Landwirte unter Generalverdacht

Spelle (VEL). Stoppt den Generalverdacht gegenüber Landwirten – das forderten die rund 150 Teilnehmer des Agrar-Forums in Spelle von Politik und Gesellschaft. Hintergrund sind die immer schärfer werdenden Auflagen, die gerade landwirtschaftliche Familienbetriebe vor immer größere Herausforderungen stellen. Organisiert wurde das Forum von den landwirtschaftlichen Ortsvereinen Lünne, Schapen und Spelle.

Rund 150 Teilnehmer diskutierten über steigende Auflagen in der Landwirtschaft. (c) Knoll, VEL
Rund 150 Teilnehmer diskutierten über steigende Auflagen in der Landwirtschaft. (c) Knoll, VEL

Norbert Meyerdirks, Vorsitzender des Ortsvereins Spelle, verdeutlichte die hohe Wirtschaftskraft der Landwirtschaft: Obwohl 40 % der Arbeitsplätze in der Region direkt oder indirekt an der Landwirtschaft hängen, sieht sich die Branche einer immer schärferen Kritik ausgesetzt. Und obwohl Deutschland die höchsten Tierschutzstandards von allen großen Agrarnationen weltweit hat, stehe gerade die moderne Tierhaltung mehr denn je im Fokus.

Wünschen sich mehr Wertschätzung für die moderne Landwirtschaft: Norbert Meyerdirks, Bernard Krone, Christina Schulze-Föcking, Gerhard Wintering und Hermann Hermeling (v.l.n.r.).  (c) Knoll, VEL
Wünschen sich mehr Wertschätzung für die moderne Landwirtschaft: Norbert Meyerdirks, Bernard Krone, Christina Schulze-Föcking, Gerhard Wintering und Hermann Hermeling (v.l.n.r.). (c) Knoll, VEL

Christina Schulze-Föcking, Landtagsmitglied der CDU in Nordrhein-Westfalen, ist enttäuscht von dem Bild, das Politik und Medien über die moderne Landwirtschaft zeichnen. Landwirtschaftliche Betriebe seien alles andere als Fabriken. Im Gegenteil: Landwirte leisten auf ihren Höfen mehr als einen „acht Stunden Job“. In politischen Debatten vermisst sie das richtige Augenmaß: „Das Verhältnis Mensch-Tier passt nicht mehr“, so die gelernte Landwirtin. Landwirtschaft sei kein Hobby, sondern müsse ein angemessenes Einkommen ermöglichen. Bevor jedoch neue Auflagen geschaffen werden, müsse die Machbarkeit geprüft werden. Ansonsten würden immer mehr Betriebe auf der Strecke bleiben.

Über die derzeit vorherrschende Überregulierung ärgerte sich Bernard Krone, Geschäftsführer der Krone-Holding. Was in der Landtechnik Maschinenmaße und -gewichte sind, seien in der Agrarbranche Auflagen bei Stallneubauten. Wenn in den nächsten Jahrzehnten eine stetig wachsende Weltbevölkerung nach immer mehr Lebensmitteln verlange, könne es nicht sein, dass deutschen Landwirten das betriebliche Wachstum derart erschwert wird. “Wie sollen Landwirte bei steigenden Kosten zu immer billigeren Preisen produzieren?“, fragte Krone und forderte von der Gesellschaft eine höhere Wertschätzung der Lebensmittel und die Bereitschaft, für mehr Qualität auch mehr zu bezahlen.

Die Landwirte selbst beackern derzeit viele Themenfelder. Johannes Hoffrogge, Landwirt aus Spelle, wollte wissen, wie viele Landwirte ihre Hoftore in den nächsten Jahren schließen müssen. Wer dann die Folgeschäden der derzeitigen Agrarpolitik aufräumt, beschäftigt den Schapener Milchkuhhalter Matthias Everinghoff. Einig waren sich alle, dass jeder Landwirt bereit sein muss, seine Hoftore für interessierte Verbraucher und Politiker zu öffnen. Nur so können die Folgen manch praxisferner Auflagen begreifbar werden. Beispielsweise würden Schweine, deren Schwänze nicht mehr gekürzt werden dürfen, von ihren neugierigen Buchtengenossen derart stark beknabbert, dass sie schwerwiegende Verletzungen davon tragen. Hier stellt sich die Frage, wo Tierschutz anfängt und wo er endet.

Die Online-Nachrichtenagentur „Süd-Ems-Media“ hat folgenden Video-Bericht zu der Veranstaltung erstellt. Dort ist auch Blogbetreiber Bernhard Barkmann ab Min. 7:30 mit einem Statement zu sehen.


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