands so umfangreich, dass sich ein Umbruch der Wintersaaten nicht mehr vermeiden lässt. Auf diesen Flächen muss nun Sommergetreide nachgesät werden. Regional ist deswegen die Versorgung mit Saatgut für Sommersaaten schon sehr angespannt“, so Dr. Klaus Kliem, Vorsitzender des Fachausschusses Getreide des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Thüringer Bauernverbandes nach der Frühjahrssitzung des DBV-Ausschusses. Besonders betroffen seien Gebiete in den östlichen Bundesländern, im Norden Baden-Württembergs, in Hessen sowie im südlichen Niedersachsen.

ausgewinterter Winterweizen || (c) landwirtschaftskammer.de
„Der Beginn des Winters war relativ mild und die Bestände konnten sich schon sehr weit entwickeln. Entscheidend war, ob während der starken Frostperiode im Februar die Saaten durch eine Schneedecke geschützt waren“, so Kliem. Dort, wo die Bestände von Schnee bedeckt und damit vor Kälte und Austrocknung geschützt waren, seien kaum Auswinterungsschäden zu verzeichnen. Auf Äckern, bei denen die Schneedecke fehlte, seien teils erhebliche Auswinterungsschäden aufgetreten.
Mit Blick auf die einzelnen Kulturen sei festzustellen, dass Winterroggen, der in der Regel niedrige Temperaturen gut verkraftet, am wenigsten unter den Witterungsbedingungen gelitten hat. Winterraps zeichne sich durch ein gutes Regenerationsvermögen aus und habe daher die Forstperiode meist recht gut überstanden. Dennoch werde die im Sommer 2012 zu beerntende Rapsfläche geringer ausgefallen, denn im Herbst vergangenen Jahres sei deutlich weniger Winterraps ausgesät worden als in anderen Jahren. Problematischer ist dagegen die Situation bei Wintergerste und bei früh ausgesätem Winterweizen. Gebietsweise müssten diese Kulturen wegen massiver Auswinterungsverluste großflächig umgebrochen werden. Auf diesen Flächen könne noch Sommergetreide angebaut werden. Allerdings werde entsprechendes Saatgut vielerorts schon knapp. Auch aus diesem Grund stelle Mais eine weitere Anbaualternative dar, so die einhellige Meinung im DBV-Fachausschuss. (Link)

Diese Nachricht beschäftigt natürlich auch die Märkte von morgen. Zusammen mit einer befürchteten Frühjahrstrockenheit gehen viele Marktteilnehmer davon aus, dass das Getreide auch über den Sommer hinaus weiter knapp bleiben dürfte. Sogar in Amerika macht sich der Wirtschaftsnachrichtensender Bloomberg über den aktuellen Zustand des Getreides in Europa Gedanken und blickt sorgenvoll auf eine möglicherweise beginnende Frühjahrstrockenheit. Eine weitere niedrige Getreideernte ist leider möglich.

Die Sorge einer Dürre ist nicht ganz unbegründet, denn in den letzten Jahren zeichneten sich die Frühlingsmonate, in denen das Getreide viel Wasser benötigt, durch eine anhaltende Trockenheit aus. Aktuell sind die Flächen auch schon wieder abgetrocknet und können fast alle befahren werden. Für die aktuellen Feldarbeiten ist das durchaus vorteilhaft. Die Wettervorhersagen stellen jedoch keinen Regen in Aussicht.

für die kommende Woche ist kein Regen in Sicht || (c) by wetterspiegel.de

Fehlende regionale Erntemengen können aber möglichweise mit Importen aus Regionen mit guten Ernten ausgeglichen werden. Und noch ist es nicht soweit, ich möchte ja nicht den Teufel an die Wand malen!
Schwieriger wird es aber wohl bei der Versorgung mit dem Stroh werden, weil dieses Nebenerzeugnis nur mit hohen Kosten transportiert werden kann. Hier darf man mit weiter steigenden Rekordpreisen rechnen. (siehe auch: begehrtes Stroh)

Natürlich stellt sich nun für den betroffenen Getreideanbauer die Frage, wie die nun frei gewordenen Fläche bewirtschaftet werden soll. Oft wird auf Sommergetreide ausgewichen, aber leider ist der Markt nach Auskunft meiner Agrargenossenschaft aufgrund der exorbitant großen Nachfrage in Deutschland quasi leer gefegt. Selbst Ackerbohnen und Erbsen sind mittlerweile knapp geworden. So bleibt vielen nur der Maisanbau, wodurch diese Frucht als Gewinner aus dieser Misere hervorkommen wird. Die Kritiker des weiter zunehmenden Maisanbaus wird das sicher nicht freuen- Stichwort Vermaisung.