Archiv der Kategorie: Nitrat

Agitieren Wasserversorger gegen Bauern?

Der Bauernverband Schleswig-Holstein fordert auf seiner Facebookseite die mitlesenden Landwirte auf, sich persönlich bei ihren Wasserversorgern zu erkundigen und nachzufragen, wie es um die Qualität des Wassers stünde.
von Sönke Hauschild

Aufruf: Fragt nach! Es geht nicht nur um den guten Ruf der Landwirte, sondern um unser aller Wasser! (Siehe Fragenkatalog am Ende)

Wasserverbände fordern Gülle-Stopp!

Fake statt Fakten: Wasserversorger agitieren gegen ihre Versorger - die Bauern!
(c) bauern.sh

Deutsche Wasserverbände, oft von landwirtschaftlichen Vorständen geleitet, halten „die großindustrielle Agrarwirtschaft“ für eine Gefahr. „Jedes Jahr wird in Deutschland viel mehr Gülle auf den Feldern ausgebracht als Pflanzen und Böden aufnehmen können.
Wie kann das sein?

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„Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“

Screenshot Spiegelüberschrift
Zu viel Gülle in der Zeitung? Ein Blog in der Brandung leistet Abhilfe.

„(…). Hast doch die Schillipeppa.“ Diesen Spruch habe ich mir gestern von einem Erbosten Menschen* eingefangen als Antwort auf ein Post von mir auf seiner Facebook-Seite. Es ging um das Rauschen im bundesdeutschen Blätterwald, zu viel Dünger könne das Trinkwasser teurer machen, Preissteigerungen bis zu 45 Prozent werden erwartet. Der Erboste Mensch war böse, wie man seinem Post entnehmen konnte:

„Für das Billigfleisch mit dem Deutschland die ganze Welt versorgen will zahlen wir alle bald die (Wasser)Zeche. Auf eine Familie kommen bis zu 134 Euro im Jahr Mehrkosten beim Wasser zu.“

In meinem Post habe ich ihn darauf hingewiesen, dass kaum ein bis gar kein Journalist die Studie gelesen habe. Und auf den jüngsten Blogpost der Bloggerin Schillipaeppa aufmerksam gemacht, die sich das dröge Stück angetan und analysiert hat.  Wie das halt so ihre Art ist. Schillipaeppa setzt sich hin, dröselt knochentrockene Aufsätze auf und geht mit dem Resultat ansprechend aufbereitet in ihrem Blog in der Brandung online.

Das Ergebnis schmeckt nicht jedem. Im konkreten Fall auch dem Erbosten Menschen nicht, denn es machte seine Meldung obsolet – so wie fast alle anderen Pressemeldungen zum Thema. „Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“ weiterlesen

Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben?

Hohe Nitrate im Wasser? Geht ganz ohne Intensivtierhaltung!

Gestern bin ich auf eine sehenswerte Dokumentation des Journalisten Michael Miersch zum Thema Waldsterben gestoßen. Sie wurde vor einigen Jahren für den Bayerischen Rundfunk produziert, aber nie ausgestrahlt. Der Sender hatte die Doku „Und ewig sterben die Wälder“ seinerzeit zurückgehalten.

*Nachtrag zum Film: Ein aufmerksamer Blog-Leser hat mich informiert, dass es Hinweise gibt, dass die Dokumentation am 13. Mai 2011 ausgestrahlt wurde, und zwar von Arte.

Ein Teil bezog sich auf die Berichterstattung und der ihr zugrundeliegenden Recherche deutscher Leitmedien zum Thema.

Verblüffend: Im Kontext der aktuellen Berichterstattung über die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Umwelt generell bzw. mit Blick auf die jüngste Nitratsau, die soeben durch die Republik getrieben wird, habe ich Parallelen festgestellt zur Hysterie der 1980er Jahre.

Wiederholt sich die Geschichte?

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Scheint die Natur in Gefahr zu geraten, wird Alarm geläutet. Schrill, anhaltend, panisch. Eine sachliche Betrachtung des Themas, Nüchternheit, Ausgewogenheit – Fehlanzeige. Die deutsche Volksseele reagiert mit Panik und sieht sofort den Tag des Jüngsten Gerichts vor der Haustüre rumlümmeln. Oft haben Fakten das Nachsehen. Die Geschichte wiederholt sich. Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben? weiterlesen

Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen!

Plakat
Fakten, die (manchen) stinken

Biovegan statt Gift und Gülle? Grandioser Unfug. Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen! Ganz einfach. Warum das im Einzelnen so ist, belegt anschaulich der folgende, anonymisierte Leserbrief, der auf einer wahren Begebenheit beruht und vor gar nicht langer Zeit veröffentlicht wurde.

Sämtliche Namen wurden verfremdet.

Vorgeschichte:

Die Landwirte von Dorf bringen im Frühjahr die Gülle aus. Bei der regionalen Zeitung trifft ein böser Brief von Herrn Riechorgan ein. Er beklagt sich bitter über Geruchsbelästigung. Unter anderem. Die Dorfer Landwirte Sören Smithpig und Stefan Strawberry antworten.

Der Brief:

Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen!
Die Dorfer Landwirte Sören Smithpig und Stefan Strawberry schildern Fakten aus der Praxis*

Herr Riechorgan behauptet in seinem Leserbrief von Doomsday 2017, in Dorf würden Äcker „übergüllt“ und „die Allgemeinheit der öffentlichen Güter Wasser und Luft durch rücksichtslose Verunreinigung beraubt“. Kurz: Es rieche unerträglich und Gülle gelange ins Grundwasser.

Sinn und Zweck der Gülleausbringung werden in unserer durchurbanisierten Gesellschaft zunehmend kritisch hinterfragt, die Toleranz für das „Stinken“ sinkt. Wen wundert es? Den meisten Menschen ist das Wissen um die Erzeugung ihrer Nahrung verloren gegangen. Wer weiß noch, dass nachhaltiger Pflanzenbau ohne die gezielte Versorgung von Kulturpflanzen mit den in der Gülle enthaltenen Nährstoffen unmöglich ist?

Enteignung öffentlicher Güter

Den Vorwurf der „Enteignung öffentlicher Güter“ hören wir das erste Mal. Er ist hart. Daher interessiert uns Dorfer Landwirte: Wie sieht eigentlich der Umgang von Herrn Riechorgan mit dem „öffentlichen Gut Luft“ aus? Fährt er ein feinstaubarmes Auto oder gar einen Elektrowagen, legt er seine Wege weitestgehend mit Rad, Bus und Bahn zurück?

Herr Riechorgan hat richtig erkannt, dass im Frühjahr viel Gülle ausgebracht wird. Das hat aber nichts mit Rücksichtslosigkeit zu tun. Es ist nun mal der ideale Zeitpunkt für Pflanzen und Böden, Nährstoffe aufzunehmen. Dafür stellt uns die Natur nur einen kurzen Zeitraum im Jahr zur Verfügung. Die Nährstoffe gelangen nicht ins Grundwasser, sondern werden von den Pflanzen entsprechend verwertet. Laut Trinkwasseranalyse des Wasserwerkes Kreisstadt (Stand Februar 2016) enthält unser Trinkwasser 8,8 mg Nitrat je Liter Wasser. Der Grenzwert liegt bei 50 mg je Liter. Das Wasserwerk Kreisstadt bezieht übrigens auch unser angeblich übergülltes Grundwasser aus Dorf.

Nährstoffkreislauf

Wer weiß heute noch, dass das Kernelement landwirtschaftlicher Betriebe der Nährstoffkreislauf ist? Mit jeder Ernte entziehen wir Landwirte unseren Äckern Nährstoffe. Das Ausbringen von Gülle ist keine „Entsorgung“, sondern wir geben den Böden zurück, was wir ihnen genommen haben. Würden wir es unterlassen, hätte dies drastische Konsequenzen für die Bodenfruchtbarkeit.

Auch „übergüllen“ wir Landwirte unsere Äcker nicht. Eine Verordnung regelt, wie viel Dünger auf welche Frucht ausgebracht werden darf. Es wird regelmäßig, spontan und streng kontrolliert. Bei Nichteinhaltung fallen hohe Strafen an.

Große viehhaltende Betriebe besitzen teilweise nicht genug eigene Flächen, um die anfallende Gülle zu verwerten. Daher kooperieren sie mit Landwirten ohne Viehhaltung. Diese sind dankbare Abnehmer.

Natürlich könnte man die „unbeliebte“ Gülle durch Mineraldünger (Kunstdünger) ersetzen. Er stinkt nicht, wird allerdings unter großem Energieaufwand vorwiegend aus Erdöl und Erdgas gewonnen. Phosphor ist zudem eine endliche Ressource.

Übrigens wird stetig daran gearbeitet, das „Stinken“ zu reduzieren. Mittlerweile kommt eine bodennahe Ausbringungstechnik zum Einsatz. Sie ersetzt zunehmend die so genannten Prallteller, die die Gülle in die Luft „versprühen“.

Willkommen!

Ganz abstellen können wir die Geruchsentwicklung aber nicht. Wollen wir weiterhin vor Ort Nahrungsmittel erzeugen, müssen wir auch die regionale Kreislaufwirtschaft akzeptieren. Aber bevor Herr Riechorgan aus dem temporär stinkenden Fegefeuer Dorf in die dauerfeinstaubkontaminierte Großstadthölle flüchtet – warum steigen Sie nicht lieber auf Ihr Rad und kommen auf einen Kaffee rum? Sie sind uns herzlich willkommen zu einem Gespräch. Anruf genügt!

Sören Smithpig
Stefan Strawberry
Landwirte Dorf

*Die zweite Überschrift stammt vom Redakteur.

Das Wasser und das liebe Vieh

Immer wieder begegnet einem bei Diskussionen über die Umweltfolgen von tierischen Produkten der Verweis auf den immensen Wasser“verbrauch“.

So werden zum Beispiel für 1 kg Rindfleisch 15400 Liter genannt.

Dass eine solch gewaltige Menge vom Tier nicht gesoffen werden kann, erscheint logisch unter dem Gesichtspunkt, dass dieses Kilo Fleisch an 1 bis 3 Tagen heranwächst. Und auch das Putzwasser bei der Produktion kann nicht diese Höhe erreichen. 15400 Liter aus der Leitung würden hierzulande zwischen 50 und 100 Euro kosten. Das wäre mit Sicherheit ein zu großer Aufwand für ein Kilo Fleisch im Wert von 6 – 20 Euro. Und trotzdem stimmt die Zahl. Es handelt sich um sogenanntes „virtuelles Wasser“, den sogenannten waterfootprint.

Virtuelles Wasser wird im deutschen wikipedia einigermaßen anschaulich erklärt. Trotzdem werde ich später auf englischsprachige Seiten verlinken. Denn auf wikipedia hat sich wie in vielen anderen deutschen Publikationen und von Seiten der Wasserversorger der Begriff „WasserVERBRAUCH“ eingebürgert.

Das ist meines Erachtens falsch. Denn „Verbrauch“ im Zusammenhang mit Wasser ist in wikipedia folgendermaßen definiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrauch Das Wasser und das liebe Vieh weiterlesen

Nitrat: gute & böse Fakes?

Zur Vorstellung des Niedersächsischen Nährstoffberichtes1 2015/16 und der Berichterstattung darüber

Bezug: SAT1-regionalHAZ und NOZ 

Das umfangreiche Zahlenwerk dieser frühen Art einer Nährstoff-„Stoffstrom-Bilanz“ oder -„Hoftorbilanz“ für Niedersachsen ist das Eine, die ministeriellen Einführungsworte das Andere. Mit Formulierungen wie „Zehntaussende Hektar fehlen im Land“ in den Zeitungen werden trickreiche Zahlen-Interpretationen jenseits der Ziffern weitergegeben. Die Lehre aus der Waldsterbenshysterie vor 30 Jahren sollte sein, auf eine manipulative Wortwahl, die Selektion und „Konfektion“ passender Zahlen und die Verzerrung bis Fälschung von Ergebnissen durch Eiferer besonders kritisch zu achten. Lieber selber Zahlen bewerten.

Manipulative Wortwahl

Dieser Satz zu den leicht abgenommenen Dungmengen stimmt mehrfach nicht:

Der jüngste Nährstoffbericht belegt: Ihre Anstrengungen tragen erste Früchte“.

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Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Der Nitratbericht der Bundesregierung ist noch ganz frisch.

Vorbemerkung:
Niemand kann den ganzen Nitratbericht 2016 in wenigen Stunden lesen, darum hat der Statistiker Georg Keckl als Ersteinschätzung nur schnell das das Kapitel „Nitrat im Grundwasser“ betrachten und bewerten können.
Es gibt nun also offiziell ein neues Nitrat-Messnetz für das Grundwasser! Aber warum denn nun doch?
Wollte man eine neue „EU-Nitratlüge„, wie in der „dlz“ beschrieben, verhindern?
Wie wird diese Neuerung verkauft? Ein großer Wurf? Was ist nun besser?

Georg Keckl gibt die Antwort im folgenden Beitrag, die Lektüre lohnt sich, nehmen sie sich bitte die Zeit:

Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Ein gemeinsamer Nitratbericht der Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie für Ernährung und Landwirtschaft wird alle 4 Jahre erstellt. Der Nitratbericht 2016 ist erschienen. Nitratberichte sind Grundlage für die Beurteilung der EU über die Fortschritte der deutschen Nitratminimierungsziele.
Der Bundes-Umweltministerin und dem Bundes-Landwirtschaftsminister ist dieser Fachbericht wieder keine Pressemeldung wert, trotz des medialen Wirbels um Nitrat im Grundwasser in letzter Zeit, insbesondere seit der Nitrat-Klage der EU gegen Deutschland vor dem EuGH. Die Österreicher melden das für ihren Nitratbericht 2016, bei viel weniger Ärger mit der Materie in Österreich (https://www.bmlfuw.gv.at/). Dafür gibt es eine Pressemeldung des Bauernverbandes (DBV): Der Bauernverband stellt heraus, dass es zu keinem Anstieg der Nitratbelastung im Grundwasser gekommen ist, bei Oberflächengewässer wird die großartige Erfolgsgeschichte von der Verbesserung der Gewässerqualitäten fortgeschrieben (vgl. Spiegel: Früher war alles schlechter). Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung weiterlesen