Schlagwort-Archive: Nitrat

„Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“

Screenshot Spiegelüberschrift
Zu viel Gülle in der Zeitung? Ein Blog in der Brandung leistet Abhilfe.

„(…). Hast doch die Schillipeppa.“ Diesen Spruch habe ich mir gestern von einem Erbosten Menschen* eingefangen als Antwort auf ein Post von mir auf seiner Facebook-Seite. Es ging um das Rauschen im bundesdeutschen Blätterwald, zu viel Dünger könne das Trinkwasser teurer machen, Preissteigerungen bis zu 45 Prozent werden erwartet. Der Erboste Mensch war böse, wie man seinem Post entnehmen konnte:

„Für das Billigfleisch mit dem Deutschland die ganze Welt versorgen will zahlen wir alle bald die (Wasser)Zeche. Auf eine Familie kommen bis zu 134 Euro im Jahr Mehrkosten beim Wasser zu.“

In meinem Post habe ich ihn darauf hingewiesen, dass kaum ein bis gar kein Journalist die Studie gelesen habe. Und auf den jüngsten Blogpost der Bloggerin Schillipaeppa aufmerksam gemacht, die sich das dröge Stück angetan und analysiert hat.  Wie das halt so ihre Art ist. Schillipaeppa setzt sich hin, dröselt knochentrockene Aufsätze auf und geht mit dem Resultat ansprechend aufbereitet in ihrem Blog in der Brandung online.

Das Ergebnis schmeckt nicht jedem. Im konkreten Fall auch dem Erbosten Menschen nicht, denn es machte seine Meldung obsolet – so wie fast alle anderen Pressemeldungen zum Thema. „Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“ weiterlesen

Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben?

Hohe Nitrate im Wasser? Geht ganz ohne Intensivtierhaltung!

Gestern bin ich auf eine sehenswerte Dokumentation des Journalisten Michael Miersch zum Thema Waldsterben gestoßen. Sie wurde vor einigen Jahren für den Bayerischen Rundfunk produziert, aber nie ausgestrahlt. Der Sender hatte die Doku „Und ewig sterben die Wälder“ seinerzeit zurückgehalten.

*Nachtrag zum Film: Ein aufmerksamer Blog-Leser hat mich informiert, dass es Hinweise gibt, dass die Dokumentation am 13. Mai 2011 ausgestrahlt wurde, und zwar von Arte.

Ein Teil bezog sich auf die Berichterstattung und der ihr zugrundeliegenden Recherche deutscher Leitmedien zum Thema.

Verblüffend: Im Kontext der aktuellen Berichterstattung über die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Umwelt generell bzw. mit Blick auf die jüngste Nitratsau, die soeben durch die Republik getrieben wird, habe ich Parallelen festgestellt zur Hysterie der 1980er Jahre.

Wiederholt sich die Geschichte?

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Scheint die Natur in Gefahr zu geraten, wird Alarm geläutet. Schrill, anhaltend, panisch. Eine sachliche Betrachtung des Themas, Nüchternheit, Ausgewogenheit – Fehlanzeige. Die deutsche Volksseele reagiert mit Panik und sieht sofort den Tag des Jüngsten Gerichts vor der Haustüre rumlümmeln. Oft haben Fakten das Nachsehen. Die Geschichte wiederholt sich. Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben? weiterlesen

Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen!

Plakat
Fakten, die (manchen) stinken

Biovegan statt Gift und Gülle? Grandioser Unfug. Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen! Ganz einfach. Warum das im Einzelnen so ist, belegt anschaulich der folgende, anonymisierte Leserbrief, der auf einer wahren Begebenheit beruht und vor gar nicht langer Zeit veröffentlicht wurde.

Sämtliche Namen wurden verfremdet.

Vorgeschichte:

Die Landwirte von Dorf bringen im Frühjahr die Gülle aus. Bei der regionalen Zeitung trifft ein böser Brief von Herrn Riechorgan ein. Er beklagt sich bitter über Geruchsbelästigung. Unter anderem. Die Dorfer Landwirte Sören Smithpig und Stefan Strawberry antworten.

Der Brief:

Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen!
Die Dorfer Landwirte Sören Smithpig und Stefan Strawberry schildern Fakten aus der Praxis*

Herr Riechorgan behauptet in seinem Leserbrief von Doomsday 2017, in Dorf würden Äcker „übergüllt“ und „die Allgemeinheit der öffentlichen Güter Wasser und Luft durch rücksichtslose Verunreinigung beraubt“. Kurz: Es rieche unerträglich und Gülle gelange ins Grundwasser.

Sinn und Zweck der Gülleausbringung werden in unserer durchurbanisierten Gesellschaft zunehmend kritisch hinterfragt, die Toleranz für das „Stinken“ sinkt. Wen wundert es? Den meisten Menschen ist das Wissen um die Erzeugung ihrer Nahrung verloren gegangen. Wer weiß noch, dass nachhaltiger Pflanzenbau ohne die gezielte Versorgung von Kulturpflanzen mit den in der Gülle enthaltenen Nährstoffen unmöglich ist?

Enteignung öffentlicher Güter

Den Vorwurf der „Enteignung öffentlicher Güter“ hören wir das erste Mal. Er ist hart. Daher interessiert uns Dorfer Landwirte: Wie sieht eigentlich der Umgang von Herrn Riechorgan mit dem „öffentlichen Gut Luft“ aus? Fährt er ein feinstaubarmes Auto oder gar einen Elektrowagen, legt er seine Wege weitestgehend mit Rad, Bus und Bahn zurück?

Herr Riechorgan hat richtig erkannt, dass im Frühjahr viel Gülle ausgebracht wird. Das hat aber nichts mit Rücksichtslosigkeit zu tun. Es ist nun mal der ideale Zeitpunkt für Pflanzen und Böden, Nährstoffe aufzunehmen. Dafür stellt uns die Natur nur einen kurzen Zeitraum im Jahr zur Verfügung. Die Nährstoffe gelangen nicht ins Grundwasser, sondern werden von den Pflanzen entsprechend verwertet. Laut Trinkwasseranalyse des Wasserwerkes Kreisstadt (Stand Februar 2016) enthält unser Trinkwasser 8,8 mg Nitrat je Liter Wasser. Der Grenzwert liegt bei 50 mg je Liter. Das Wasserwerk Kreisstadt bezieht übrigens auch unser angeblich übergülltes Grundwasser aus Dorf.

Nährstoffkreislauf

Wer weiß heute noch, dass das Kernelement landwirtschaftlicher Betriebe der Nährstoffkreislauf ist? Mit jeder Ernte entziehen wir Landwirte unseren Äckern Nährstoffe. Das Ausbringen von Gülle ist keine „Entsorgung“, sondern wir geben den Böden zurück, was wir ihnen genommen haben. Würden wir es unterlassen, hätte dies drastische Konsequenzen für die Bodenfruchtbarkeit.

Auch „übergüllen“ wir Landwirte unsere Äcker nicht. Eine Verordnung regelt, wie viel Dünger auf welche Frucht ausgebracht werden darf. Es wird regelmäßig, spontan und streng kontrolliert. Bei Nichteinhaltung fallen hohe Strafen an.

Große viehhaltende Betriebe besitzen teilweise nicht genug eigene Flächen, um die anfallende Gülle zu verwerten. Daher kooperieren sie mit Landwirten ohne Viehhaltung. Diese sind dankbare Abnehmer.

Natürlich könnte man die „unbeliebte“ Gülle durch Mineraldünger (Kunstdünger) ersetzen. Er stinkt nicht, wird allerdings unter großem Energieaufwand vorwiegend aus Erdöl und Erdgas gewonnen. Phosphor ist zudem eine endliche Ressource.

Übrigens wird stetig daran gearbeitet, das „Stinken“ zu reduzieren. Mittlerweile kommt eine bodennahe Ausbringungstechnik zum Einsatz. Sie ersetzt zunehmend die so genannten Prallteller, die die Gülle in die Luft „versprühen“.

Willkommen!

Ganz abstellen können wir die Geruchsentwicklung aber nicht. Wollen wir weiterhin vor Ort Nahrungsmittel erzeugen, müssen wir auch die regionale Kreislaufwirtschaft akzeptieren. Aber bevor Herr Riechorgan aus dem temporär stinkenden Fegefeuer Dorf in die dauerfeinstaubkontaminierte Großstadthölle flüchtet – warum steigen Sie nicht lieber auf Ihr Rad und kommen auf einen Kaffee rum? Sie sind uns herzlich willkommen zu einem Gespräch. Anruf genügt!

Sören Smithpig
Stefan Strawberry
Landwirte Dorf

*Die zweite Überschrift stammt vom Redakteur.

Nitrat: gute & böse Fakes?

Zur Vorstellung des Niedersächsischen Nährstoffberichtes1 2015/16 und der Berichterstattung darüber

Bezug: SAT1-regionalHAZ und NOZ 

Das umfangreiche Zahlenwerk dieser frühen Art einer Nährstoff-„Stoffstrom-Bilanz“ oder -„Hoftorbilanz“ für Niedersachsen ist das Eine, die ministeriellen Einführungsworte das Andere. Mit Formulierungen wie „Zehntaussende Hektar fehlen im Land“ in den Zeitungen werden trickreiche Zahlen-Interpretationen jenseits der Ziffern weitergegeben. Die Lehre aus der Waldsterbenshysterie vor 30 Jahren sollte sein, auf eine manipulative Wortwahl, die Selektion und „Konfektion“ passender Zahlen und die Verzerrung bis Fälschung von Ergebnissen durch Eiferer besonders kritisch zu achten. Lieber selber Zahlen bewerten.

Manipulative Wortwahl

Dieser Satz zu den leicht abgenommenen Dungmengen stimmt mehrfach nicht:

Der jüngste Nährstoffbericht belegt: Ihre Anstrengungen tragen erste Früchte“.

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Respekt

Ein Appell an die Bauern, an meine Community:

für mehr gegenseitigen Respekt

Über die Diskussionskultur im Netz

Liebe Berufskollegen, liebe Community, ich sitze gerade im Zug nach Hause. Mit Marcus und Nadine habe ich gerade für die „Wir machen euch satt„-Initiative eine Pressekonferenz abgehalten. Wie es war, wie wir waren werden wir später erfahren, wenn über unsere Initiative berichtet wird und vor allem: wie berichtet wird.

Das soll aber gar nicht mein Thema jetzt sein. Mir geht es jetzt in diesem Beitrag darum, wie wir im Internet kommunizieren, wie wir miteinander umgehen, oder sollte ich besser schreiben: GEGENEINANDER?

sie geben sich die Hand: Trump und Obama (c) AP, Focus

Gerade wenn die Diskussion um die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft oder speziell um Glyphosat, MRSA und Nitrat geht, dann reichen in der Diskussion die Argumente und Fakten anscheinend nicht mehr aus. Zu häufig wird zur Verdeutlichung, wie ernst man es mit der eigenen Meinung hat, diese mit mehr oder weniger deutlichen persönlichen Anschuldigungen untermalt.

Das meine ich jetzt im Bezug auf den Umgang unter uns Landwirten, aber auch im Umgang von uns mit Journalisten. Ja, es gibt Berichterstattung, die mich fürchterlich ärgert. Aber auch da müssen wir versuchen, zu argumentieren. Fakten bringen, eigene Meinung deutlich machen. Aber bitte auch genau unterscheiden: Ist der Journalist jetzt Überbringer einer Botschaft oder ist es seine Meinung, die er in einem Kommentar äußert?

Ich bin froh, über jeden Journalisten, aber auch jeden Landwirt, der sich in sozialen Netzwerken der Diskussion stellt bzw. sich einbringt. Aber viel zu oft ist die Diskussion unsachlich, von persönlicher Abneigung geprägt. Einfach keine angenehme Diskussionskultur. In Blogposts, in denen mit dem Ottonormal-Verbraucher Kontakt aufgenommen werden soll, ist ein solches Klima unter den Beiträgen, in den Kommentaren wirklich schädlich.

Keine Frage, es sind nicht nur die Landwirte, die die Schärfe rein bringen. Ganz sicher nicht, aber für neugierige Verbraucher kann es schon abschreckend sein, wenn sich wirklich hitzige, ins persönliche abschweifende Debatten in den Kommentarspalten abspielen.

Deshalb meine Empfehlung. Nehmt euch alle ein wenig zurück. Überlegt zweimal, ob ihr einen Post absenden wollt oder vielleicht doch besser nicht.
In Beiträgen, die den Verbraucher ansprechen sollen, bitte auch den Verbraucher in den Mittelpunkt stellen: jeder Kommentar ist dann für den Verbraucher da und nicht für eigene Nebenkriegsschauplätze.

Ich fordere Selbstkritik ein und frage mich auch, ob ich alles richtig gemacht habe bzw. mache. Das ganz gewiss nicht, aber ich möchte mich bessern und möchte gerne an diese meine Worte erinnert werden, wenn ich im sozialen Netz auf Abwegen geraten bin.

Uns fehlt vielleicht die Kritkfähigkeit und die Kraft, auch andere Einstellungen und Meinungen zu akzeptieren. Lasst uns streiten, aber bitte sachlich und fair. Das wäre dann gelebte Demokratie.

Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Der Nitratbericht der Bundesregierung ist noch ganz frisch.

Vorbemerkung:
Niemand kann den ganzen Nitratbericht 2016 in wenigen Stunden lesen, darum hat der Statistiker Georg Keckl als Ersteinschätzung nur schnell das das Kapitel „Nitrat im Grundwasser“ betrachten und bewerten können.
Es gibt nun also offiziell ein neues Nitrat-Messnetz für das Grundwasser! Aber warum denn nun doch?
Wollte man eine neue „EU-Nitratlüge„, wie in der „dlz“ beschrieben, verhindern?
Wie wird diese Neuerung verkauft? Ein großer Wurf? Was ist nun besser?

Georg Keckl gibt die Antwort im folgenden Beitrag, die Lektüre lohnt sich, nehmen sie sich bitte die Zeit:

Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Ein gemeinsamer Nitratbericht der Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie für Ernährung und Landwirtschaft wird alle 4 Jahre erstellt. Der Nitratbericht 2016 ist erschienen. Nitratberichte sind Grundlage für die Beurteilung der EU über die Fortschritte der deutschen Nitratminimierungsziele.
Der Bundes-Umweltministerin und dem Bundes-Landwirtschaftsminister ist dieser Fachbericht wieder keine Pressemeldung wert, trotz des medialen Wirbels um Nitrat im Grundwasser in letzter Zeit, insbesondere seit der Nitrat-Klage der EU gegen Deutschland vor dem EuGH. Die Österreicher melden das für ihren Nitratbericht 2016, bei viel weniger Ärger mit der Materie in Österreich (https://www.bmlfuw.gv.at/). Dafür gibt es eine Pressemeldung des Bauernverbandes (DBV): Der Bauernverband stellt heraus, dass es zu keinem Anstieg der Nitratbelastung im Grundwasser gekommen ist, bei Oberflächengewässer wird die großartige Erfolgsgeschichte von der Verbesserung der Gewässerqualitäten fortgeschrieben (vgl. Spiegel: Früher war alles schlechter). Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung weiterlesen

Ammoniak: das nächste Vertragsverletzungsverfahren im Anmarsch?

Kommt nach dem EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen schlechter Nitratwerte auch ein solches Verfahren wegen nicht eingehaltender Ammoniakminderungsziele auf Deutschland bzw. Deutschlands Bauern zu?

Hermann Grupe
Hermann Grupe

Die FDP Holzminden hat auf ihrer Facebookseite eine sehr interessante und zugleich (für mich) alarmierende Rede des agrarpolitischen Sprechers der FDP, Hermann Grupe, veröffentlicht.

Darin erklärt Grupe, dass Deutschland ein Minderungsziel von 29% anvisiert. Frankreich dagegen mutet seinen Landwirten nur 13% zu und im Vereinigten Königreich soll das Minderungsziel sogar nur bei 11% liegen. Und dass obwohl Deutschland nach Aussagen von Grupe bereits mehr Reduktion in der Vergangenheit erreicht hat als vorher benannte EU-Mitgliedsstaaten. Grupe zieht einen Vergleich zu dem Streit ums Nitrat im Grundwasser und stellt fest:

Wenn man von falschen Voraussetzungen ausgeht und die Landwirtschaft an den Pranger stellt, dann erreicht man das Gegenteil und überlastet die Landwirte mit überzogenen Forderungen ! (Hermann Grupe am 27. 10. im Niedersächsischen Landtag)

bodennahe Gülleausbringung reduziert die Ammoniakverluste
bodennahe Gülleausbringung reduziert die Ammoniakverluste

 

Volksverdummung

Volksverdummung à la „Waldsterben“: Nitrate im Wasser

Geor Keckl | (c) animal-health-online.de
Geor Keckl | (c) animal-health-online.de

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) meldete im September 2015: „Hohe Nitratwerte in Niedersachsens Grundwasser1. Dazu wurde ein Bild der Rheinland-Pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken gezeigt, wie sie im Mainzer Landtag eine rot und grün eingefärbte Deutschlandkarte ins Plenum zeigte, auf der angeblich die „Grundwasserbelastung durch Nitrat grafisch darstellt“ sei (NOZ). Niedersachsen ist auf der Karte vorwiegend in alarmierendem Rot. Weiter sind zu dem Artikel im Internet Bilder mit einem völlig veralteten Gülle-Schleuderfass zu sehen und doch auch eine Karte, die einzelne Echt-Messwerte für Niedersachsen zeigt, wo es nun für den Raum Osnabrück, im Unterschied zur rot-grün gefärbten Karte der Ministerin, gar nicht so schlecht aussieht. In der gesamten Viehhaltungsregion der ehemaligen Fürstbistümer Münster und Osnabrück sorgt diese missverständliche rot-grüne Karte immer wieder für Besorgnisse der Bürger über ihr Trinkwasser. Regelmäßig lösen sich in der NOZ u.a. Artikel über den angeblich schlechten Zustand des Grundwassers mit scheinbar wirkungslosen Artikeln über die gute Qualität des in der Region gewonnenen Trinkwassers ab2.

Im März erschien in der NOZ ein Artikel mit der Überschrift: „Grüne: Missverständnis – Keine Gefahr für Trinkwasser in Hilter durch Nitrat“3. Ausgerechnet auf einer Infoveranstaltung der Grünen, die kräftig die „Grundwassersterbens“-Welle anschieben, wurde nun den verdutzten Besuchern erläutert, dass ihr Trinkwasser seit Jahrzehnten konstant niedrige Nitratwerte aufweist. Die Messstelle des Landes Niedersachsen, die zu hohe Werte aufweist, stehe in der Münsterstraße4 am Ortsrand von Hilter (lockere Siedlungen, Friedhöfe und Industriegebiet) und habe mit dem Trinkwasser des Ortes nichts zu tun.

In den katholischen Fürstbistümern zwischen Niedersachsen und NRW ist eine intensive Viehhaltung auf kleinen Höfen gewachsen. Das hier traditionelle römische Erbrecht (südlich des Limes und in römisch-katholischen Fürstbistümern) sah lange die Erbteilung vor und bei der Abschaffung der Leibeigenschaft samt „Verkoppelung“ der Felder im 19. Jahrhundert wurde viele Höfe aus den Dörfern in ihre Flur verlegt. Günstige Bedingungen, unter denen sich viele kleine Betriebe über eine intensive Viehhaltung für die nahe „Boomregion“ Ruhrgebiet bis heute erhielten. Im Gegensatz zur veröffentlichten Meinung ist Viehhaltung immer noch eine Domäne der flächenknappen kleinen Vollerwerbsbetriebe. Groß- und Nebenerwerbsbetriebe wurden ab den 60er Jahren meist viehlos. Historisch sind viele Kleinbetriebe von den großen Herrschaftshöfen aus den Gebieten mit guten Böden auf die schwächeren Standorte verdrängt oder dort aufgesiedelt worden. So kam viel Viehhaltung auf leichte, sommertrockene Böden. Die Böden mit „luftigem“ Untergrund haben die Eigenschaft, dass sie wenig Wasser speichern und/oder bei viel Regen die in der Bodenlösung vorhandenen Nitrate biologisch unabgebaut nach Unten abgeben. Das trifft besonders auf Äcker zu, die lange ohne Bewuchs sind, welcher die Nährstoffe halten könnte. Wo diese „inkontinenten“ Böden sind, ist auch viel Nitrat im Grundwasser, ganz unabhängig vom Vieh. Das gibt es auch unter Siedlungen (meist undichtes Kanalnetz) oder Wäldern5.

Eine nicht-nachhaltige Waldnutzung, z.B. massenweise verfaulendes, bestes Buchenholz im Stadtpark von Hannover, erhöht die Nitratgehalte im Boden der Umgebung und führt dazu, dass die Anwohner Brennholz aus Russland in ihren Kaminen verbrennen. Die Stickoxide aus Auspuffabgasen summieren sich ebenfalls. Der öffentlichen Meinung wird nun eingeredet, alles Nitrat komme von einer „Überdüngung“ – würde nur so viel gedüngt, wie die Pflanzen brauchen, gäbe es kein Nitrat im Grundwasser. Das ist wie mit dem Salz im kochenden Nudelwasser. Man kann nicht so wenig Salz ins Wasser geben, wie die Nudeln brauchen, es wird immer Salz mit dem Nudelwasser weggeschüttet. Nitrat ist ein Salz wie Kochsalz. Wenn es so stark regnet, dass Wasser „durchläuft“ (meist im norddeutschen Winter), nimmt es das Salz mit. Nitrate sind ein natürlich im Boden vorkommender und auch natürlich immer verlagerter Stoff. Wie die „Nitratbilanz“ aussieht, ist mit dem Wetter jedes Jahr anders. Nitrat wird bakteriell abgebaut, von Pflanzen aufgenommen, in den Humus ein- und ausgelagert, ebenfalls mit der Humusmenge im Boden angereichert oder abgetrennt, mit dem Wasser in die Tiefe verlagert. Nitrat ist kein Gift, es ist ein Grundbaustein des Lebens, wie Kochsalz auch, nur dass Kochsalz „bakterienstabil“ ist. Die Menschen nehmen Nitrat vorwiegend mit dem Gemüse auf, und das schon zu Zeiten, wo die Menschen noch mehr Leitungswasser tranken als heute. Selbst die etwas problematischen Nitrite werden vom Menschen selbst in der Mundhöhle gebildet, ein Keimschutz für Zähne und Magen6. Das ist alles eine Frage der Dosis. Hier werden nach bewährter Taktik die nach technischen Möglichkeiten festgesetzten, technischen Ziel-Grenzwerte von Scharlatanen zu Gesundheitsgrenzwerten verfälscht.

Der Konflikt in Osnabrück ist typisch für gegenwärtige Lage beim Streit um das Grundwasser: Das Grundwasser stirbt angeblich, ist fast überall verseucht, nur hapert es an Überall-Zahlenreihen. Das erinnert stark an das „Waldsterben“, als Fotografen verzweifelt nach toten Bäumen im nirgends sterbenden Wald suchten. Wie alle „Waldschadensberichte“ seit 1983 und historische Forstberichte zeigen, ist der Wald heute so gesund oder so krank wie früher und zu allen Zeiten7. Die öffentliche Meinung hatte nur die Vorstellung, früher wären keine Bäume „gestorben“, hätte es keine kranken und abgestorbenen Bäume im Wald gegeben. Mit dem Missverständnis wurde Politik und Karrieren gemacht. Es ist erstaunlich, wie leicht die Medien immer wieder auf Katastrophenmeldungen und Kampagnen hereinfallen. Und es ist erstaunlich, wie weit die Umweltaktivisten für ihre guten Ziele bereit sind, das Volk zu verarschen, eben wie bei den Waldsterbensprognosen, die nie eintrafen. Will man heute sterbende Wälder sehen, muss man in die Nationalparke gehen, da sterben kilometerweise Wälder „natürlich“ ab und reichern das Grundwasser mit Nitraten aus faulendem Holz an.

Die großen „roten“ Gebiete auf der Karte der Ministerin Höfken kommen von wenigen Messstellen mit hohen Nitratwerten, die aus Vorsorgegründen ein ganzes Flusseinzugsgebiet als „gefährdet“ klassifizieren8. Dass hier das ganze Grundwasser „schlecht“ sei, ist eine politische Lüge. Auch in der NOZ fanden sich die weiteren politischen Verdummungen zu dem Thema:

Zwar werde der Grenzwert für Nitrat in der Mehrzahl der überwachten Bäche und Flüsse nicht überschritten. Doch während 2010 nur in 82 Fällen Werte über 50 Milligramm pro Liter gemessen wurden, waren es in diesem Jahr bereits 190. Der grüne Bundestagsabgeordnete Peter Meiwald sagte der „Frankfurter Rundschau“: „Dass nur zehn Prozent der fließenden Gewässer in Deutschland richtig sauber sind, ist eine Klatsche für die Umweltpolitik der Bundesregierung.

Die Zahl der „Grenzwertüberschreitungen“ ist deshalb gestiegen, weil 2010 insgesamt 5666 Bäche und Flüsse gemessen wurden und 2015 waren es 63059. Nun hat Deutschland keine Eroberungen gemacht, sondern problematische Flussabschnitte stärker unterteilt. Das nur 10% der Gewässer in Deutschland richtig sauber sein sollen, ist die dreisteste Lüge, die immer wiederholt wird, denn die 90% ergeben sich hauptsächlich aus der Verbauung der Flüsse, ihrem „unnatürlichen Zustand“ und nicht aus der Chemie der Gewässer10. Es gibt einen Fluss, der viele deutsche Quellen, Bäche und Flüsse einsammelt, der Rhein, und da sinken, wie bei fast allen deutschen Gewässern seit den 80er Jahren, die Stickstoffwerte (Nitrat-N und Ammonium-N hängen zusammen):

Bimmen-Lobith-Rhein_nitratQuelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/bilder/dateien/nitrat_rhein.pdf

———————————————————————————————————————————–p-nh-nitrat_2010Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/bilder/naehrstoffe_trend.png

Die Belastung der Gewässer mit Nitrat nimmt im Schnitt eindeutig ab.

Auch die oft gehörte Aussage, in Deutschland wäre das Grundwasser so belastet wie in der EU sonst nur in Malta, ist dreist gelogen für den guten Zweck.

Dazu gibt es die berühmte „Malta-Grafik“, in der ich mal eingezeichnet habe, wo Deutschland stünde, wenn hier wie in anderen EU-Ländern gemessen würde (im „EUA-Messnetz“ statt im deutschen Sonderding „Belastungsmessnetz“11):

Nitrat_d_regularOriginal steht hier: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2013:0683:FIN:DE:PDF

Nun kommt von Wasser-Fachleuten die Forderung auf, die Werte der EU-Staaten vergleichbar zu machen12, was eine der Verursacherinnen dieses Schwindel-Rankings, Frau Höhn, dazu verlasst hat, dreist zu behaupten, nun würde „nur an wenig belasteten Stellen gemessen“13.

Das würde ja heißen, es würde genauso verlogen weitergemacht wie bisher, nur andersrum.

Deutschland hat das Geld, sogar ein echtes, repräsentatives Netz aufzubauen. Dazu wird es wohl nicht kommen, jede Verbesserung der Nitrat-Stellung Deutschlands würde von den Grünen als Schummelei dargestellt. Eine einfache Lüge hat es immer leichter als eine komplizierte Wahrheit. Wer etwas landwirtschaftlichen Verstand hat, wird doch wohl nicht glauben, dass wir bei Nitrat schlechter als die NL sind. Zu der Grafik habe ich dem EU- Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt, Herr Karl Falkenberg, öffentlich geschrieben:

Diese Irreführung der EU- Öffentlichkeit durch die EU ist nicht entschuldbar, man muss der Bedeutung des Fehlers und seiner öffentlichen Aufmerksamkeit entsprechend sagen, dass diese Auswertungen von faulen statistischen Vollidioten erstellt worden sind, die nie an solche Auswertungen gedurft hätten.14

Nun hat die EU auf dieser Grundlage Deutschland wegen Nichteinhaltung der Nitrat-Richtlinie verklagt. Ein Sieg für die, die Deutschland mit allen Tricks schlecht machen wollen, was hoffentlich bei den Verhandlungen eine Rolle spielen und auf die eifernden Datenfälscher zurückfallen wird.


 

1 Vgl.: http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/613254/hohe-nitratwerte-in-niedersachsens-grundwasser#gallery&0&1&613254
2 Vgl.: http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/596137/wie-viel-nitrat-ist-im-wasser-in-osnabruck-und-im-landkreis
3 Vgl.: http://www.noz.de/lokales/hilter/artikel/691997/keine-gefahr-fur-trinkwasser-in-hilter-durch-nitrat
4 Vgl.:https://www.google.de/maps/place/M%C3%BCnsterstra%C3%9Fe,+Hilter+am+Teutoburger+Wald/@52.1351122,8.1255246,1165m/data=!3m1!1e3!4m2!3m1!1s0x47b9f24ef617a535:0x2bcad70cdf8fa4d2
5 Vgl.: :  Seite 30 bis 33 in   http://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/a34_stickstoff_in_bayerns_waelder.pdf und  http://www.lwf.bayern.de/boden-klima/bodeninventur/012071/index.php
6 Vgl.: https://www.landwirtschaft-bw.info/pb/MLR.Ernaehrung,Lde/Startseite/Empfehlungen/Nitrat+im+Gemuese+_+Wirklich+so+bedenklich_/?LISTPAGE=1063164 und http://www.eufic.org/article/de/artid/Unser-Speichel-oder-Spucke-nicht-nur-zum-Spucken/
7 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Mail%20November%20Waldsterben.pdf und http://www.agrarheute.com/dlz/news/ausbleibende-katastrophen
8 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Verwirrung%20Grundwassser%20und%20Nitrat.pdf
9 Vgl.: Seite 8 in http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/18/058/1805856.pdf
10 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Umweltbundesamt%20manipuliert%20ZDF%20beim%20Nitrat.pdf
11 Vgl.: Grafik 2 in https://www.umweltbundesamt.de/daten/gewaesserbelastung/grundwasserbeschaffenheit
12 Vgl: siehe Folien 4 bis 13 in http://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/wasser/hydrogeologie/Fortbildungs-_und_Vortragsveranstaltungen/Grundwassertag2014/Messnetz_Nitratrichtlinie_Neumann.pdf
13 Vgl.: http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/deutschland-will-bei-der-nitratbelastung-tricksen-a-1049215.html
14 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Leserbrief%20ZEIT%20Nitrat.pdf

Anti-Fleischatlas-regional

boell_stiftung_logo_de_0Die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen und der BUND stellen zur Grünen Woche in Berlin einen „Fleischatlas regional“ vor.

Besonders interessant dürfte die Antwort auf diese Frage sein: (aus der Pressemitteilung): „Wie viele Höfe „sterben“ jährlich in den einzelnen Bundesländern?“. Da könnte man nun weiter fragen: Wessen Politik hat die größten Industrialisierungswelle verursacht und zu einer Verdrängung von Kleinbauern in den letzten Jahren stark beigetragen? Die Biogaswelle, angestoßen von den Grünen! Die Grünen sollen bitte nicht so tun, als hätten sie keine Landwirtschaftspolitik gemacht bisher und würde ihre Politik die Kleinbauern eher erhalten. Kein Zweig der Landwirtschaft ist so großtechnisch geprägt wie Biogas, hat so viele Gesellschaften (oft mit beschränkter Haftung) statt Familienbetriebe.

Zu den bisherigen „Fleischatlassen“ habe ich einen Anti-Fleischatlas geschrieben und bin auch auf den letzten Seiten des Anti-Bodenatlasses nochmal auf den Fleischatlas eingegangen.

München trinkt Wasser, das vorher für Rindfleisch verbraucht wurde!

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