Photo von Buch Habeck

Wie Ihr seid! Teil 1: Harald Ebner

Robert Habeck hat im Oktober letzten Jahres ein Buch veröffentlicht. Der Titel: „Wer wir sein könnten“. Sein Anliegen: Eine offene und vielfältige Sprache, mit der Demokratie funktioniert. Eine Sprache, die nicht ausgrenzt, entmenschlicht.

Ja, der Grünen-Chef hat völlig Recht. Begriffe wie „Asyltourismus“ und „Überfremdung“ sind nicht dazu angetan, Menschen in all ihrer Verschiedenheit zusammenzubringen. Auch mir will oft scheinen, dass eine Zeit des politischen Brüllens und Niedermachens angebrochen ist. Dabei ist Sprache ungemein wichtig. Sie macht den Unterschied, im Privaten genauso wie in der Politik.

Grüne Sprachverrohung

Womit wir bei den Grünen angelangt sind. Denn es ist längst nicht nur die AfD, die niedermacht. Ob Habeck wohl der diffamierende Umgang seiner Parteikollegen mit Deutschlands (konventionell wirtschaftenden) Landwirten bewusst ist? Besser wäre es. Denn er ist pures Gift.

Einer kleinen Minderheit pauschal (und faktisch mehr als fragwürdig!) Jahr um Jahr, direkt oder indirekt, in Wort und Tat, zu unterstellen, sie gefährden das Leben ihrer Landsleute mittels „Ackergiften“, vergifte ihr Trinkwasser, zerstöre Flora und Fauna, quäle Tiere, grenzt aus, entmenschlicht. Die Grünen haben es darin zur Meisterschaft gebracht. 

Sie dämonisieren Agrarindustrie, Pflanzenschutzmittel, die Intensivtierhaltung. Indem sie beispielsweise von „Ackergift“ reden statt von Pflanzenschutzmitteln, verwandeln sie die Menschen, die diese Mittel auf ihren Äckern ausbringen, in Brunnenvergifter. Klar, dass Landwirte die Stürme ernten, die die Grünen säen – seit Jahren. Denn die sprachliche Verrohung bewirkt etwas. Sie verroht das gesellschaftliche Klima. Unter anderem das Mobbing von Bauernkindern zeigt dies eindrücklich.

Der Journalist und Salonkolumnist Jan-Philipp Hein hat es mal auf den Punkt gebracht: Was die Afd und NGOs und Grünen gelernt hat.

Wenn es um ihre Herzensthemen geht, vergiften NGOs und Grüne mit brachialer Zuspitzung und Populismus das gesellschaftliche Klima. Die AfD erweist sich so nicht nur als größter Widersacher der Ökopartei, sondern auch als gelehriger Schüler.

In der ersten Jahreshälfte 2018 habe ich dazu eine Serie hier auf BlogAgrar veröffentlicht. Meine Frage war, ob die Internet-Kommunikation von Bündnis 90 / Die Grünen zur konventionellen Landwirtschaft auf geistige Brandstiftung hinauslaufe. Das Fazit der Analyse: Ja, es wird diffamiert, was das Zeug hält. Wer mag: Ich habe hier Teil 1 (von fünf) verlinkt.

Wie sie sind

Und heute? „Habecks Leute“ „brandschatzen“ mit ihrer (Internet)Kommunikation weiter, in Berlin und Brüssel. Im Folgenden werde ich dies (analog zu meiner Serie) anhand von Screenshots belegen. Ursprünglich hatte ich vor, das Thema in einem BlogPost abzuhandeln. Aufgrund der Fülle des Materials habe ich mit für eine Veröffentlichung in zwei Teilen entschlossen.

Warum es mehr wurde? Ganz einfach. Vorhang auf für:

Harald Ebner MdB

Der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner darf den Anfang machen, immerhin stammt sein jüngstes Glyphosat-Foulspiel taufrisch aus der digitalen Druckerpresse: Eine tödliche Gefahr für Biene und Mensch wird vage suggeriert plus aus dem Lameng ein Mensch diffamiert. Dafür reichen Ebner 280 Zeichen. Hier geht es zum Ausgangstweet sowie die sich daran anschließende Unterhaltung.

Mann mit Honigglas in der Hand
Ihre Message, Herr Ebner? Abgesehen von den vagen Andeutungen, die uns Verbrauchern Angst einjagen sollen?

In dem Tweet ist ein bedröppelt anzuschauender Abgeordneter zu sehen, der anklagend ein mit Glyphosat verunreinigtes Glas Honig in die Kamera hält. Zumindest wird die Verunreinigung behauptet – ohne Beleg! Wer-Wie-Wo-Was-Warum-Wann: Mit Infos hält der Mann sich nicht auf. Bloß: Herr Ebner, ein Totenkopf ist preiswertes Pathos und hat sonst null Aussagekraft!

Sollte es eine Untersuchung gegeben haben (*Anmerkung am Textende): In dem Tweet erfahren wir nichts über das Studiendesign, es werden keine Analyseergebnisse verlinkt, das Labor wird auch nicht genannt. Außerdem erfahren wir nicht, wieviel des kontaminierten Honigs wir pro Tag zu uns nehmen müssen, um auch nur den Schatten eines Grenzwertes zu gelangen – eine zentrale Info! Stattdessen kleben Sie – Totenköpfe!

Aber es kommt noch besser.

Die Mär von der verseuchten Muttermilch reloaded?

Dieses Spielchen ist nicht neu: 2015 ließen einige Parteimitglieder der Grünen Muttermilch auf Glyphosatrückstände untersuchen. Dass das Untersuchungsdesign nicht einmal wissenschaftlichen Minimalstandards Genüge tat, interessierte niemanden. Stattdessen trommelte die Partei lautstark und öffentlichkeitswirksam mit dem Ergebnis. Resultat: Junge Eltern machten sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder. Dabei hätten Babys weit über 1000 Liter der Milch am Tag trinken müssen, bevor der Grenzwert erreicht worden wäre. Zwei Stern-Mitarbeiterinnen hatten seinerzeit die „Studie“ aufs Korn genommen: Die Mär von der verseuchten Muttermilch.

Nahtlos an die verantwortungslose Kampagne von vor vier Jahren anzuknüpfen ist nicht nur dreist. Ich halte sowohl Tweet als auch die damit verbundene Aktion für regelrecht bösartig!

Biene Maja und Willi

Dann wabert der unausgesprochene Vorwurf durch den Tweet, dass irgend etwas Schlimmes mit den Bienen passiere. Aber auch dazu lässt Harald Ebner uns im Regen stehen. Es wird nur angedeutet, nichts Konkretes mitgeteilt. Herr Ebner, sind akut irgendwo Bienen zu Schaden gekommen? Hat es ein Massensterben gegeben? Wollen Sie uns mitteilen, dass Glyphosat etwas mit den Bienen angestellt hat? Was genau wollen Sie uns erzählen? Ihre Message?

Oder machen Sie bloß wie üblich Stimmung gegen Glyphosat? Instrumentalisieren Sie die Sorge der Republik um den Fortbestand von Biene Maja und Willi, um das Pflanzenschutzmittel aus dem Verkehr zu ziehen? Denn im Instrumentalisieren sind Sie Meister, sei es die Angst junger Eltern um die Gesundheit ihrer Säuglinge oder das Instektensterben.

Dann wäre da noch Julia Klöckner

Diffamierung eines Landwirtschaftsministers reloaded

Als sprachliche Verrohung empfinde ich Ebners Behauptung, Landwirtschaftsministerin Klöckner schade vorsätzlich den Bienen. Was soll diese ehrabschneidende Behauptung, Herr Ebner? Ihre Belege?

Auch hier habe ich ein unschönes Déjà Vu: Im Dezember 2017 hatte Ebner dem damaligen Landwirtschaftsminister Schmidt per Twitter (ohne Belege!) unterstellt, dieser kuschele mit Monsanto. Zum dem Zeitpunkt waren in den Medien bereits die Gewalt-  und Morddrohungen gegen Schmidt verbreitet worden, nachdem dieser grünes Licht für weitere fünf Jahre Glyphosat nach Brüssel gegeben hatte.

Dies hat den Bundestagsabgeordneten seinerzeit nicht die Bohne tangiert. Nachzulesen ist dies in Teil 5 der oben genannten Serie: “ Glyphosat: Gift in den Händen der Abgeordneten Harald Ebner MDB, Martin Häusling MEP, Sven Giegold MEP und Maria Heubuch MEP“.

Wiederholt sich die Geschichte? Das gesellschaftliche Klima in Sachen Glyphosat ist aufgeladen. Exemplarisch nachzulesen ist dies bei Tweets in Reaktion auf Meldungen, in denen die Agrarpolitik der Landwirtschaftsministerin thematisiert wird. Da wird kaum diskutiert, sondern gehetzt – bis hin zu Hate Speech. Und ein Bundestagsabgeordneter heizt die explosive Stimmung mit an.

Fazit

Was ist das Fazit? Ich schwanke in meiner Beurteilung. Die Person Harald Ebner kenne ich nicht. Seine Kommunikation mit der deutschen Öffentlichkeit und seine Kampagnen habe ich über die letzten Jahre regelmäßig verfolgt. Wie soll ich sie kategorisieren? Populismus? Demagogie? Eine Mischung aus Beidem?

„Wie wir sprechen, entscheidet darüber, wer wir sind – auch und gerade in der Politik“. Habeck’s Parteikollege Harald Ebner entscheidet sich fürs Niedermachen. Immer wieder.

*Anmerkung: Der Tweet Ebners hatte für einige Empörung gesorgt. Daraufhin meldete sich jemand von der Aurelia-Stiftung mit dem Hinweis auf eine Untersuchung. Als Beleg wurde ein Laborergebnis gepostet, mit dem ich nichts anfangen konnte. Auf Rückfragen nach Untersuchungsdetails erhielt ich keine Antwort. Drei Tage später hat sich heute Nachmittag erneut die Aurelia-Stiftung per Twitter gemeldet und Photos angehängt. Vermutlich handelt es sich um Laborergebnisse. Die Bilder lassen sich nicht auf ein lesbares Format öffnen. Davon ganz abgesehen: Wen interessiert das jetzt noch? Herr Ebner hat seine Kampagne gefahren und weitere Verbraucher verunsichert. Vermutlich nicht sehr viele, denn HC Strache dürfte ihm in der medialen Aufmerksamkeit die Show gestohlen haben. Aber vielleicht hat sich seine Masche auch einfach nur abgenutzt?

Auf alle Fälle bedanke ich mich bei der Aurelia-Stiftung. Ich finde es nett, dass sie sich um die Transparenz bemüht hat, die Harald Ebner uns Bürgern und Verbrauchern schuldig geblieben ist. Ein Tipp: Persönlich wäre ich unverändert an einer Aufklärung interessiert. Allerdings bin ich Laie. Wie fast alle. Wir bräuchten eine entsprechende Einordnung der Ergebnisse.

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