Der Fall Schulze Föcking – oder warum der Konjunktiv WDR-Schlagzeilen regiert

Nadine Henke und Schwein
Nadine Henke

Der WDR schießt scharf gegen NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking – zu Unrecht, findet Tierärztin und Sauenhalterin Nadine Henke in ihrem Blog „Brokser Sauen“.  Sie hat uns ihr Einverständnis erteilt, ihre ausführliche Analyse an dieser Stelle zu veröffentlichen.

Der Fall Schulze Föcking – eine Hexenjagd

…und es hört nicht auf…

Der WDR hat diese Woche mal wieder den Ball aufgenommen, um gegen die NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking und letztlich auch gegen ihre Familie zu schießen.

Der Konjunktiv und irgendwelche Mutmaßungen beherrschen die Schlagzeilen: „soll“, „möglicherweise“, „vermeintliche Tierschutzverstöße“, „es soll zu Tierschutzverstößen gekommen sein“,…

Ministerin zu Fall bringen

Zudem heißt es laut WDR: „Tierschutzverband will Eheleuten Schulze Föcking das Halten von Tieren untersagen lassen“. Das ist fast niedlich – bei dem vermeintlichen „Tierschutzverband“ handelt es sich um ARIWA, einer Tierrechtsorganisation. Diese ist fernab vom Tierschutzgedanken. Es geht ihnen auch im Fall Schulze Föcking nicht um das Wohl der Tiere, sondern einzig und allein darum, die Ministerin zu Fall zu bringen. Denn in Nordrhein-Westfalen gibt es (noch) ein Verbandsklagerecht, das auch ARIWA inne hat. Dieses läuft bald aus – ich würde mal sagen, ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Zurück zum WDR – der Beitrag bei Westpol über Ministerin Christina Schulze Föcking ist in sich sehr fragwürdig und wirft für mich einige Fragen auf:
Ministerin im Kreuzfeuer

Keine Rechtsverstöße

Herr Bülte behauptet im Beitrag, dass ein nicht aktiver Geschäftsführer verpflichtet sei, Rechtsverstöße zu verhindern und deshalb die Staatsanwaltschaft auch gegen Ministerin Christina Schulze Föcking hätte ermitteln müssen. Da fragen ich mich, welche Rechtsverstöße er konkret meint? Es gab Ermittlungen, und diese ergaben offensichtlich keine Rechtsverstöße – denn das Verfahren (auch gegen ihren Mann) wurde eingestellt.

Im Beitrag wird ein Ausschnitt aus einem „Protokoll“ gezeigt. Dort ist die Rede von Besuchsprotokollen und Abgabe- und Anwendungsbelegen der betreuenden Tierärztin des Betriebes. Diese stammen aus den Jahren 2009-2015. Wir reden hier also über Besuchsprotokolle aus den Jahren 2009-2015 – d.h. selbst das „Aktuellste“ ist bereits 3 Jahre alt? Wie soll ich sagen, das „Problem“ ist im wahrsten Sinne des Wortes bereits lange gegessen.

Fachliche Grundlage fehlt

Weiterhin heißt es in diesem Schriftstück, dass Streptokokken ein „Indikatorkeim für schlechte Haltungsbedingungen“ seien. Diese Darstellung entbehrt jeder fachlichen Grundlage. Streptokokken sind Bestandteile der natürlichen Keimflora des Schweines.
Man findet sie z. B. auch auf den Rachenmandeln gesunder Tiere. Probleme treten auf, wenn es zu einer Absiedelung der Streptokokken über die Blutbahn kommt. Sie gelangen auf diesem Weg in Lunge, Gelenke, Gehirn, Herzbeutel. Dort siedeln sich an, vermehren sich und führen zu Entzündungsprozessen. Diese sind für die typischen Krankheitsbilder der Streptokokken Infektion verantwortlich. Ein solcher Prozess braucht keine lange Zeit (wie Frau Preuß-Überschär behauptet), das kann innerhalb von Stunden passieren. In der Medizin nennt man solche Krankheitsverläufe perakut bzw. akut. Dass es bei einer Streptokokken Infektion sowohl zu perakuten als auch akuten Krankheitsverläufen kommen kann, sollte Frau Preuß-Überschär eigentlich wissen.

Seit dem Auftreten von Circoviren in der deutschen Schweinepopulation bekommen bakterielle Erreger wie Hämophilus parasuis und auch Streptokokken gerade auch in gut geführten Betrieben zunehmend Bedeutung, sprich es handelt sich hierbei nicht um einen Indikatorkeim für schlechte Haltungsbedingungen.

Im Fall Schulze Föcking geht es, wenn man sich die Besuchsprotokolle einmal genauer ansieht, offensichtlich v.a. um Einzeltiere, die betroffen sind. Die bestandsbetreuende Tierärztin hat bei den im Beitrag gezeigten Protokollen dokumentiert, dass der gesamte Bestand ohne besonderen Befund ist. Die „dicken Gelenke“ traten nach den gezeigten Besuchsprotokollen v.a. bei neu eingestallten Tieren auf, so dass eine schlechte Haltung im Betrieb Schulze Föcking als Ursache nicht in Frage kommt.

Betrieb bewertet, ohne ihn gesehen zu haben

Frau Preuß-Überschär bewertet hier einen Betrieb anhand einiger Besuchsprotokolle. Sie kennt weder den Betrieb noch hat sie sich bislang vor Ort einen Eindruck von den Tieren gemacht. Das ist fernab einer guten, sonst üblichen, fachlichen Praxis. Es ist eine Unverschämtheit, dem Betrieb hygienische Mängel und ein schlechtes Management zu attestieren, ohne ihn jemals gesehen zu haben.

Im Großen und Ganzen ist es mittlerweile nur noch beschämend, was der WDR hier für eine widerliche Hexenjagd betreibt. Ich frage mich, ob auch in diesem Zusammenhang sich irgendjemand mal Gedanken um den Menschen Christina Schulze Föcking, der hinter der Ministerin steht, macht? Macht sich irgendjemand Gedanken, was diese andauernden Beschuldigungen mit der Familie machen? Christina hat zwei Kinder, die jeden Tag zur Schule gehen (müssen). Nichts, aber auch rein gar nichts von den Vorwürfen konnte bislang verifiziert werden – die Staatsanwaltschaft hat deshalb die Ermittlungen eingestellt. Es ist erbärmlich, dass sich ein Sender des öffentlich rechtlichen Rundfunks so instrumentalisieren lässt. Ich frage mich, was sind das für Menschen, denen das Wohl von Menschen und Familien so egal ist.

„Man sollte sie erschießen“

Unfassbar ist außerdem, was dieser Sender in den sozialen Medien seinen Kommentatoren durchgehen lässt. Ein Kommentar, in dem es heißt „man sollte sie erschießen“, wurde nach mehrmaliger Nachfrage dann doch entfernt. Ich frage mich, wo ist hier unsere Justiz?

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Ich finde es unerträglich! Dieses Gehetze muss aufhören!

 

5 Gedanken zu „Der Fall Schulze Föcking – oder warum der Konjunktiv WDR-Schlagzeilen regiert

  1. Was im Moment mit der Bevölkerungsgruppe die mit Abstand die meisten Stunden arbeitet, damit wir unsere Teller immer reichlich gedeckt haben, ist unter aller Menschenwürde.
    Alle wollen billige Lebensmittel, sonst wären die Discounter nicht da wo sie heute sind.
    Die Journalisten sind sehr auf der Grünen Seite. Jeder, der so eine Hetzkampagne los tritt, der sollte mal nur 1 Woche auf einem Hof arbeiten! Das schafft keine andere Berufsgruppe.
    Bin kein Landwirt!

  2. Liebe Nadine Henke,
    wir Westfalen wissen die Glaubwürdigkeit von etlichen Beiträgen des WDR zu schätzen und … schalten dann um!

    1. Nadine Henke ist Tierärztin und Sauenhalterin. Vor diesem Hintergrund begründet sie ihre Aussagen. Ein Kollege bestätigt, dass ihre Analyse fachlich tadellos ist.

      Und Ihre Argumente so?

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