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Nitrat: gute & böse Fakes?

Zur Vorstellung des Niedersächsischen Nährstoffberichtes1 2015/16 und der Berichterstattung darüber

Bezug: SAT1-regionalHAZ und NOZ 

Das umfangreiche Zahlenwerk dieser frühen Art einer Nährstoff-„Stoffstrom-Bilanz“ oder -„Hoftorbilanz“ für Niedersachsen ist das Eine, die ministeriellen Einführungsworte das Andere. Mit Formulierungen wie „Zehntaussende Hektar fehlen im Land“ in den Zeitungen werden trickreiche Zahlen-Interpretationen jenseits der Ziffern weitergegeben. Die Lehre aus der Waldsterbenshysterie vor 30 Jahren sollte sein, auf eine manipulative Wortwahl, die Selektion und „Konfektion“ passender Zahlen und die Verzerrung bis Fälschung von Ergebnissen durch Eiferer besonders kritisch zu achten. Lieber selber Zahlen bewerten.

Manipulative Wortwahl

Dieser Satz zu den leicht abgenommenen Dungmengen stimmt mehrfach nicht:

Der jüngste Nährstoffbericht belegt: Ihre Anstrengungen tragen erste Früchte“.

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Volksverdummung

Volksverdummung à la „Waldsterben“: Nitrate im Wasser

Geor Keckl | (c) animal-health-online.de
Geor Keckl | (c) animal-health-online.de

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) meldete im September 2015: „Hohe Nitratwerte in Niedersachsens Grundwasser1. Dazu wurde ein Bild der Rheinland-Pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken gezeigt, wie sie im Mainzer Landtag eine rot und grün eingefärbte Deutschlandkarte ins Plenum zeigte, auf der angeblich die „Grundwasserbelastung durch Nitrat grafisch darstellt“ sei (NOZ). Niedersachsen ist auf der Karte vorwiegend in alarmierendem Rot. Weiter sind zu dem Artikel im Internet Bilder mit einem völlig veralteten Gülle-Schleuderfass zu sehen und doch auch eine Karte, die einzelne Echt-Messwerte für Niedersachsen zeigt, wo es nun für den Raum Osnabrück, im Unterschied zur rot-grün gefärbten Karte der Ministerin, gar nicht so schlecht aussieht. In der gesamten Viehhaltungsregion der ehemaligen Fürstbistümer Münster und Osnabrück sorgt diese missverständliche rot-grüne Karte immer wieder für Besorgnisse der Bürger über ihr Trinkwasser. Regelmäßig lösen sich in der NOZ u.a. Artikel über den angeblich schlechten Zustand des Grundwassers mit scheinbar wirkungslosen Artikeln über die gute Qualität des in der Region gewonnenen Trinkwassers ab2.

Im März erschien in der NOZ ein Artikel mit der Überschrift: „Grüne: Missverständnis – Keine Gefahr für Trinkwasser in Hilter durch Nitrat“3. Ausgerechnet auf einer Infoveranstaltung der Grünen, die kräftig die „Grundwassersterbens“-Welle anschieben, wurde nun den verdutzten Besuchern erläutert, dass ihr Trinkwasser seit Jahrzehnten konstant niedrige Nitratwerte aufweist. Die Messstelle des Landes Niedersachsen, die zu hohe Werte aufweist, stehe in der Münsterstraße4 am Ortsrand von Hilter (lockere Siedlungen, Friedhöfe und Industriegebiet) und habe mit dem Trinkwasser des Ortes nichts zu tun.

In den katholischen Fürstbistümern zwischen Niedersachsen und NRW ist eine intensive Viehhaltung auf kleinen Höfen gewachsen. Das hier traditionelle römische Erbrecht (südlich des Limes und in römisch-katholischen Fürstbistümern) sah lange die Erbteilung vor und bei der Abschaffung der Leibeigenschaft samt „Verkoppelung“ der Felder im 19. Jahrhundert wurde viele Höfe aus den Dörfern in ihre Flur verlegt. Günstige Bedingungen, unter denen sich viele kleine Betriebe über eine intensive Viehhaltung für die nahe „Boomregion“ Ruhrgebiet bis heute erhielten. Im Gegensatz zur veröffentlichten Meinung ist Viehhaltung immer noch eine Domäne der flächenknappen kleinen Vollerwerbsbetriebe. Groß- und Nebenerwerbsbetriebe wurden ab den 60er Jahren meist viehlos. Historisch sind viele Kleinbetriebe von den großen Herrschaftshöfen aus den Gebieten mit guten Böden auf die schwächeren Standorte verdrängt oder dort aufgesiedelt worden. So kam viel Viehhaltung auf leichte, sommertrockene Böden. Die Böden mit „luftigem“ Untergrund haben die Eigenschaft, dass sie wenig Wasser speichern und/oder bei viel Regen die in der Bodenlösung vorhandenen Nitrate biologisch unabgebaut nach Unten abgeben. Das trifft besonders auf Äcker zu, die lange ohne Bewuchs sind, welcher die Nährstoffe halten könnte. Wo diese „inkontinenten“ Böden sind, ist auch viel Nitrat im Grundwasser, ganz unabhängig vom Vieh. Das gibt es auch unter Siedlungen (meist undichtes Kanalnetz) oder Wäldern5.

Eine nicht-nachhaltige Waldnutzung, z.B. massenweise verfaulendes, bestes Buchenholz im Stadtpark von Hannover, erhöht die Nitratgehalte im Boden der Umgebung und führt dazu, dass die Anwohner Brennholz aus Russland in ihren Kaminen verbrennen. Die Stickoxide aus Auspuffabgasen summieren sich ebenfalls. Der öffentlichen Meinung wird nun eingeredet, alles Nitrat komme von einer „Überdüngung“ – würde nur so viel gedüngt, wie die Pflanzen brauchen, gäbe es kein Nitrat im Grundwasser. Das ist wie mit dem Salz im kochenden Nudelwasser. Man kann nicht so wenig Salz ins Wasser geben, wie die Nudeln brauchen, es wird immer Salz mit dem Nudelwasser weggeschüttet. Nitrat ist ein Salz wie Kochsalz. Wenn es so stark regnet, dass Wasser „durchläuft“ (meist im norddeutschen Winter), nimmt es das Salz mit. Nitrate sind ein natürlich im Boden vorkommender und auch natürlich immer verlagerter Stoff. Wie die „Nitratbilanz“ aussieht, ist mit dem Wetter jedes Jahr anders. Nitrat wird bakteriell abgebaut, von Pflanzen aufgenommen, in den Humus ein- und ausgelagert, ebenfalls mit der Humusmenge im Boden angereichert oder abgetrennt, mit dem Wasser in die Tiefe verlagert. Nitrat ist kein Gift, es ist ein Grundbaustein des Lebens, wie Kochsalz auch, nur dass Kochsalz „bakterienstabil“ ist. Die Menschen nehmen Nitrat vorwiegend mit dem Gemüse auf, und das schon zu Zeiten, wo die Menschen noch mehr Leitungswasser tranken als heute. Selbst die etwas problematischen Nitrite werden vom Menschen selbst in der Mundhöhle gebildet, ein Keimschutz für Zähne und Magen6. Das ist alles eine Frage der Dosis. Hier werden nach bewährter Taktik die nach technischen Möglichkeiten festgesetzten, technischen Ziel-Grenzwerte von Scharlatanen zu Gesundheitsgrenzwerten verfälscht.

Der Konflikt in Osnabrück ist typisch für gegenwärtige Lage beim Streit um das Grundwasser: Das Grundwasser stirbt angeblich, ist fast überall verseucht, nur hapert es an Überall-Zahlenreihen. Das erinnert stark an das „Waldsterben“, als Fotografen verzweifelt nach toten Bäumen im nirgends sterbenden Wald suchten. Wie alle „Waldschadensberichte“ seit 1983 und historische Forstberichte zeigen, ist der Wald heute so gesund oder so krank wie früher und zu allen Zeiten7. Die öffentliche Meinung hatte nur die Vorstellung, früher wären keine Bäume „gestorben“, hätte es keine kranken und abgestorbenen Bäume im Wald gegeben. Mit dem Missverständnis wurde Politik und Karrieren gemacht. Es ist erstaunlich, wie leicht die Medien immer wieder auf Katastrophenmeldungen und Kampagnen hereinfallen. Und es ist erstaunlich, wie weit die Umweltaktivisten für ihre guten Ziele bereit sind, das Volk zu verarschen, eben wie bei den Waldsterbensprognosen, die nie eintrafen. Will man heute sterbende Wälder sehen, muss man in die Nationalparke gehen, da sterben kilometerweise Wälder „natürlich“ ab und reichern das Grundwasser mit Nitraten aus faulendem Holz an.

Die großen „roten“ Gebiete auf der Karte der Ministerin Höfken kommen von wenigen Messstellen mit hohen Nitratwerten, die aus Vorsorgegründen ein ganzes Flusseinzugsgebiet als „gefährdet“ klassifizieren8. Dass hier das ganze Grundwasser „schlecht“ sei, ist eine politische Lüge. Auch in der NOZ fanden sich die weiteren politischen Verdummungen zu dem Thema:

Zwar werde der Grenzwert für Nitrat in der Mehrzahl der überwachten Bäche und Flüsse nicht überschritten. Doch während 2010 nur in 82 Fällen Werte über 50 Milligramm pro Liter gemessen wurden, waren es in diesem Jahr bereits 190. Der grüne Bundestagsabgeordnete Peter Meiwald sagte der „Frankfurter Rundschau“: „Dass nur zehn Prozent der fließenden Gewässer in Deutschland richtig sauber sind, ist eine Klatsche für die Umweltpolitik der Bundesregierung.

Die Zahl der „Grenzwertüberschreitungen“ ist deshalb gestiegen, weil 2010 insgesamt 5666 Bäche und Flüsse gemessen wurden und 2015 waren es 63059. Nun hat Deutschland keine Eroberungen gemacht, sondern problematische Flussabschnitte stärker unterteilt. Das nur 10% der Gewässer in Deutschland richtig sauber sein sollen, ist die dreisteste Lüge, die immer wiederholt wird, denn die 90% ergeben sich hauptsächlich aus der Verbauung der Flüsse, ihrem „unnatürlichen Zustand“ und nicht aus der Chemie der Gewässer10. Es gibt einen Fluss, der viele deutsche Quellen, Bäche und Flüsse einsammelt, der Rhein, und da sinken, wie bei fast allen deutschen Gewässern seit den 80er Jahren, die Stickstoffwerte (Nitrat-N und Ammonium-N hängen zusammen):

Bimmen-Lobith-Rhein_nitratQuelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/bilder/dateien/nitrat_rhein.pdf

———————————————————————————————————————————–p-nh-nitrat_2010Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/bilder/naehrstoffe_trend.png

Die Belastung der Gewässer mit Nitrat nimmt im Schnitt eindeutig ab.

Auch die oft gehörte Aussage, in Deutschland wäre das Grundwasser so belastet wie in der EU sonst nur in Malta, ist dreist gelogen für den guten Zweck.

Dazu gibt es die berühmte „Malta-Grafik“, in der ich mal eingezeichnet habe, wo Deutschland stünde, wenn hier wie in anderen EU-Ländern gemessen würde (im „EUA-Messnetz“ statt im deutschen Sonderding „Belastungsmessnetz“11):

Nitrat_d_regularOriginal steht hier: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2013:0683:FIN:DE:PDF

Nun kommt von Wasser-Fachleuten die Forderung auf, die Werte der EU-Staaten vergleichbar zu machen12, was eine der Verursacherinnen dieses Schwindel-Rankings, Frau Höhn, dazu verlasst hat, dreist zu behaupten, nun würde „nur an wenig belasteten Stellen gemessen“13.

Das würde ja heißen, es würde genauso verlogen weitergemacht wie bisher, nur andersrum.

Deutschland hat das Geld, sogar ein echtes, repräsentatives Netz aufzubauen. Dazu wird es wohl nicht kommen, jede Verbesserung der Nitrat-Stellung Deutschlands würde von den Grünen als Schummelei dargestellt. Eine einfache Lüge hat es immer leichter als eine komplizierte Wahrheit. Wer etwas landwirtschaftlichen Verstand hat, wird doch wohl nicht glauben, dass wir bei Nitrat schlechter als die NL sind. Zu der Grafik habe ich dem EU- Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt, Herr Karl Falkenberg, öffentlich geschrieben:

Diese Irreführung der EU- Öffentlichkeit durch die EU ist nicht entschuldbar, man muss der Bedeutung des Fehlers und seiner öffentlichen Aufmerksamkeit entsprechend sagen, dass diese Auswertungen von faulen statistischen Vollidioten erstellt worden sind, die nie an solche Auswertungen gedurft hätten.14

Nun hat die EU auf dieser Grundlage Deutschland wegen Nichteinhaltung der Nitrat-Richtlinie verklagt. Ein Sieg für die, die Deutschland mit allen Tricks schlecht machen wollen, was hoffentlich bei den Verhandlungen eine Rolle spielen und auf die eifernden Datenfälscher zurückfallen wird.


 

1 Vgl.: http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/613254/hohe-nitratwerte-in-niedersachsens-grundwasser#gallery&0&1&613254
2 Vgl.: http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/596137/wie-viel-nitrat-ist-im-wasser-in-osnabruck-und-im-landkreis
3 Vgl.: http://www.noz.de/lokales/hilter/artikel/691997/keine-gefahr-fur-trinkwasser-in-hilter-durch-nitrat
4 Vgl.:https://www.google.de/maps/place/M%C3%BCnsterstra%C3%9Fe,+Hilter+am+Teutoburger+Wald/@52.1351122,8.1255246,1165m/data=!3m1!1e3!4m2!3m1!1s0x47b9f24ef617a535:0x2bcad70cdf8fa4d2
5 Vgl.: :  Seite 30 bis 33 in   http://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/a34_stickstoff_in_bayerns_waelder.pdf und  http://www.lwf.bayern.de/boden-klima/bodeninventur/012071/index.php
6 Vgl.: https://www.landwirtschaft-bw.info/pb/MLR.Ernaehrung,Lde/Startseite/Empfehlungen/Nitrat+im+Gemuese+_+Wirklich+so+bedenklich_/?LISTPAGE=1063164 und http://www.eufic.org/article/de/artid/Unser-Speichel-oder-Spucke-nicht-nur-zum-Spucken/
7 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Mail%20November%20Waldsterben.pdf und http://www.agrarheute.com/dlz/news/ausbleibende-katastrophen
8 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Verwirrung%20Grundwassser%20und%20Nitrat.pdf
9 Vgl.: Seite 8 in http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/18/058/1805856.pdf
10 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Umweltbundesamt%20manipuliert%20ZDF%20beim%20Nitrat.pdf
11 Vgl.: Grafik 2 in https://www.umweltbundesamt.de/daten/gewaesserbelastung/grundwasserbeschaffenheit
12 Vgl: siehe Folien 4 bis 13 in http://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/wasser/hydrogeologie/Fortbildungs-_und_Vortragsveranstaltungen/Grundwassertag2014/Messnetz_Nitratrichtlinie_Neumann.pdf
13 Vgl.: http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/deutschland-will-bei-der-nitratbelastung-tricksen-a-1049215.html
14 Vgl.: http://www.keckl.de/texte/Leserbrief%20ZEIT%20Nitrat.pdf

Junglandwirteforum mit Greg Peterson in Spelle

Junglandwirteorganisationen aus Niedersachsen und NRW, das Landvolk und der WLV laden ein:

Greg Petersen – LIVE –
am
Mittwoch, den 14. Oktober ´15  ab 19:30 Uhr
im Wöhlehof in Spelle

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AbL torpediert Bauern-Demo in Hannover

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) torpediert die morgige Bauerndemo in Hannover und spielt gleichzeitig mit Minister Meyer Doppelpass.

Darüber hatte ich in einem Nebensatz schon hier berichtet.

Aber es geht weiter:
So wurden Lehrer der Berufsschule Northeim vom Pressesprecher der AbL, Eckehard Niemann, telefonisch gewarnt, ihren Schülern die Teilnahme an der Landvolk-Demo zu ermöglichen. Aber im Hintergrund müssen noch viel mehr Drähte geglüht haben, denn außerdem meldeten sich das niedersächsische Kultus- und Landwirtschaftsministerium bei den Lehrkräften.
Ich habe dazu einen tweet abgesetzt:


Wenn das nicht ein Eingriff in das Recht der Versammlungsfreiheit ist, dann ist es zumindest ein schlechter Stil. Das macht mich traurig und ärgert mich gleichzeitig!

Die AbL zeigt sich also unsolidarisch gegenüber der übergroßen Mehrheit der niedersächsischen Bauern. Aber wie stark ist die AbL eigentlich?

Achim Hübner* hat sich dazu Gedanken gemacht:

Beachtlich…

Foto: Swen Pförtner +++ swenpfoertner.com
Foto: Swen Pförtner +++ swenpfoertner.com

17.09.2015 Aufgrund unseres Demonstrationsaufrufs für morgen meldet sich die AbL zu Wort und ruft offen zur Spaltung des Berufsstandes auf. Selten sind die erheblichen Unterschiede so deutlich geworden. Der Bauernverband bekennt sich zum Markt, die AbL fordert staatliche Eingriffe.

Bemerkenswert ist dabei wieder einmal die Reaktion unseres Ministers: Hier übergibt die AbL ein Positionspapier, das im eigenen (!) Gutachten zum Thema Milchmengenregulierung wissenschaftlich als nicht wirksam bezeichnet wird, an den Minister. Extra Termin, Foto, Bericht, das ganze Programm läuft an (Bericht s.o.)

Zur Einordnung:

Die AbL nennt selbst leider keine Zahlen zur Mitgliederstärke. Niedersachsenweit werden (inoffiziell) immer wieder ca. 300 Mitglieder genannt. Beim Landvolkverband sprechen wir niedersachsenweit von ca 80.000 Mitgliedern, im Landvolkverband Göttingen mit dem Stichtag heute genau 1.506 Mitglieder.  Für uns ist das auch kein Geheimnis, sondern gelebte Transparenz.

In Relation gesetzt:

Würde man die AbL Mitgliederzahlen auf unseren Kreislandvolkverband runterbrechen, so hätten wir folgendes Bild:
Landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen ca. 40.000 Betriebe, AbL Mitglieder ca. 300, das sind (zu deren Gunsten unterstellt alles wirtschaftende Mitglieder) 0,75 % der Betriebe.
Für unser Landvolk in Göttingen würde das bedeuten, dass wir im Landkreis ca. 6 Landwirte und 6 ehemalige Landwirte zu vertreten hätten……
Na immerhin!

Im Kern bleibt festzuhalten, das die Teilung des Berufsstandes dazu führt, das wir selbst gegeneinander ausgespielt werden!


* Achim Hübner ist Agraringenieur und Geschäftsführer des Landvolks in Göttingen

AbL übergibt Forderungspapier an Minister Meyer

Morgen werden tausende im Landvolkverband organisierte Landwirte in Hannover gegen die Politik der niedersächsischen Landesregierung demonstrieren.

Bereits heute nahm Landwirtschaftsminister Meyer ein Positionspapier der konkurrierenden Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) entgegen.
Dazu möchte ich folgende Pressemeldung der AbL veröffentlichen und den Lesern zur Diskussion stellen:

Für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft – Bauern übergeben Forderungspapier an Minister Meyer

(Foto: AbL)
(Foto: AbL)

Hannover, 16.09.2015: Bäuerinnen und Bauern und Delegierte des Agrar­bünd­nis Niedersachsen konfrontierten heute Landwirtschafts­minister Meyer vor der Hannoverschen Marktkirche mit einem Forderungspapier: „Politik für eine vielfältige, faire, bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft in Niedersachsen. Für wirtschaftliche Perspektiven im Bündnis mit der Gesellschaft.“ Sie machten auf die dramatische Lage bei Milchvieh- und Schweinehaltern angesichts des massiven Preisverfalls aufmerksam. Landwirtschaftsminister Meyer forderten sie auf, sich auf der bevorstehenden Bund-Länder-Agrarministerkonferenz Ende September in Fulda u.a. für eine Mengenreduktionsstrategie im Milch- und Fleischbereich einzusetzen, um die Märkte wieder in Ordnung zu bringen. Die Landesregierung solle sich für eine Qualitäts- statt Exportoffensive stark machen, um bäuerliche Strukturen zu erhalten. Niedersachsen müsse zusammen mit den anderen Ländern vor allem Bundesagrarminister Schmidt Paroli bieten. Denn dessen Politik sei allein auf weiter steigende Exporte der Molkerei- und Schlachtkonzerne zu Billigpreisen ausgerichtet und forciert den Strukturwandel. Das bedrohe die bäuerlichen Betriebe finanziell und verschärfe die Konflikte mit der Gesellschaft noch, anstatt einer gemeinsamen Lösung im Interesse aller näher zu kommen, so die Sprecher. AbL übergibt Forderungspapier an Minister Meyer weiterlesen

Ministerpräsident Weil zu Gast bei der (Land-)Wirtschaft

Cloppenburg (VEL). Gemeinsam für die Zukunft der Region – unter dieser Devise läuteten die Kreislandvolkverbände Emsland, Cloppenburg und Oldenburg zusammen mit den Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammer ihren ersten Wirtschaftstag ein. Ehrengast der Auftaktveranstaltung war Ministerpräsident Stephan Weil.

Diskutierten im voll besetzten Saal über Landwirtschaft und Wirtschaft: Gert Stuke, Hubertus Berges, Moderator Uwe Haring, Stephan Weil, Karl-Heinz Bley und Christian Dreyer (von links). Foto: Knoll, VEL
Diskutierten im voll besetzten Saal über Landwirtschaft und Wirtschaft: Gert Stuke, Hubertus Berges, Moderator Uwe Haring, Stephan Weil, Karl-Heinz Bley und Christian Dreyer (von links).
Foto: Knoll, VEL

Hermann Wester, Präsident des Emsländischen Landvolkes, begrüßte die rund 400 Landwirte und bekräftigte das ungebrochene Interesse gerade der jungen Menschen an der Landwirtschaft. Wester setzt sich daher besonders dafür ein, das Leben im ländlichen Raum zu erhalten. Auch Johann Wimberg, Landrat des Landkreises Cloppenburg, sieht die Stärkung der heimischen Wirtschaft an erster Stelle. Jeder dritte Arbeitsplatz im Kreis Cloppenburg hänge direkt oder indirekt mit der Landwirtschaft zusammen. Clara Rolfes hat nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihren Traumberuf in der Landwirtschaft gefunden. Die 31-Jährige Agraringenieurin aus Lastrup ist die Chefin auf dem Betrieb und schätzt an ihrem Beruf neben der Arbeit mit Tieren und Pflanzen vor allem das Unternehmertum. Immer mehr Bürokratie führe jedoch dazu, dass sie mittlerweile genauso viel am Schreibtisch wie auf dem Trecker sitzt. Dies hemme Innovationen und Ideenreichtum auf den Höfen. Von der Politik wünscht sich die Mutter einer kleinen Tochter mehr Unterstützung, damit auch nachfolgende Generationen Lust auf Landwirtschaft haben.

Dies griff Ministerpräsident Stephan Weil gerne auf, denn Landwirtschaft und Politik hätten ein gemeinsames Interesse daran, verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Landwirte und Landwirtinnen wie Clara Rolfes sollen wieder mit Stolz sagen können „Ich bin niedersächsischer Landwirt“, so Weil. Seiner Ansicht nach sollen Landwirte Respekt für ihre Arbeit erfahren. Dafür müssten sie jedoch offener gegenüber den Wünschen der Gesellschaft sein, denn Landwirten werde heutzutage „nicht mehr automatisch auf die Schulter geklopft“. Weil: „Landwirte sollen selbstbewusst und problembewusst sein.“ Selbstbewusst auf ihre Leistungen für die gesamte Gesellschaft, aber auch problembewusst für die Gründe möglicher Kritik. Ein positives Beispiel sieht er in der Initiative Tierwohl. Denn die Gesellschaft könne nicht nur beste Standards zu günstigsten Preisen verlangen. Er wolle sich dafür einsetzen, dass noch mehr Geld in die Tierwohl-Kasse fließt.

Gert Stuke, Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages, fand klare Worte: „Wir brauchen in Deutschland keine Agrarwende, sondern eine Verbraucherwende.“ Für Christian Dreyer, Geschäftsführer der Amazonen-Werke, liegt die Zukunft in der Technik. Mit immer präziserer Technologie beispielsweise in der Düngerausbringung lasse sich die Qualität deutlich steigern und somit auch die Verbraucherakzeptanz. Hubertus Berges, Vorsitzender des Landvolks Cloppenburg, ist von den Anschuldigungen gegen die Landwirtschaft schlichtweg „genervt“. Seiner Meinung nach muss der scheinbare Widerspruch zwischen intensiv und nachhaltig aufgelöst werden: „Die moderne Landwirtschaft kann beides, und ist zudem noch höchst effizient“, so Berges.

Machbarkeitsstudie zum Schwanzbeissen bei Schweinen

In folgendem Video bzw. Telefonat mit Thomas Wengenroth von stallbesuch.de berichtet Prof. Dr. Blaha (Tierärztlichen Hochschule Hannover) von einer Studie zum Schwanzbeissen bei Schweinen.
Die Versuche bei verschiedenen Betrieben waren nicht erfolgreich, aus diesem Grund bezieht Professor Blaha deutlich Position und empfiehlt dem niedersächsischem Landwirtschaftminister, auf ein generelles Verbot für das Schwanzkupieren zu verzichten. Das von Minister Meyer angedachte Geld für die sogenannte Ringelschwanzprämie solle besser für die Forschung und das „Training“ auf den jeweiligen Betrieben eingesetzt werden.



Endlich bezieht ein Wissenschaftler einmal deutlich Stellung! Als Landwirt und Tierhalter fühlt man sich in seiner Argumentation manchmal ganz schön alleine gelassen gegen die vielen Akteure, die gerne gemäß ihren ideologischen Wunschvorstellungen entscheiden wollten.

Glaubenssätze

Glaubenssätze sind Meinungen und Überzeugungen, die wir uns aus bestimmten Erlebnissen oder Erfahrungen gebildet haben oder die wir von anderen übernommen haben.
Dabei ist Glauben nicht auch Wissen! Es  gibt einen großen Unterschied zwischen Glauben und Wissen. Das was wir Wissen ist mehr oder weniger fest zementiert, wird aber auch immer wieder in Frage gestellt und gegebenenfalls weiter entwickelt. Beim Glauben sollte das ähnlich sein, zumindest gehören Zweifel zum Glauben dazu.

Je fundamentaler und extremistischer ein Glaube in einer Gruppe praktiziert bzw. vertreten wird, desto weniger wird eine Kritik oder ein Zweifel akzeptiert. Dort sind Glaubenssätze das absolute Maß und alles andere wäre Blasphemie.

Ähnliches ist mir passiert, als mir als „Massentierhalter“ vorgeworfen wurde, dass die Massentierhaltung für alles Übel auf der Welt verantwortlich ist, einschließlich für die Grundwasserverschmutzung. Mit dieser These steht dieser Mitmensch wahrlich nicht alleine da. Viele Organisationen wie NABU, BUND aber auch Parteien wie die B90/Grünen sind fest davon überzeugt, dass dieser Glaubenssatz zutrifft. Wider besseren Wissens werden regelmäßig solche Glaubenssätze propagiert und so in breiten Teilen der Bevölkerung verfestigt.

Jetzt ganz aktuell zur Grünen Woche in Berlin wurde der kritische Agrarbericht vorgelegt, der Deutschlandfunk berichtete darüber in der Sendung „Umwelt und Verbraucher“ am 16. Januar diesen Jahres:


In der Anmoderation spricht der Moderator davon, dass „Luft und Gewässer über die Düngung mit Stickstoff vollgepumpt werden und dieses auch schlecht für das Klima sei“ (ab 0:20 Min). Allein die Wortwahl hat mit seriöser Berichterstattung nichts zu tun. Aber der folgende Bericht von Dieter Nürnberger unterstellte eben wieder die oben angeführten Glaubenssätze, dass die industrielle Landwirtschaft Ursprung allen Übels ist. Das gipfelte in der Bemerkung von Thomas Holzmann (Präsident des Bundesumweltamtes), das niemand ernsthaft bezweifeln könne, dass der schlechte Zustand des Grundwassers nicht mit dem Viehbesatz zu tun hätte (ab 4:00 Min).

Aber genau das möchte ich an dieser Stelle einfach mal bezweifeln und auch Fakten liefern, die zeigen, dass die Sachlage leider nicht so glasklar ist.

Folgende Folien stammen vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und beziehen sich auf das Bundesland Niedersachsen.

Altern
Abb.1: Übersicht über die ca. 1000 Messpunkte in Niedersachsen

In der Abbildung 1 werden die Messpunkte analog zur Ampel mit grünen, gelben und roten Punkten gekennzeichnet. Grün steht dabei für niedrige Nitratwerte und Rot für Werte, die über den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l Nitrat liegen.
Man kann erkennen, dass die bunten Punkte quer über die Landesfläche verteilt sind. Die roten Punkte konzentrieren sich in keinem Gebiet. Man kann in Niedersachsen schlechte Messwerte sowohl in Regionen mit intensiver Tierhaltung finden als auch in Ackerbaugebieten. Es ist kein Schema, keine Systematik zu erkennen.
Nun könnten die Kritiker sagen, dass das Grundwassersystem sehr träge ist und über viele Jahre betrachtet werden muss. Aus Abbildung 2 geht hervor, dass sich die Nitratkonzentrationen  sich innerhalb weniger Jahre beträchtlich ändern können.

Abb.2: Übersicht über die Nitratentwicklung
Abb.2: Übersicht über die Nitratentwicklung

Innerhalb von drei Jahren gab es viele Messpunkte, die sich stark verbessert (grün) oder stark verschlechtert (rot) haben. Aber auch hier lassen sich keine räumliche Konzentrationen erkennen. Eine negative Veränderung eines Brunnens kann nicht pauschal mit einer vorhandenen intensiven Tierhaltung begründet werden.

Abb.3: mittlere Nitratwerte seit 1990 bis 2010 in Niedersachsen
Abb.3: mittlere Nitratwerte seit 1990 bis 2010 in Niedersachsen

Niedersachsen ist das Agrarland Nummer 1 in Deutschland. Auch bei der Veredlung konnte die Erzeugung von tierischen Nahrungsmitteln z.T. erheblich gesteigert werden. Somit könnte man auf die Idee kommen, dass mit der Intensivierung und Ausweitung der Tierhaltung auch die Nitratbelastung gestiegen sein könnte, doch wie aus der Abbildung 3 hervor geht, sinkt die Nitratkonzentration kontinuierlich um knapp 1% pro Jahr.

Die Aussage, intensive Tierhaltung ist für hohe Nitratkonzentrationen verantwortlich, ist nicht richtig.
Jetzt möchte ich nicht die Verantwortung für unser Grund- und Trinkwasser abgeben. Das Nitrat ist eine Stickstoffverbindung; wir Landwirte düngen unsere Felder mit Mineraldünger oder organischen Düngemitteln wie Mist oder Gülle, die auch alle den wichtigen Nährstoff Stickstoff enthalten. Vielleicht gibt es weitere Quellen außerhalb der Landwirtschaft, aber letztlich hat die Landwirtschaft eine große Verantwortung für das Grundwasser. Dem stellen wir uns (mit Erfolg, wenn man Abb.3 betrachtet)- eine pauschale Verurteilung ist aber nicht zielführend. Wer das macht verfolgt wohl ganz andere Ziele?