Archiv der Kategorie: Politik

Das Ende freiwilliger Umweltleistungen?

Nach dem Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ in Bayern werden freiwillige Umweltleistungen der Bauern in Frage gestellt

Die Themen Bienenschutz und Artenvielfalt liegen seit Jahren im Trend- in der öffentlchen Debatte und auf den Bauernhöfen. Die Zahl freiwilliger Initiativen zur Förderung der Artenvielfalt und des Insektenschutzes sind in den letzten Jahren stark gestiegen.
Das Bewusstsein vieler Landwirte wurde geschärft und so legten zigtausende Landwirte Blühstreifen auf ihren Flächen an. Vielfach unentgeltlich und auf freiwilliger Basis.

wunderschöner bunter Blühstreifen

Diese Praxis könnte nun einen Dämpfer erhalten haben, zumindest in Bayern. Denn hier sind sehr viele von der Art und Weise des Volksbegehrens (einseitig zu Lasten der Bauern) und vom Erfolg (ca. 1,7 Mio Unterstützer) enttäuscht.
Ein Bauernverband im Allgäu rät seinen Mitgliedern, auf freiwillige Blühstreifen zu verzichten.

„Wenn Unterzeichner sagen, dass die Landwirte problemlos auf zehn Prozent ihrer Produktionsfläche verzichten können, dann dürften für sie 50 Euro für 50 Quadratmeter ja kein Problem sein“

Joachim Nuscheler, BBV Unterallgäu bei all-in.de

Trotzreaktionen auf populistisches Volksbegehren kontroproduktiv

Ich kann meine Berufskollegen in Bayern sehr gut verstehen. Die bisher geleisteten Anstrengungen im Bereich Umweltschutz und Artenvielfalt wurden nicht gewürdigt, Rückgänge der Artenvielfalt einseitig den Bauern angelastet. Als Unterstützer des Volksbegehrens sind nur wenige Minuten nötig gewesen, die Bauern müssten dieses Gesetz, sollte es so nach einer Volksabstimmung in Kraft treten, alleine ausbaden.

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Konstruktiv geht irgendwie anders

Die Ferkelkastration – ein leidiges Thema, was uns wohl noch einige Zeit beschäftigen wird

Nach der Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration um 2 Jahre, müssen nun für die Landwirte umsetzbare Alternativen bis zum 31.12.2020 her, denn ab 01.01.2021 soll ja nun endlich Schluss sein mit der betäubungslosen Kastration.

Nadine Henke hält ein Saugferkel in den Händen

Jetzt hat das BMEL den ersten Entwurf für eine Verordnung veröffentlicht, die es den Landwirten erlauben soll, die Narkose mittels Isofluran selbstständig durchzuführen. Daraufhin sind nun die Verbände gebeten worden, zu diesem Entwurf Stellung zu nehmen.

Ich habe in den letzten Tagen etliche dieser Stellungnahmen gelesen und bin ehrlich gesagt schockiert und enttäuscht. Die meisten Verbände halten an ihrer Sicht der Dinge fest, beschäftigen sich letztlich überhaupt nicht mit der Isoflurannarkose und der Verordnung. Beispielsweise ist in der gemeinsamen Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und ProVieh zu lesen, dass…

die Politik in zukunftsweisende und tiergerechte Lösungen wie die Ebermast mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch investieren muss, statt Verstümmelungen von männlichen Ferkeln mit geplanten 38 Millionen Euro Steuergeldern zu fördern.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, ein solcher Satz von Tierärzten, macht mich fassungslos. Vor allem fordert derweil eine andere Arbeitsgruppe, genau diese „Verstümmelungen“ flächendeckend für Katzen:

Aus den genannten Gründen besteht ein gesellschaftlicher Konsens, die Kastration möglichst flächendeckend und bei allen Haltungsformen durchzuführen.

Derweil halten viele landwirtschaftlichen Verbände an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Isoflurannarkose fest und diskutieren in einem Positionspapier die Frage, warum ein Landwirt nicht einfach Lidocain einsetzen kann.

In der Schule hieße es – setzen sechs, Thema verfehlt

Ich bin maßlos enttäuscht von der destruktiven Art und Weise mit diesem Verordnungsentwurf umzugehen. Ich weiß nicht, ob den dort agierenden Verbänden nicht klar ist, dass Isofluran in den nächsten Jahren der einzige Weg sein wird, den die Landwirte noch gehen können, wenn sie keine Eber mästen wollen (bzw. vermarktet bekommen).

Politiker wie Albert Stegemann oder auch Ursula Heinen-Esser haben uns ganz klar zu verstehen gegeben, dass es den vierten Weg in den nächsten zwei Jahren (es fehlt immer noch der Nachweis der Schmerzausschaltung) nicht geben wird, zudem wird es weder eine weitere Fristverlängerung noch eine Änderung des Tierschutzgesetzes geben. Natürlich können wir auch noch 1,5 Jahre damit verschwenden, darüber empört zu sein, nur das wird an der Sache nichts ändern.

Liebe Tierschutzverbände,

sicher ist die „Nichtkastration“ (sprich Ebermast mit oder ohne Immunokastration) der eleganteste Weg – nur dieser findet keine 100% Akzeptanz bzw. Absatz. Es gibt nun die Möglichkeit, an einer mittelfristigen Lösung mittels Isofluran zu arbeiten, oder dieses weiterhin konsequent abzulehnen, und einfach den Tierschutz zu exportieren. Dann darf allerdings auch die Frage erlaubt sein – geht’s Euch überhaupt um die Tiere oder nur um Eure Daseinsberechtigung?

Liebe Tierärzte,

natürlich ist es Euer Recht, weiterhin an dem Tierärztevorbehalt im Rahmen einer Vollnarkose festzuhalten. Dann erwarte ich aber von Euch, dass Ihr alle ab dem 01.01.2021 Gewehr bei Fuß steht, um in den Ferkelerzeugerbetrieben genau diese Narkosen durchzuführen. Denn es ist nicht okay, eine solche Forderung zu stellen bzw. daran festzuhalten, und dann von anderen Kollegen zu verlangen, diese Arbeit zu erledigen. Deswegen wünsche ich mir, dass jeder, der eben nicht ab 01.01.2021 täglich in einem Ferkelerzeugerbetrieb Ferkel narkotisieren möchte, sich für diese Verordnung stark macht und konstruktiv an einer Lösung im Sinne des Tierschutzes mitarbeitet.

Liebe Landwirte,

gleiches gilt für Euch – ich wünsche mir von Euch eine konstruktive Zusammenarbeit, sowohl hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen beim Umgang mit dem Inhalationsnarkosegas Isofluran, als auch hinsichtlich der Schulungsmaßnahmen zum Sachkundenachweis. Wer weiterhin diese Methode ablehnt, solle sich bitte einfach mit der Ebermast auseinandersetzen, diese Alternative jedoch für andere Ferkelerzeuger nicht zerreden, denn sie wird zum heutigen Zeitpunkt die einzige Alternative der Kastration nach dem 31.12.2020 bleiben.

Last but not least – es geht auch anders…

Positiv hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch die Stellungnahme des Deutschen Raiffeisenverbandes – sie zeigt, wie eine konstruktive Mitarbeit an  einer Lösung aussehen kann. Vielen Dank dafür!!!

Gemeinsam für Bienen & Klima

Ich bin nun wirklich kein Fan dieser Online-Petitionen, die es wohl tausendfach gibt. Nun habe ich aber doch eine Petition online unterzeichnet. (auf das Bild klicken, bitte)

Blick in eine Blumenwiese

Dr. Willi Kremer-Schillings, besser bekannt als „Bauer Willi“, hat diese Petition bei der Petitionsplattform Change.org eingestellt.

„Gemeinsam“ die Artenvielfalt bewahren

Im Gegensatz zu dem bayrischen Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das die ganze Last des Insektenschutzes bzw. der Bewahrung der Artenvielfalt auf die Schultern der Bauern abwälzt, wird in dieser Petition ein gemeinsames Handeln aller Bürger eingefordert.

Bitte mitmachen und unterzeichen

Ich habe bereits unterzeichnet und ich bitte Euch hiermit, Euch die petition einmal durchzulesen und auch selber zu unterzeichnen!

change.org: Gemeinsam für Bienen und Klima

Hier nochmal meine Begründung für die Unterzeichnung, die auch auch unter die Petition geschrieben habe:


Weil man einer kleinen Gruppe in der Gesellschaft nicht alleine die große Aufgabe des Schutzes der Artenvielfalt aufbürden kann.
Wer es ernst meint mit „Rettet die Bienen!“, der packt mit an und zwar konstruktiv!

Bernhard Barkmann auf change.org

Immer das selbe Lied

„Wir haben es satt“ mit immer der selben Vielstimmigkeit gegen die moderne Landwirtschaft

Die Demo „Wir haben es satt“ gibt es schon seit 2011. Gefordert wird stets die „Agrarwende„. Von einer Anerkennung der Leistungen der deutschen Bauern ist nichts zu spüren.

Landwirtschaft verändert sich- schon immer!

Was hat sich denn zwischenzeitlich so alles getan in der deutschen Landwirtschaft? Ist alles noch so wie vor 8 Jahren?

  • Die Antibiotikagaben in der Nutztierhaltung wurden deutlich gesenkt
  • Die Düngeverordnung wurde verschärft
  • Die Gülle und Gärreste werden zunehmend bodennah mit weniger Emissionen ausgebracht
  • Die landwirtschaftliche Bautätigkeit ist in vielen Landkreisen zum Erliegen gekommen
  • Die Initiative Tierwohl ging an den Start
  • Lebensmittelhändler führen einheitliche Haltungskennzeichnung ein
  • Bauern säen vermehrt Blühstreifen an
  • Bauern müssen ihre Sachkunde bei der Pflanzenschutzmittel-Anwendung regelmäßig erneuern
Dieser Blühstreifen blühte im Jahr 2018 sehr bunt. Die meisten Blühstreifen hatten allerdings mit der Dürre zu kämpfen
wunderschöner bunter Blühstreifen
  • der Wolf breitet sich immer mehr aus und bedroht zunehmend die Weidehaltung in Deutschland, verbunden mit einer überbürokratischen Schadensregulierung
  • Glyphosat wurde entgegen aller wissenschaftlicher Expertise um nur 5 Jahre verlängert.
  • Die Liste der zugelassenen Wirkstoffe für den Pflanzenschutz wird immer kürzer.
  • Das Kastenstandurteil, die Greenpeace/Berlinklage gegen die Schweinehaltung bedrohen die verbliebenen Sauen- und Mastschweinehalter
  • Bioland ist im Massenmarkt angekommen und bei Lidl gelistet

Trotz aller Bewegung stehen wir massiv in der Kritik. Bauern fühlen sich ausgegrenzt, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, bringen sich aber vor Ort dennoch weiterhin ehrenamtlich ein.
Und nebenbei sorgen die deutschen Bauern dafür, dass alle satt werden können. Und das mit so hochwertigen und sicheren Lebensmitteln, wie noch nie.

Und wie haben sich die satten Demonstranten bewegt?

Werden die Leistungen der Landwirte, die neuesten Entwicklungen überhaupt wahrgenommen und mittlerweile etwas mehr respektiert? Ich habe das Gefühl, dass die Veränderungen der letzten Jahre, die auch mit großen Anstrengungen der Bauern verbunden waren, kaum oder gar nicht anerkannt werden.

Kampfbegriffe

Stattdessen wird weiter krakehlt. Die Zuspitzungen gegen die

  • Massentierhalter
  • Agrarindustriellen
  • Großbauern
  • dem (Frei-)Handel
  • die Marktwirtschaft, Konzerne,

die alle als schwammige Kampfbegriffe von den Veranstaltern nur zu gerne verwendet werden, nehmen nicht ab. Dabei hat jeder der WHES-Demo-Teilnehmer eine andere Definition von den verwendeten Schlagwörtern.

Diese ungeordnete und vielfältige Pauschalkritik prägt sich bei vielen Bürgern ein und sorgt im Alltag für ablehnende Reaktionen auf Bauern und ihre Tätigkeit.

Bauern leiden unter Pauschalkritik

Das geht nicht spurlos an die Bauernfamilien vorbei. Die geballten Vorwürfe der satten Demonstranten treffen sehr viele Landwirte und deren Angehörigen tief ins Herz- seit Jahren, immer wieder!

Wie viele kleine und mittlere Betriebe geben auf und führen als Grund dafür AUCH das schlechte gesellschaftliche Klima an? Ich habe den Eindruck: immer mehr!

Dabei betonen die Veranstalter von WHES immer wieder, dass sie FÜR die Bauern auf die Strasse gehen und nicht gegen. Wie kommt dieses Zerrbild zu Stande?
Sie müssen in ihrer eigenen Realität gefangen sein.

guter Bauer – böser Bauer ?

Die allermeisten Landwirte empfinden die „Wir-haben-es-satt„-Demo nicht als Bauern-freundlich. Und ich finde, sie haben Recht. Jede der teilnehmenden Organisationen hat ihr ganz eigenes Interesse bzw. Nutzen, an dieser Demo teilzunehmen und dazu zu mobilisieren.

Für viele Ökobauern und Direktvermarkter ist die bunte Demo auch eine günstige Werbemaßnahme für ihren Betrieb. Anders kann ich mir ihre Teilnahme nicht erklären. Andere haben eine tiefliegende Ablehnung gegen den Bauernverband und sind deshalb dabei und noch andere wollen vielleicht einfach zu den „Guten“ gehören. Wobei ja fast alle zu wissen glauben, dass BIO natürlich gut ist- und die anderen eben nicht. Die sind die Bösen, die sich vom DBV, von der Industrie leiten lassen und dabei Tiere quälen und die Umwelt zerstören.

sind die Bauern einfach zu dumm?

Die vielen Teilnehmer und Initiatoren der WHES sind überzeugt, ihre Forderungen würden im Interesse für die Landwirte sein, nur die meisten Bauern seien zu dumm, dieses zu erkennen. Welch ein überhebliches Urteil über die Bauern, die man ja eigentlich im Blick haben will und für die man vorgeblich auf die Strasse gehen möchte. (aktuelles Beispiel: http://www.taz.de/!5565896/)

„gut gemeint“

Ich erkenne an, dass viele Initiatoren und auch Teilnehmer den Landwirten tatsächlich nichts Schlechtes wünschen. Doch leider sind die vielfältig vorgetragenen Wünsche nach einer „Agrarwende“ so widersprüchlich, dass ich glaube, sie haben es nur gut gemeint!

„Dialog statt Protest“ regional & am Brandenburger Tor

Um diese komplexen Zusammenhänge den Verbrauchern zu vermitteln, bieten an vielen Orten Landwirte den Dialog an (regionale Aktionen im Rahmen von Dialog statt Protest). In Berlin soll verdeutlicht werden, dass die meisten Bauern die „Wir haben es satt“-Demo nicht gut heißen wollen.

Es ist auch eine gesellschaftliche Leistung, die Bevölkerung mit sicheren Lebensmitteln zu versorgen. Das ist unser Job und das machen wir gerne!

ohne Landwirtschaft

 

Wie sieht der Frühstückstisch ohne Landwirtschaft aus?

Mit dieser Fragestellung suchen Landwirte im Emsland und der Grafschaft Bentheim den Dialog mit den Verbrauchern. Und zwar schon am kommenden Wochenende an insgesamt 4 Standorten (Nordhorn, Lingen, Meppen & Papenburg).

Dabei spielt der oben abgebildete Frühstückstisch eine große Rolle. Probiert gerne mal den Schieberegler im Bild aus, wie es mit und ohne die Landwirtschaft aussieht.

Bild vergrößert und mit top-Qualität aufrufen

Agrar-Blogger-Camp #3

Das Programm für das #ABC3 steht

Erstmalig wird das Agrarblogger-Camp an einem Tag als BarCamp organisiert, wobei die Teilnehmer selbst an Themen und Vorträgen mitarbeiten dürfen.

13. Februar 2019
18:30 Uhr – Kamingespräch mit Rolf Brauch zum Thema „ausbrennen“ (Angebot an alle, die schon vorher anreisen)

14. Februar 2019
09:30 Uhr – Eintreffen der Teilnehmer/Akkreditierung
10:00 Uhr – Begrüßung (Hans-Michael Lenz & Bernd Degener)
10:30 Uhr – Einführung BarCamp (Lutz Staacke)
11:00 Uhr – Kaffeepause – Aussuchen und Aufsuchen der Themen und Räume
11:30 Uhr – BarCamp 1. Runde
12:30 Uhr – Mittagessen
13:30 Uhr – BarCamp 2. Runde
14:30 Uhr – Kaffeepause
15:00 Uhr – BarCamp 3. Runde
16:00 Uhr – BarCamp 4. Runde
17:00 Uhr – Abschlussrunde (Bernd Degener)

18:30 Uhr – Kleiner „Berliner“ Abend mit Abendessen

15. Februar 2019
09:00 Uhr – Begrüßung (Dietrich Holler)
09:15 Uhr – Storytelling (Stefan Rebein)
10:00 Uhr – Kaffeepause
10:30 Uhr – Filmen mit dem Handy – Tipps und Tricks vom Profi (Matthias Süßen)
11:15 Uhr – Journalisten und Landwirte – ein Problemfeld? (Dirk Fisser, NOZ)
12:00 Uhr – Mittagssnack
12:45 Uhr – Podiumsdiskussion: „Agrarblogger: lustig oder lästig?“ Welche Rolle spielen Agrarblogger für Journalisten?
(Moderation Dietrich Holler)
13:45 Uhr – Abschlussrunde (Dietrich Holler)
14:15 Uhr – Ende der Veranstaltung

Anmeldung/Tickets

  • Agrarblogger/Landwirte: 53,86 €
  • Andere/Journalisten: 264,57 €

Bezahlung möglich mit Kreditkarte, SEPA-LAstschrift oder SOFORT-Überweisung

Anmeldungen bitte per Eventbrite

Es wurde auch eine „Facebook-Veranstaltung“ erstellt. Dortige Zusagen ersetzen keine offizielle Anmeldung über Eventbrite.
Wer möchte, dokumentiert dort, dass er/sie beim ABC3 dabei ist.

LANDVOLK UNTERSTÜTZT DEMO IN BERLIN!

Landwirte fahren nach Berlin!

Kundgebung „Dialog statt Protest“ vor dem Brandenburger Tor in Berlin – Die Vereinigung des Emsländischen Landvolkes unterstützt

Lingen. (VEL) Passend zum Start der Verbrauchermesse „Internationale Grüne Woche“ in Berlin am 18. Januar 2019 möchten Landwirte auf sich aufmerksam machen und mit den Verbrauchern in das Gespräch kommen.

Oftmals ist die Messe als Bühne für eine anklagende und pauschale Kritik an die moderne Landwirtschaft genutzt worden. Daher möchten die Landwirte nun, wie bereits auch einige Male zuvor, selbst aktiv werden und für die moderne Landwirtschaft werben.

Geplant ist es, einen Mähdrescher vor dem Brandenburger Tor zu platzieren. 155 Menschen halten ein Laken, auf dem das Getreide abgeladen wird. Danach stellt sich der Landwirt in die Mitte der 155 Menschen, um zu symbolisieren, dass die Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft gehört. Warum die Zahl 155? Ungefähr so viele Menschen ernährt ein Landwirt pro Jahr, Tendenz steigend.

Um auf die Wichtigkeit ihres Berufes und ihrer Branche hinzuweisen, werden auch einige aktive Landwirte diese Aktion unterstützen. Die Vereinigung des Emsländischen Landvolkes unterstützt diese Aktion mit einer organisierten Bustour nach Berlin.

Georg Meiners und Bernhard Barkmann posieren mit Demonstrationsschildern vor einem Bus mit landwirtschaftlichem Werbeaufdruck
VEL-Präsident Georg Meiners (rechts) wird den Bus aus dem Emsland anführen

Tour-Daten:

Donnerstag, den 17. Januar 2019:

  • Abfahrt um 06:00 Uhr Abfahrt in Meppen (Bahnhof), danach Lohne (Raiffeisen-Tankstelle), Lünne (Parkplatz Hermes), Holsterfeld (Tankstelle Autohof).
  • Ankunft um ca. 13:30 Uhr in Berlin
  • Stadtrundfahrt um 15:00 Uhr.
  • Abendessen

Freitag, den 18. Januar 2019:

  • 11:00 Uhr Start der Kundgebung am Brandenburger Tor
  • Anschließend Fahrt zur Messe Internationale Grünen Woche
  • 17:00 Uhr Fahrt zum Hotel

Samstag, den 19.01.2019:

  • Abfahrt Berlin um 12:00 Uhr.

Die Kosten belaufen sich auf 219,00 € im Doppelzimmer und 279,00 € im Einzelzimmer. Enthalten sind die Kosten für die Busreise im modernen Fernreisebus, die Stadtrundfahrt, 2 Hotelübernachtungen und 2 Frühstücksbuffets im Hotel.
Die Mitglieder der VEL erhalten 100,00 € Rabatt auf dieser Tour.

Interessierte Landwirte, die mit nach Berlin fahren möchten, können sich bei Andreas Deters vom Landvolk Lingen anmelden (Tel. 0591 96307-26 oder unter der E-Mail Adresse deters@landvolk-lingen.de).

Regionale Aktionen im Emsland und in der Grafschaft

Außerdem sind am 19. Januar ebenfalls regionale Aktionen im Emsland und der Grafschaft Bentheim geplant. Landwirte, die sich an den regionalen Dialog-Aktionen beteiligen möchten, können sich mit Kathrin Ter-Heide, vom Landvolk in Meppen, in Verbindung setzen (Tel. 05931 9332-120 oder ter-heide@landvolk-emsland.de).


Weitere Informationen erhalten Sie unter www.dialogstattprotest.de.

Bäuerliche Landwirtschaft? Nicht mit uns!

Mem mit Anton Hofreiter
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Ein Raunen geht durch die Republik. Von Süderlügum in Schleswig-Holstein bis hinunter ins bayerische Rohrmoos, von Selfkant bis nach Görlitz haben Landwirte und ihre Familien endlich Gewissheit: Die Republik schert sich einen feuchten Kehrricht um die bäuerliche Landwirtschaft. Die Diskussion der letzten Monate rund um die Fristverlängerung in puncto Ferkelkastration hat es an den Tag gebracht: Die am Horizont dräuende Notlage der Sauenhalter war einer breiten Öffentlichkeit total egal.

Große Lippe, aber nichts dahinter. Wir haben es immer geahnt, aber dass wir den Menschen dermaßen am Allerwertesten vorbeiwandern, das geht an die Substanz

zeigte sich Landwirt Sören Smithpig aus Doorf  in Mecklenburg-Vorpommern entsetzt.

Was war passiert?

Die Grüne Woche naht, die Empörte Öffentlichkeit ist auf dem Sprung, sie will auch in Januar 2019 wieder Präsenz in Berlin zeigen, demonstrieren, wie satt sie die Agrarindustrie hat. Und sich für den Erhalt der Bauernhöfe einsetzen.

Webseite Initiatoren der Wir haben es satt-Demo
Es wird wieder getrommelt: Die Empörte Öffentlichkeit hat Agrarindustrie satt.

Die Bauernhöfe erhalten? Wollen die uns für blöd verkaufen? Da lachen doch die Ferkel. Mit oder ohne Eier! Dei hebt US satt! Dei Buern!

Die Bauern habe die Empörte Öffentlichkeit satt, ist sich der der 84 Jahre alte Landwirt Hinnerk Igbi sicher. Die Empörung hat den Senior schlagartig in seine Mundart zurückfallen lassen.

Einordnung des Rentner-Rants:

  • Auslöser: Die hitzige Kontroverse rund um den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration.
  • Hintergrund: Ab dem 1. Januar 2019 hätte nur noch unter Betäubung kastriert werden dürfen.
  • Problem: Sämtliche alternative Verfahren kommen mit dem einen oder anderen Pferdefuß um die Ecke gehumpelt.
  • Resultat: Ohne Fristverlängerung wäre es vielen Ferkelhaltern an den Kragen gegangen, vor allem den kleinen und mittleren Ferkelerzeugern – bis hin zu einer massiven Strukturveränderung, sprich reihenweise Betriebsaufgaben.
  • Konsequenz: Die Große Koalition hat beschlossen, die Frist erst in zwei Jahren auslaufen zu lassen.
  • Entlarvend: Die Reaktion der Empörten Öffentlichkeit auf die dringend benötigte Atempause. Stellvertretend soll an dieser Stelle der Grünenpolitiker Anton Hofreiter zu Wort kommen, der vielen aus der Seele spricht:

Es gibt Alternativen. Die Fleischindustrie stemmt sich gegen die tierschutzgerechten Lösungen, in erster Linie um Kosten zu sparen.

Klar gibt es Alternativen. Bloß bringen sie den Landwirten kurzfristig so viel wie nackig mit einer Flasche Moskovskaja Kristall (Silber) in der Hand um Mitternacht den Vollmond anzuheulen, nämlich nullkommanüscht. Warum dies so ist, erläutern zwei Ferkelhalter erschöpfend in den hier verlinkten Beiträgen:

Ferkelkastration und die Probleme der kleinen Ferkelerzeuger.

Von der Not der Sauenhalter.

Norddeutsch-herb-knapp hat es der Bauernverband Schleswig-Holstein in die Tastatur geklopft:

  1. Ebermast: Der Lebensmittelhandel verweigert sich leider, die Tiere abzunehmen.
  2. Mast leichter Jungeber, die nicht in die Pubertät kommen: Die Schlachtbranche verweigert sich bisher, ebenso der Handel.
  3. Behandlung mit Improvac: Der Lebensmittelhandel verweigert sich.
  4. Klassische Betäubung: Der Landwirt darf es nicht durchführen, der Tierarzt hat auch ohne genug zu tun. Der Handel bezahlt den Mehraufwand nicht.
  5. Lokale Betäubung: Nicht erlaubt.

(*Anmerkung am Ende zu Isofluran)

Kurzum: Es ist alles nicht einfach – aus Gründen, die die Sauenhalter nicht zu verantworten haben.

Da wundert es kaum, dass Bauer Igbi aus Dörp in Norddeutschland der Meinung ist, der Empörten Öffentlichkeit sei die bäuerliche Landwirtschaft total egal. Anders kann der rüstige Senior die Gleichgültigkeit gegenüber der Notlage seiner Kollegen nicht einordnen. Daher ist der alte Mann mit seiner Schimpfe noch nicht fertig (dafür aber mit dem Hochdeutschen):

Un dann schnackt dei Lüe up ehre Karnevalsfier in Januar in Berlin davon, den Buernhof tau erhollen. Un daut jüst dat Gegendiel.  Un schnackt wedder lut vant Fleisch un jammert över dat Wer, över „Nachhaltigkeit“ – und loopt iin Heuner- un Schwieneklamotten ut Schina rümme. Dor wert doch dei Hund in dei Pannen verrückt!

Und dann reden die Leute auf ihrer Karnevalsfeier im Januar in Berlin davon, die Bauernhöfe erhalten zu wollen. Und machen genau das Gegenteil. Und reden wieder laut über das Fleisch und jammern über das Wetter (Klima, Anm. der Übersetzerin, über Nachhaltigkeit - und laufen in Hühner- und Schweineklamotten made in China rum. Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!

Auch Martín Känzle aus Dörfle hat das lautstarke Hin und Her der vergangenen Wochen genau beobachtet:

Dass ohne Fristverlängerung viele Sauenbetriebe ins Schlingern geraten wären bzw. ihre Betriebe hätten schließen müssen, findet kaum Erwähnung. Die Kollegen mitsamt ihren Familien kommen schlicht nicht vor,

bestätigt der Landwirt.

Wir haben es also mit einem sattsam bekannten Problem zu tun: Eine Kombination aus komplexen Sachverhalten, der Gier nach schlichten Erklärungen kombiniert mit fachlichem Unwissen führen dazu, dass die Empörte Öffentlichkeit, ob sie es  will oder nicht, für die Abschaffung familienbäuerlicher Strukturen plädiert.

„Wir haben Agrarindustrie satt!“

Wer sich regelmäßig in den Sozialen Medien aufhält, in der realen Welt mit Verbrauchern spricht, die Berichterstattung zum Thema Landwirtschaft verfolgt, könnte in der Tat meinen, die Deutschen beten bäuerliche Landwirtschaft förmlich an.

Bloß:

Die wollen ihren Kuchen besitzen –  und ihn  gleichzeitig aufessen. Und das kompromisslos.

verstehen Sauenhalter die Welt nicht mehr.

Daher interessiert mich: Wer ist eigentlich die Empörte Öffentlichkeit? Wie kann es sein, dass viele Landwirte den Verdacht nicht loswerden,  ihre Höfe seien den Deutschen völlig egal? Ich habe mal einigen aufs Maul geschaut, Menschen, Organisationen. Es ist nur ein kleiner Einblick, denn das Netz quillt förmlich über. Aber entlarvend. Also Vorhang auf für:

Die Empörte Öffentlichkeit

Trägerorganisationen von „Wir haben es satt“

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – BUND e.V.

Die BUND ist immer ganz vorne dabei, wenn es darum geht, die Agrarindustrie zu bekämpfen. Was konsequenterweise nicht bedeutet, dass man sich für die Belange der bäuerlichen Landwirtschaft einsetzt. Sprachlich geht es dabei in die untere Schublade: Die Rede ist davon, dass „wieder einmal“ „erneut“ etwas „verschleppt“ werden – und zwar von der „bösen“ Agrarlobby.

Screenshot Katrin Wenz
Die „Agrarlobby“: Es geht doch nichts über ein gesundes Feindbild.

Natürlich lehnt der BUND jegliche Verzögerung ab. Verlängerung bringt der NGO nichts. Cui bono? Dem Geldbeutel, der Heimat des Spendenrubels. Die richtige Emotion der Empörten Öffentlichkeit am richtigen Wickel packen und gen eine wie auch immer geartete Lobby auskeilen – DAS ist und bleibt das Erfolgsrezept für die gelungene Kampagne!

Also: Betrieben der bäuerlichen Landwirtschaft eine Ruhepause verschaffen? Nein.

Twitter BUND
Frist verschieben und Betriebe der bäuerlichen Landwirtschaft retten? Um Gottes willen, bloß nicht, könnte man meinen.

Werte NGO der Berliner Demo, auf der alle alles satt haben: Ich habe heute ein Screenshot für Sie!

Screenshot Zitat Connemann
Quelle: ZDF, 4. November 2018: GroKo verschiebt Betäubungspflicht – Grüne kritisieren Ferkel-Kastration bei Bewusstsein

Bioland

Es folgt ein schlimmer Tweet, wie ich finde. Bioland ist ein Anbauverband und Mitglied im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Also ein Zusammenschluss von Landwirten. Als Außenstehende frage ich mich: Gönnen Landwirte ihren Kollegen diese für ihr Überleben existenzielle Verschnaufpause nicht?

Screenshot Bioland
Was haben Ihre Kollegen Ihnen angetan, dass Sie einen dermaßen asolidarischen Tweet absetzen?

Ganz ehrlich? Wer solche Kollegen hat, braucht keine Feinde.

Campact

Screenshot Webseite
Agrarlobby und Scharfmachersprech sind immer gut fürs Spendengeschäft. (Quelle: https://weact.campact.de/petitions/stoppt-ferkelkastration-ohne-betaubung)

WeAct? Oh yes, you do! Keep acting, Campact, keep abolishing small farms!

Foodwatch und Greenpeace

Foodwatch

Aber nicht nur die „Sattisten“ haben satt, dass sie satt sind. Auch bei Foodwatch und Greenpeace schäumt man. Und wie bei den anderen NGO  interessiert man sich herzlich wenig für das ganze Bild. Wobei ich mich immer wieder frage: Was haben selbsternannte Essensretter und Umweltschützer eigentlich mit der betäubungslosen Ferkelkastration zu tun? Antwort: Das Thema ist „kampagnenfähig“.

Screenshot Foodwatch: Eil-Aktion
Die „Brutalos“ der Agrarlobby wieder mal!

Bei Foodwatch gibt man sich sachverständig: Es existiere eine tier- und kostenschonendene Alternative. Dass die sich nicht mal eben so aus dem Ärmel schütteln lässt?

Screenshot mit Reichstag
Ohne das Wedeln mit der Lobby geht es einfach nicht.

Auf NGO-Deutsch: Das Gesamtbild scheint nicht kampagnenfähig zu sein. Gegen eine Lobby austeilen dagegen – sehr!

Greenpeace

Auch bei der millionenschweren Lobbybude Greenpeace (laut Wikipedia 58,5 Mio. Spendeneinnahmen in 2015) kommt Gleichgültigkeit gegenüber den ferkelerzeugenden Betrieben zum Ausdruck. Und dann wäre da natürlich die Sache mit dem Geiz der Bauern, dem Gieren nach dem letzen Cent: keine NGO-Empörung ohne Kohle-Hammer!

Scfeenshot Greenpeace
#issgutjetzt? Iss Fleisch aus Schweinehaltungen, von der wir nicht wissen, wie die Tiere gehalten wurden. Weil die Sauenhaltung in Deutschland dicht macht. #issso

Was die „praktikablen“ Alternativen betrifft – wertes Foodwatch, wertes Greenpeace, auch Sie zählen zu den Gewinnern: Ich habe heute ein Screenshot für Sie!

Screenshot Gitta Connemann
ZDF, 4. November 2018.

Zum Thema NGO, Spendenabhängigkeit und warum die Retter alles andere als uneigennützig klappern – hier Links zu zwei aufschlussreichen Beiträgen:

Nur noch kurz die Welt retten

Auf der Seite der Guten™

Bündnis 90/Die Grünen

Wenn es um die Nutztierhaltung bzw. Landwirtschaft geht, empfiehlt sich immer auch ein Blick in Richtung Bündnis 90/Die Grünen. Wer meine Blogbeiträge zur Serie „Grüne geistige Brandstiftung – oder wenn die moralische Feuerwehr zum Feuerteufel wird. Eine Analyse.“ verfolgt hat, weiß, dass ich in der ersten Jahreshälfte das Kommunikationsverhalten von Grünenpolitiker unter die Lupe genommen habe. Das Ergebnis war wenig schmeichelhaft. Zudem ist nach der Lektüre glasklar: Die konventionelle Landwirtschaft ist der Erzfeind!

Daher werden auch im Januar vermutlich wieder viele Grünenpolitiker hinter ihrer grünen Bande einher marschieren, auf der eingemeißelt steht: Wir haben Agarindustrie satt! Und sich für die Erhaltung der bäuerlichen Landwirtschaft eine ganze Straßenbreite in Szene setzen.

Bloß, werte Grüne, die Empörungswelle, auf der Sie aktuell lustvoll surfen, entlarvt, dass auf Ihren langen grünen Plastikbändern (#Plastikmüll! #MadeInChina? #Containerschifftransport! #Klima?) in unsichtbaren Lettern steht:

Bäuerliche Landwirtschaft? Nicht mit uns!

Dies gilt unter anderem für den Grünen-Chef Robert Habeck, Ex-Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, der Bauernhöfen, scheint’s, keinen hohen Stellenwert einräumt.

Screenshot Zitat Habeck
Man könnte mit einem Satz auf die de fakto-Notlage der Sauenhalter eingehen. Könnte. (ZDF 04/11/18)

Natürlich habe ich auch für Herrn Habeck (und Kolleg*innen) einen Screenshot im Nikolaussack!

Screenshot Gitta Connemann
ZDF, 4. November 2018.

Und hier kommt die aufschlussreiche Reaktion von Fraktionschef Anton Hofreiter auf die Aussage von Gitta Connemann:

Bäuerliche Landwirtschaft mal eben abgebügelt! (ZDF 04/11/18)

Eine treue Mitläuferin der „Wir haben es satt“, dass wir so satt sind-Demo, ist Renate Künast. Aber auch sie hat für Bauernhöfe augenscheinlich wenig übrig. Warum gehen Sie eigentlich demonstrieren, Frau Künast? Wenn es hart auf hart kommt, ist Ihr Einsatz pro bäuerliche Landwirtschaft – vom Winde verweht.

Die Regierung tut das, was Sie fordern: Sie knickt vor den wirtschaftlichen Interessen der Gruppe ein, für die SIE angeblich auf die Straße gehen.

Auch auf Katrin Göring-Eckardt können sich Deutschlands Landwirte verlassen. Nicht.

Screenshot Twee Katrin Göring-Eckardt
Irgendwer hatte in der Tat den Durchblick! Die #groko hat geholfen und die Grünen haben sich für eine richtig große Sauerei entschieden.

Werte Grünen, sehen Sie, in diesem Land weiß so gut wie jeder, dass irgendjemand aus was für Gründen auch immer den fristgerechten Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration vermasselt hat. Aber dass IHR Klientel es hätte ausbaden müssen, und zwar bis hin zu Betriebschließung – DAS hätte man wissen und reflektieren können!

Hätte man denn den Anstand besessen, sich zu interessieren!

Grüne hinter grüner Bande
Die Grünen werden extra geehrt: Sie erhalten neben dem Screenshot eine grüne Bande. Bitte schön, gerne geschehen!

Die Medien

Ob die massenmediale Behandlung des Themas betäubungslose Ferkelkastration in der Tendenz neutral verhackstückt wurde oder unausgewogen, dazu kann ich mir keine Meinung bilden. Nachdem mir einige harte, schlecht recherchierte bzw. voreingenommene O-Töne über den Weg gelaufen sind, habe ich auf Durchzug geschaltet.

Seit einigen Jahren beobachte ich intensiv die Berichterstattung rund um die moderne Landwirtschaft. Sowohl Facebook als auch Twitter habe ich zu einer Art Pressespiegel umfunktioniert. Ich merke aber, dass mein Interesse an dem, was in der Zeitung steht, im Fernsehen kommt bzw. in den Sozialen Medien rauscht und flimmert, allmählich erlischt.

Alles im Leben nutzt sich irgendwann ab. Die oft einseitige, unreflektierte Fokussierung durchurbanisierter Milieus, die ihr Lebtag keinen Fuß in einen stinknormalen Bauernhof gesetzt und auch sonst kaum Ahnung von der Erzeugung ihrer Lebensmittel haben, auf u.a.

  • profitgierige Landwirte
  • profitgierige Agrarlobby
  • profitgierige Agrarindustrie
  • profitgierige Fleischmafia
  • (ad infinitum)

und deren „bösartiges“ Treiben ermüdet nur noch.  Ausgewogenheit? „Die wichtigsten Argumente zu den wichtigsten Punkten liefern“, wie es Marion Gräfin Dönhoff mal zum Ausdruck gebracht hat?

Screenshot Die Gräfin
Eine Grande Dame des deutschen Journalismus: Die (ZEIT-)Gräfin.

Mittlerweile frage ich mich: Hat es das jemals gegeben? In puncto konventionelle Landwirtschaft wenigstens viel zu selten, und das seit Jahren. Auf die Hetze gebe ich Brief und Siegel! Zahlreiche Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel.

Im Januar geht die Grüne Woche in Berlin wieder los, der Aufhänger, gegen alle, die die Republik satt machen, zu Felde zu ziehen. Ich kann schon hören, wie bei den NGO und in den ihnen angeschlossenen Redaktionen die Messer gewetzt werden.

taz

Es folgt eine kleine Screenshot-Show, die ich mit meinem persönlichen Favoriten beginne, ein, wie ich finde, Leuchtmittel am weihnachtlichem Firmament, das den Stern zu Bethlehem wie eine verkümmerte LED-Birne wirken lässt: die taz, massenmedialer Arm der Agrarwende.

Da wäre Aktivist Jost Maurin zu nennen, der es geschafft hat, einen langen, informativen und durchaus recherchierten Artikel zu verfassen – um dann mit der Notlage der Sauenhalter ein zentrales Argument für die Fristverschiebung einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

Screenshot Überschrift taz-Artikel
Der Bauernverband will verhindern. Er könnte das schaffen. Der böse. (http://www.taz.de/!5532423/)

Herr Maurin, ich habe heute ein Screenshot für Sie!

Screenshot Gitta Connemann
Bitte schön, keine Ursache! (ZDF 04/11/18)

Ein Knaller, um es mal jugendlich-flott zu formulieren, ist meiner Meinung nach der Abdruck des Kommentars von Hilal Sezgin. Einer kompromisslosen Gegnerin jeglicher Form von (Nutz)Tierhaltung das Wort zu erteilen OHNE die Einstellung der Tierrechtlerin adäquat einzuordnen, finde ich unterirdisch.

Screenshot Kommentar Hilal Sezgin
Es spricht eine studierte Philosophin, Schriftstellerin und Journalistin….

Was mich noch brennend interessiert, werte taz-Redaktion: Nehmen wir mal an, Sie würden Joachim Rukwied ein Plätzchen an der taz-Kommentarsonne einräumen: Würden Sie den Bauernverbandschef unter den Tisch fallen lassen, dafür aber erwähnen, dass Ihr Gast Landwirt ist und einen Bauernhof mit so und so viel Hektar bewirtschaftet? Würden Sie? Na?

Sehen Sie!

Weitere medialen Perlen

Ein Kommentator bei der SZ ist der Meinung, der deutsche Sauenhalter lasse seine Tiere einiger weniger Penunsen wegen leiden. Logo.  Was sonst?

Screenshot Textpassage
Kommentar Markus Balser: Unbegreiflicher Rückschlag für den Tierschutz – und die Koalition (SZ, 5.11.18)

Welt-Journalist Johannes Wiedermann kann was nicht nachvollziehen. Wenn ich einen höflichen Tipp geben darf? Recherche!

Screenshot Tweet Wiedemann
Johannes Wiedemann empört sich bei Twitter

Bei quer vom BR ist man gleichfalls unwissend. Dass die Musterländle Schweden und Schweiz vielleicht einen beschwerlichen Weg hatten, bis sie das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration einläuten konnten?  Wer will das schon so genau wissen! Übrigens, werte quer-Redaktion: Schweden importiert heute einen Großteil seiner Ferkel.

Screenshot quer
Scheine, Schweden, scheine! Scheine, Schweiz, scheine!

Der Empörungstaumel hat unreflektiert auch die Zeit erreicht.

Screenshot Textpassage Schwein
In der Zeit (Arme Schweinchen, 03.10.18) empört sich Elisabeth Raether. Sachgründe für eine Verlängerung gebe es nicht.

Die Stimmen der Anderen

Das Thema Fristverschiebung war Gegenstand intensiver, kontroverser Diskussionen bei Facebook,  Twitter, in den Diskussionsforen u.a. bei SPON. Ich habe viel mitdiskutiert und kann dazu nur sagen:

Der Hinweis auf die Notlage kleiner und mittlerer Landwirtschaftsbetriebe hat die Empörte Öffentlichkeit dort einen SCHEIßDRCK interessiert.

Ich weiß, ich müsste mir jetzt den Mund auswaschen gehen. Aber die Gleichgültigkeit bzw. unnachgiebige Härte, mit der Menschen, die in einem Satz Kleinbetriebe vergöttern und im nächsten ihre Abschaffung einfordern, ist haarsträubend. Vokabularentgleitend, quasi.

Zum Abgewöhnen

Nicht nur das. Was bin ich beleidigt, beschimpft, blöde angemacht worden. Weil ich es gewagt habe, nicht den Mainstram-„Absonderungen“ zu folgen, sondern weil ich um Verständnis geworben habe. Mein persönliches Hater-„Highlight“ ist eine Diskussion bei Foodwatch am 4. Oktober. Tatort: Facebook.

Meiner langjährigen Erfahrung mit der Diskussionskultur bei NGOs zufolge  ist der folgende Post noch als höflicher Umgangston zu werten:

Es ist Alltag, dass Social Media Teams nicht eingreifen. Auch nicht, wenn der Ton zunehmend entgleitet, verroht. Auch nicht, wenn man die Redakteure mehrere Male auf konkretes Fehlverhalten hingewiesen hat. Bei Foodwatch verpasste mir obiger empörter Bürger einen zweiten Post und vergriff sich eindeutig im Ton:

Wertes Foodwatch, an dieser Stelle mein „Dank“, dass nicht ein einziger Versuch der Deeskalation unternommen wurde. Großartiges Heuchelei-Kino vor dem Hintergrund, dass Sie am 21. November bei Facebook eine Campact-Petition geteilt haben, in der gegen – TADA! – Hate Speech im Internet mobil gemacht wird.

Zum Mitschreiben: Ihr Social Media-Team teilt „Steh auf gegen Hass im Netz“, toleriert aber Bedrohung, Beleidigung und Einschüchterung bei sich daheim. Muss man erst mal bringen!

Neujahrswunsch

Nachdem ich wieder einmal viel zu viele Internetseiten vollgeschrieben habe, bleibt mir nur ein Jahresendwunsch: Ich wünsche der Empörten Öffentlichkeit frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Genießen Sie die zahlreichen Köstlichkeiten, die Deutschlands Schweinehalter Ihnen in topp Zustand zu schmalen Preisen in die Supermarktregale legen.

Es könnte sein, dass damit bald Schluss ist.

Denn die Erkenntnis, dass Sie alle im Grunde genommen auf die bäuerliche Landwirtschaft pfeifen, hat nach einer kurzen Schockstarre bewirkt, dass ein Aufatmen durch zahlreiche Familien ging – von Norden nach Süden, von Westen nach Osten.

Wir können es schon lange niemandem mehr recht machen. Also Schluss mit dem Anarbeiten gegen Windflügel!

hört man aktuell in vielen Dörfern große Felsbrocken von ferkelerzeugenden Herzen plumpsen. Schluss mit Landwirtschaft. Stattdessen: Fünf Arbeitstage die Woche bei chilligen Nine-to-Five, verlässliche Einkommen, regelmäßig bezahlter Urlaub (was für ein Luxus!) und die Arbeit anderer Leute pausenlos kritisieren – ein Leben nach der Tretmühle ist für viele Bauern eine verheißungsvolle Option.

Und das Schnitzel kommt zukünftig von betäubungslos kastrierten Schweinen aus dem Ausland.

ODER: Alternativ nur noch aus deutschen Betrieben agrarindustriellen Zuschnitts. In denen aber auch gute Arbeit geleistet wird (wie in allen Branchen bestätigen Ausnahmen  die Regel und gehören vor den Kadi). Von Mitarbeitern, die eine fundierte Ausbildung bzw. ein Studium durchlaufen haben, denen das Wohlergehen der ihnen anvertrauten Tiere am Herzen liegt und die sehr wohl Gesetzestexte lesen und im Betrieb umsetzen können. Die nicht einfach die Stalltüren aufreißen und Tiere in dunkle, stinkige Löcher reinprügeln und dort darben lassen, sondern die wie alle Sauenhalter enorme Investitionen getätigt haben in ihre Ställe.  In Standards, die weltweit Spitze sind.

Einfach mal den Landwirt fragen, wie es in deutschen Ställen aussieht, ob groß oder klein: hier entlang geht es zum Bauernwiki.

* Mittlerweile ist das Mittel Isofluran zur Inhalationsnarkose zugelassen worden. Eine Pressemitteilung der ISN – Interessengemeinschaft der Schweinehalter lässt ahnen, wie sehr der Teufel im Detail liegt - wie sehr „Petitessen“ letztendlich über Hopp oder Topp entscheiden.

„Nur durch eine Fristverlängerung kann der notwendige Freiraum geschaffen werden, um nun die Anwendung in die Hände der Landwirte zu bringen, die Inhalationsgeräte zu organisieren und um mögliche Sicherheitsbedenken für den Anwender zu klären bzw. ggf. durch Optimierungsmaßnahmen auszuräumen.“

Für wen gilt denn eigentlich die Pressefreiheit?

Und zweite Frage: Was treibt Tierrechtsorganisationen an?

Meine Kollegin Nadine Henke hat heute morgen die Beschneidung der Pressefreiheit durch das deutsche Tierschutzbüro kritisiert:

Tierschutzbüro und Pressefreiheit?
mit einem Klick geht´s zu Nadines Artikel

Hintergrund:

Die Tierrechtsorganisation hat in Oldenburg wirklich krasse Verstöße auf einem Schlachthof aufgedeckt und zu einer Pressekonferenz eingeladen.

Kurz vor dieser PK wurde allerdings der Chefredakteur der LAND&FORST Ralf Stephan wieder ausgeladen.

Beschneidung der Pressefreiheit

Diese Beschneidung der Pressefreiheit kennt man eigentlich nur von der AfD. Jetzt verweigert das Tierschutzbüro den Zutritt für einen sogenannten Agrarjournalisten, der vermutlich sehr kritisch in der Vergangenheit über Tierrechtsorganisationen berichtet hat.

Journalisten zweiter Klasse?

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Wissenswertes zum Bienensterben

Über Bienen, Bienensterben, Honigernte & Bestäubungsleistung

Offene Mail zur Kolumne „Schumachers Woche“ in der Berliner Morgenpost vom 1. April 2018 mit dem Titel: „Rettet die Bienen!“ von Dr. Hajo Schumacher

Sehr geehrter Dr. Schumacher,

ich nehme an, ihre Kolumne war trotz des Datums ernst gemeint. Es ist ehrenvoll, wenn ein prominenter Journalist sich für die Rettung der nützlichen Bienen einsetzt.
Aber, weder ist der Honigbienenbestand irgendwo auf der Welt gefährdet, noch würden chinesische Kinder Bienen nur aus Videos kennen, noch spielt die Handbestäubung von Obstbäumen in China eine messbare Rolle, noch hat Maos Spatzenkampagne was mit einer imaginären Bienenausrottung in China zu tun, noch ist die Charakterisierung „klug“ im Zusammenhang mit einer Bienenpolitik passend.

Ihre Kolumne zeigt vielmehr, wie raffiniert eine Scheinwelt aufgebaut wurde und wird, in der auch kritische Zeitgenossen zu gewünschten Schlüssen kommen müssen.

1) Immer mehr Honigbienen in China und überall

Bienenvölker in China
Bild 1: Anzahl der Bienenvölker und Honigerzeugung in China:

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