Schlagwort-Archive: Grundwasser

Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben?

Hohe Nitrate im Wasser? Geht ganz ohne Intensivtierhaltung!

Gestern bin ich auf eine sehenswerte Dokumentation des Journalisten Michael Miersch zum Thema Waldsterben gestoßen. Sie wurde vor einigen Jahren für den Bayerischen Rundfunk produziert, aber nie ausgestrahlt. Der Sender hatte die Doku „Und ewig sterben die Wälder“ seinerzeit zurückgehalten.

*Nachtrag zum Film: Ein aufmerksamer Blog-Leser hat mich informiert, dass es Hinweise gibt, dass die Dokumentation am 13. Mai 2011 ausgestrahlt wurde, und zwar von Arte.

Ein Teil bezog sich auf die Berichterstattung und der ihr zugrundeliegenden Recherche deutscher Leitmedien zum Thema.

Verblüffend: Im Kontext der aktuellen Berichterstattung über die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Umwelt generell bzw. mit Blick auf die jüngste Nitratsau, die soeben durch die Republik getrieben wird, habe ich Parallelen festgestellt zur Hysterie der 1980er Jahre.

Wiederholt sich die Geschichte?

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Scheint die Natur in Gefahr zu geraten, wird Alarm geläutet. Schrill, anhaltend, panisch. Eine sachliche Betrachtung des Themas, Nüchternheit, Ausgewogenheit – Fehlanzeige. Die deutsche Volksseele reagiert mit Panik und sieht sofort den Tag des Jüngsten Gerichts vor der Haustüre rumlümmeln. Oft haben Fakten das Nachsehen. Die Geschichte wiederholt sich. Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben? weiterlesen

Grünes Wasser, grünes Licht, grüne Wärme

Wie im anderen Blogbeitrag erläutert, handelt es sich beim größten Teil des waterfootprints landwirtschaftlicher Produkte um sogenanntes „Grünes Wasser“. Also um Regenwasser, das sowieso fällt. Egal ob die dadurch wachsenden Pflanzen jetzt geerntet werden oder an Ort und Stelle verbleiben. Trotzdem wird dieses Wasser immer wieder als „verbraucht“ bezeichnet. So zum Beispiel HIER in diesem aktuellen Bericht zum heutigen Weltwassertag:

Snapshot

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Das Wasser und das liebe Vieh

Immer wieder begegnet einem bei Diskussionen über die Umweltfolgen von tierischen Produkten der Verweis auf den immensen Wasser“verbrauch“.

So werden zum Beispiel für 1 kg Rindfleisch 15400 Liter genannt.

Dass eine solch gewaltige Menge vom Tier nicht gesoffen werden kann, erscheint logisch unter dem Gesichtspunkt, dass dieses Kilo Fleisch an 1 bis 3 Tagen heranwächst. Und auch das Putzwasser bei der Produktion kann nicht diese Höhe erreichen. 15400 Liter aus der Leitung würden hierzulande zwischen 50 und 100 Euro kosten. Das wäre mit Sicherheit ein zu großer Aufwand für ein Kilo Fleisch im Wert von 6 – 20 Euro. Und trotzdem stimmt die Zahl. Es handelt sich um sogenanntes „virtuelles Wasser“, den sogenannten waterfootprint.

Virtuelles Wasser wird im deutschen wikipedia einigermaßen anschaulich erklärt. Trotzdem werde ich später auf englischsprachige Seiten verlinken. Denn auf wikipedia hat sich wie in vielen anderen deutschen Publikationen und von Seiten der Wasserversorger der Begriff „WasserVERBRAUCH“ eingebürgert.

Das ist meines Erachtens falsch. Denn „Verbrauch“ im Zusammenhang mit Wasser ist in wikipedia folgendermaßen definiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrauch Das Wasser und das liebe Vieh weiterlesen

Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Der Nitratbericht der Bundesregierung ist noch ganz frisch.

Vorbemerkung:
Niemand kann den ganzen Nitratbericht 2016 in wenigen Stunden lesen, darum hat der Statistiker Georg Keckl als Ersteinschätzung nur schnell das das Kapitel „Nitrat im Grundwasser“ betrachten und bewerten können.
Es gibt nun also offiziell ein neues Nitrat-Messnetz für das Grundwasser! Aber warum denn nun doch?
Wollte man eine neue „EU-Nitratlüge„, wie in der „dlz“ beschrieben, verhindern?
Wie wird diese Neuerung verkauft? Ein großer Wurf? Was ist nun besser?

Georg Keckl gibt die Antwort im folgenden Beitrag, die Lektüre lohnt sich, nehmen sie sich bitte die Zeit:

Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Ein gemeinsamer Nitratbericht der Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie für Ernährung und Landwirtschaft wird alle 4 Jahre erstellt. Der Nitratbericht 2016 ist erschienen. Nitratberichte sind Grundlage für die Beurteilung der EU über die Fortschritte der deutschen Nitratminimierungsziele.
Der Bundes-Umweltministerin und dem Bundes-Landwirtschaftsminister ist dieser Fachbericht wieder keine Pressemeldung wert, trotz des medialen Wirbels um Nitrat im Grundwasser in letzter Zeit, insbesondere seit der Nitrat-Klage der EU gegen Deutschland vor dem EuGH. Die Österreicher melden das für ihren Nitratbericht 2016, bei viel weniger Ärger mit der Materie in Österreich (https://www.bmlfuw.gv.at/). Dafür gibt es eine Pressemeldung des Bauernverbandes (DBV): Der Bauernverband stellt heraus, dass es zu keinem Anstieg der Nitratbelastung im Grundwasser gekommen ist, bei Oberflächengewässer wird die großartige Erfolgsgeschichte von der Verbesserung der Gewässerqualitäten fortgeschrieben (vgl. Spiegel: Früher war alles schlechter). Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung weiterlesen

Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten

Es gibt wieder Neuigkeiten von Andreas von Tiedemann, Professor für Pflanzenpathologie aus Göttingen!

snap_vTiedemann_fernsehkritiktvDem regelmäßigen Leser dieses Blogs ist er bereits im Oktober positiv aufgefallen, als er die Berichterstattung von PlusMinus zum Thema Pestizide in einem offenen Brief scharf kritisierte. Dieser offene Brief wurde für einen ausführlichen Beitrag bei Fernsehkritik.tv aufgegriffen. Wirklich sehenswert- Herr von Tiedemann kommt dort ausführlich zu Wort.

Aber nicht nur das. Er verfasste zusätzlich auch einen Beitrag, der auf den Internetseiten des Deutschen Arbeitgeberverbandes veröffentlicht wurde. Ich bin ihm wirklich dankbar für diese Worte:

„Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten“

deutscherarbeitgeberverband_logoDie Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland angesichts von Technologiefeindlichkeit betreffen nicht nur die Industrie sondern in ganz besonderem Maße auch die Landwirtschaft. Mehr noch als die industrielle Produktion hat die Landwirtschaft mit ihrer Aufgabe der Ernährungssicherung eine unmittelbare Funktion in der Sicherstellung unserer essentiellen Lebensgrundlagen. Deshalb erscheint es so unverständlich wie eine Gesellschaft gerade diejenigen Technologien so kritisch sieht, ja ablehnt, die zu dem in der Geschichte der Menschheit bislang einmaligen Grad an Ernährungssicherheit geführt haben, den wir alle heute genießen.

Der Grund hierfür liegt prekärerweise im Erfolg der modernen Landwirtschaft selbst. Die Einführung moderner Methoden der Pflanzenproduktion, die in Europa und anderswo in den letzten fünf Jahrzehnten zur Vermehrfachung der Erträge in den wichtigsten Nahrungskulturen wie Mais, Reis und Weizen geführt haben und der entscheidende Grund dafür ist, dass in diesem Zeitraum der Pflug mit dem Storch Schritt halten konnte (siehe Tabelle), hat das Thema Nahrungsmittelknappheit in den entwickelten Ländern völlig aus dem Bewusstsein verdrängt. Der ungeheure Fortschritt in der Landwirtschaft durch Einführung besserer Anbautechnologien wird kurioserweise gerade durch den daraus resultierenden Erfolg mit der Ignoranz der davon Begünstigten bestraft. Die moderne Landwirtschaft hat – zumindest für den entwickelten Teil der Menschheit – ein solches Maß an Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln erreicht, dass dieser nicht mehr als außerordentliche Leistung sondern als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird. Die dramatische Folge für die Landwirtschaft ist, dass der Zusammenhang dieser komfortablen Wohlfahrtssituation mit den dafür notwendigen modernen Landbautechniken nicht mehr hergestellt wird. So kurios das klingt, eine weniger erfolgreiche Landwirtschaft, die immer wieder Knappheiten in der Versorgung herbeiführen würde, würde sich einer weitaus höheren Anerkennung erfreuen und müsste sich als Technologie nicht für Ihren Erfolg rechtfertigen.

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Das mangelnde Bewusstsein für den eigentlichen Ursprung unseres Ernährungswohlstands ist auch ein mangelhaftes Geschichtsverständnis. Warum wir die moderne Landwirtschaft nicht schätzen, sie aber schätzen sollten weiterlesen

allerlei Gerüchte ums Nitrat

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 13. Teil der kleinen Serie:

2.08 Mehr Öko-Hearsay zu Wasser & Nitrat

„Stickstoff wird als Nitrat massiv ins Grundwasser geschwemmt, so dass inzwischen bei fünfzehn Prozent des Trinkwassers der Nitratanteil über dem gesetzlichen Grenzwert liegt.“ ZITAT FAZ

Mainstream“ – aber falsch. Der Anteil des Trinkwassers, bei dem der Nitratanteil über dem gesetzlichen Grenzwert liegt, ist nahe Nullkommanichts!

ZITAT UBA: „Die Messdaten aus den Jahren 2011 bis 2013 zeigen: Das Trinkwasser hielt bis auf eine Ausnahme zu mehr als 99 Prozent alle Parameter ein.1

Wenn Nitrat so schlimm wäre, müsste man den Gemüseverzehr verbieten. Wer trinkt eigentlich noch Wasser aus dem Hahn? Die Nitratmenge aus dem echt getrunkenen „Trinkwasser“ ist im Vergleich zu Gemüse und Obst ein Witz.

Höchstmengenregelungen zu den Nitratgehalten in unterschiedlichen Lebensmitteln. Quelle: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/
Höchstmengenregelungen zu den Nitratgehalten in unterschiedlichen Lebensmitteln. Quelle: http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/

Neuere Erkenntnisse sprechen dem Nitrat in den aktuellen Dosen einen Gesundheitsnutzen zu2. Es gibt inzwischen schon Nitrat-Fitnessdrinks3. Dieses Hearsay-Wissen breitet sich mit großer Unterstützung des UBA aus, Zahlen, Faken und Zusammenhänge werden durch „groß“, „bedeutend“, „Einfluss“ etc. ersetzt, wenn die echten Zahlen stören könnten – und man rückt die echten Zahlen zu den Behauptungen auch nicht raus4. Das UBA verstößt damit gegen die Beamtenpflichten5, es hat unparteiisch und seriös zu informieren.

5 Vgl.: http://www.gesetze-im-internet.de/beamtstg/__33.html


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Keine Korrelation zwischen Nitrat und Fleischproduktion

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist sechste Teil der kleinen Serie:

1.06 Wo ist die Korrelation zum Fleisch?

„Die einzige Möglichkeit, dessen Herr zu werden, ist die Verminderung der Fleischproduktion.“ ZITAT FAZ (bzw Aussage des Interviewten Markus Venohr vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin)

Dazu müsste es einen eindeutigen Zusammenhang geben: mehr Vieh – mehr Nitrat im Grundwasser. Den gibt es nicht, das ist ein nachgeplapperter NGO-Wahn wie „Nitrat im Grundwasser macht Krebs“. Wir haben sehr viehstarke Gebiete mit keinerlei Nitratproblemen im Grundwasser und viehlose Gebiete mit erheblichen Nitratproblemen im Grundwasser! Es kommt auf die Geologie an, nicht auf das Vieh. Gedüngt wird gleich!

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Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Wie sind Stickstoff-Überschüsse zu bewerten?

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist fünfte Teil der kleinen Serie:

1.05 Überschüsse, die gar keine sind

„Der Entwurf für die Düngeverordnung sieht vor, dass Landwirte 60 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr ausbringen dürfen. Laut Venohr entspricht dieser Wert dem wissenschaftlichen Konsens. Die 120 Kilogramm, von denen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder in Nordrhein-Westfalen aber teils die Rede ist, seien jedoch „definitiv zu viel“, sagt er.“ ZITAT FAZ

So einen Begrenzung gibt es nicht und die ist auch nicht vorgesehen! Im Prinzip darf der Landwirt so viel Stickstoff ausbringen, wie er für die Kultur für richtig hält (fachliche Praxis). Der Dünger kostet Geld, wird also kaum verschwendet, und bei zu viel Stickstoff kippt oft der Ertrag. Nur bei dem „organischen Düngern“ gibt es eine Begrenzung, denn da sind die „Entsorgungskosten“ schon in der Vergangenheit so hoch geworden, dass stellenweise auf hofnahen oder Eigenflächen grob überdüngt wurde und deshalb der Gesetzgeber reagiert hat. Deshalb gibt es da schon lange Begrenzungen. Die sollen es jetzt auch für Biogassubstrat gelten. Der Stickstoffzufluss aus Gülle, Mist, Kompost und Biogassubstrat darf die Summe von 170 kg Stickstoff pro Hektar nicht mehr überschreiten. Die 60 kg Stickstoff pro Hektar beziehen sich auf die „erlaubten Stickstoffüberschüsse“ pro Hektar, also was mehr gestreut wird als die Pflanzen aufnehmen können. Daraus machen dann Scharlatane: „diese Überschüsse gehen alle in Grundwasser“ – völlig falsch. Dieser „erlaubte Stickstoffüberschuß“ ist ein weiterer völlig theoretischer Wert, errechnet als Saldo aus unzähligen Annahmen über die Stickstoffgehalte jedes organischen und anorganischen Düngers auf der einen und seiner N-Verluste, der Pflanzenaufnahme etc auf der anderen Seite (*).

Hier wurde mal geguckt, was aus dem verabreichten Dünger wurde.
Hier wurde mal geguckt, was aus dem verabreichten Dünger wurde.

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Keine willkürliche Macht den Kontrolleuren!

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich heute ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist nach einer kürzen Pause der vierte Teil der kleinen Serie:

1.04 Alle Macht der Theorie-Partei!

„……die Länder zur Erstellung eines Nährstoffabgleichs zu ermächtigen. Erst damit können sie Daten über Anfall und Ausbringung von Dünger zu einem Nährstoffabgleich für die einzelnen Betriebe verknüpfen, durch den Verstöße sichtbar werden. ZITAT FAZ

nährstoffbilanz_gbr_2014
der bürokratische Aufwand ist bereits jetzt hoch

Hier wird ein Theoriepapier zum Fetisch! Das ist unnötig, nur Verwaltungs- und Landwirtschaftstheoretiker können sich daran hochziehen. Man kennt für jeden Betrieb die Tierbestände, Biogaskapazitäten, die Flächen und die Erträge recht gut, was anfällt, was an Flächen da ist, was die Erträge entziehen und hat die Entsorgung bei den Baugenehmigen („Entsorgungsnachweise“ – „Güllenachweisflächen“) vorgeschrieben. Über die Tierbestände und die vorgeschriebenen Aufzeichnungen für den überbetrieblichen Gülle-/Misttransport kann man Nährstoffbilanzen regional aufstellen und hat einen groben Überblick, ob die Flächen zu den anfallenden Mengen passen. Es kann doch weiterhin niemand kontrollieren, ob ein Landwirt lieber öfter auf ein hofnahes Feld fährt, damit das Grundwasser gefährdet, oder nicht. Es geht hier nur um weitere Theoriepapiere ohne jeden praktischen Nutzen für das Grundwasser, denn es gibt ja weiter keine Möglichkeit, felderbezogene Dungwerte zu kontrollieren! logo_biolandWie absurd diese theoretischen Annahmen werden, zeigt ein Protest von Bioland gegen zu geringe Düngermengen, die ihre Gewächshausbetriebe nach den neuen Regeln ausbringen dürften:

 „Eine Begrenzung der Gesamtstickstoffdüngung auf 170 kg/ha/Jahr ist für spezialisierte Unterglas-Bio-Betriebe (ohne relevante Freilandflächen) unmöglich zu erfüllen. Der Regelungsvorschlag würde dazu führen, dass der Stickstoffentzug von den Hauptkulturen Bio-Tomaten, Paprika und Gurken deutlich höher wäre als durch die Düngung zugeführt werden könnte. Während konventionelle Betriebe den Mehrbedarf an Stickstoff im Gewächshaus mit mineralischen Düngern ausgleichen können, sind BioBetriebe vollständig auf organische Dünger angewiesen.“ ZITAT Bioland

Für Freilandflächen mit hohen Ernten stellt Bioland keine Forderung, weil die Biobetriebe meist mit einem Düngermangel zu kämpfen haben, auf Ertragszuwächse oder ertragreichere Früchte deshalb verzichten müssen. Die hohen Erträge der Konvibauern auszubremsen, ist sicher auch ein unausgesprochenes Ziel von Bio, würde deren Einkünfte schmälern, evtl. mehr zur Umstellung auf Bio animieren.

Wenn man die Landwirte auf seiner Seite hat, statt sie über unfähige Theoretiker zu drangsalieren, stellt sich ein Erfolg ein. Das läuft mehr über Vertrauen und mit den bisherigen Kontrollen als über Prozesse. Hier sollen grünen Obergutsinspektoren an praxisfernen Ökoschreibtischen vermehrt werden und ihnen eine willkürliche Macht zugeschanzt werden, die ihnen nicht zusteht. Die bilden sich ein, mit ihren Theorien können sie die Nährstoffflüsse auf einem Feld regeln. Das geht heute nicht und das ginge auch mit den neuen Regeln nicht. Sie waren nicht in der Lage zu sehen, was Biogas oder die Biotreibstoffquoten für Nebenwirkungen haben – sind ohne jede Einsicht und weiter rhetorisch ganz Obenauf, was nur für Fachfremde kompetent klingen mag. Es prallt hier weiter eine abgehobene Theoriewelt auf eine ganz andere Praxis.

Die bisherigen, groben Kontrollen reichen, sie haben bis vor 10 Jahren zu rückläufigen Nitratmengen geführt, weil die Ernten (Nitratentzug) stiegen, die Verschlechterung der Werte entstand durch die fehlenden Begrenzungen bei Biogas. Die Verantwortlichen für diese Misere müssten bestraft und degradiert werden, also der grüne Theoretikerkomplex, nicht die Bauern. Die Heuchler tun so, als ob die bisherigen Regeln zu schwach waren. Das waren sie nicht, es waren ihre fehlenden Regeln für Biogas, die den Rückschritt brachten. Die neuen Regeln würden nur ihre Stellen und ihre Macht vermehren.

Nun gilt die neue Begrenzung für die Biogas-Gülle. Klug wäre es, die Wirkung erst mal abzuwarten. So dringlich ist die Sache nicht, die „Schadwirkung“ von Nitrat wird aus anderen Gründen maßlos übertrieben.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html