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Ode an das böse Bäuerlein*

Liebe Anita,

in dem hier verlinkten offenen Brief bzw. dem dazugehörigen Video behauptest Du, Ihr Landwirte seid Menschen.

Fast drei Jahre bin ich jetzt zum Thema konventionelle Landwirtschaft auf Sendung, bei Facebook, SPON, der SZ, der ARD; bei Greenpeace und dem BUND. Und wie sie alle heißen.

Liebe Anita,
werte Landwirte,

stellt Euch endlich den Tatsachen: Ihr seid Brunnenvergifter, Tierquäler und Umweltsünder. 80 Millionen Stadtbewohner, Stadtrandbewohner, SUV-Fahrer und Umweltschutz-Aktivisten sowie zahlreiche Politiker und viele Journalisten können einfach nicht irren.

Nanana, höre ich Protest? Müsst Ihr immer so kleinkariert Verbraucher- und Journalisten- und NGO- und Politikeraussagen zerpflücken? Und dann auch noch was von Ausbildung, Berufserfahrung und so hüsteln? Meinung und Haltung schlagen Expertise, Meinung und Haltung schlagen Tatsache, aber mit Schmackes. Isso. Dann Eure Proteste gegen die Bauernregel-Plakataktion von Ministerin Barbara Hendricks aus dem Bundesumweltministerium. Wie konntet Ihr nur so frech sein und Euch bis ins Mark verletzt fühlen? Landwirte haben keine Gefühle.

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„Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“

Screenshot Spiegelüberschrift
Zu viel Gülle in der Zeitung? Ein Blog in der Brandung leistet Abhilfe.

„(…). Hast doch die Schillipeppa.“ Diesen Spruch habe ich mir gestern von einem Erbosten Menschen* eingefangen als Antwort auf ein Post von mir auf seiner Facebook-Seite. Es ging um das Rauschen im bundesdeutschen Blätterwald, zu viel Dünger könne das Trinkwasser teurer machen, Preissteigerungen bis zu 45 Prozent werden erwartet. Der Erboste Mensch war böse, wie man seinem Post entnehmen konnte:

„Für das Billigfleisch mit dem Deutschland die ganze Welt versorgen will zahlen wir alle bald die (Wasser)Zeche. Auf eine Familie kommen bis zu 134 Euro im Jahr Mehrkosten beim Wasser zu.“

In meinem Post habe ich ihn darauf hingewiesen, dass kaum ein bis gar kein Journalist die Studie gelesen habe. Und auf den jüngsten Blogpost der Bloggerin Schillipaeppa aufmerksam gemacht, die sich das dröge Stück angetan und analysiert hat.  Wie das halt so ihre Art ist. Schillipaeppa setzt sich hin, dröselt knochentrockene Aufsätze auf und geht mit dem Resultat ansprechend aufbereitet in ihrem Blog in der Brandung online.

Das Ergebnis schmeckt nicht jedem. Im konkreten Fall auch dem Erbosten Menschen nicht, denn es machte seine Meldung obsolet – so wie fast alle anderen Pressemeldungen zum Thema. „Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“ weiterlesen

tweet des Tages – mit @Umweltbundesamt &@schillipaeppa

Zu Ostern stehen natürlich auch für Bundesbehörden österliche Themen auf dem Programm. Dabei meint es das Umweltbundesamt besonders gut und empfiehlt fürs Eierfärben arbhölzer, die keine Zulassung für Lebensmittel haben. Daraus ist dieser Dialog auf Twitter entstanden:

tweet des Tages – mit @Umweltbundesamt &@schillipaeppa weiterlesen

Glypho-Fiktion, Teil 1

snap_grüne_muttermilch_glyphosatEnde Juni vergangenen Jahres sorgte die Bundestagsfraktion der Bündnisgrünen für Aufregung in der Öffentlichkeit und vor allem bei stillenden Müttern. Sie behaupteten, in mehreren Muttermilchproben Spuren von Glyphosat, einem höchst umstrittenen Pflanzenschutzmittel, gefunden zu haben.
Schon damals kamen sehr viele Zweifel auf, was die Seriosität der Messungen und der Bewertung der Laborergebnisse anbelangte.

BlogAgrar berichtete in folgenden Posts von der reißerischen Kampagne:

bfr_logoJetzt bestätigt eine vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Auftrag gegebene Studie hochoffiziell, dass kein Glyphosat in Muttermilch nachweisbar ist und die Testverfahren der Studie der grünen Bundestagsfraktion nicht geeignet waren, Glyphosat zu bestimmen- schon gar nicht in so niedrigen Konzentrationen wie damals behauptet.


Ich möchte nun einen ersten Kommentar meiner geschätzten Kollegin Susanne Günther rebloggen. Sie schreibt in ihrem Blog schillipaeppa.net:

Die Grünen in der Pestizid-Sackgasse: Kein Glyphosat in Muttermilch nachweisbar

Im vergangenen Sommer ließ die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen 16 Muttermilch-Stichproben auf Glyphosat untersuchen. Bei der Analyse, die man von einem tiermedizinischen Labor  durchführen ließ, wurden die Grünen fündig und schlugen Alarm: Glypho-Fiktion, Teil 1 weiterlesen

Totgespritzt

Zum Thema Glyphosat habe ich bisher wenig in meinem Blog berichtet. Dabei steht das Herbizid ständig in der Kritik und wird von vielen Umwelt- und Naturschützern sehr kritisch beäugt. Mein Eindruck ist, dass der Wirkstoff Glyphosat zu einem Synonym und Symbol für moderne Landwirtschaft geworden ist- genauso wie der kupierte Ringelschwanz des Schweins für die sogenannte Massentierhaltung steht.
Das Glyphosat wurde von Monsanto erfunden und Monsanto ist wiederum das Synonym für die grüne Gentechnik, die von breiten Schichten geradezu verteufelt wird.

Nur so ist es zu verstehen, wie scheinbar seriöse Wissenschaftler scheinbar seriöse Studien veröffentlichen können und diesen pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen in scheinbar seriösen Zeitschriften in der Rubrik „Wissenschaft“ eine breite Bühne eingeräumt wird.

Artikel vom Spiegel 24/2015
Artikel vom Spiegel 24/2015

So im Spiegel in der Ausgabe 24/2015. Susanne Günther* hat sich eingehend mit den vielen Vorwürfen und falschen Tatsachen im Spiegel-Artikel beschäftigt und folgenden Leserbrief an den Spiegel geschrieben, der zusätzlich auch in ihrem neuen Blog veröffentlicht wurde:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin enttäuscht, dass Sie die Forschungsergebnisse der genannten Wissenschaftler nicht für den Leser einordnen und gewichten. Prof. Dr. Monika Krüger stellt die Vermutung auf, dass Glyphosat für das Krankheitsbild des sogenannten Chronischen Botulismus bei Rindern verantwortlich ist. Sie steht mit dieser Hypothese in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft alleine da. Eine große öffentlich finanzierte Studie über Botulismus konnte den Zusammenhang nicht bestätigen: LINK-Botulismus. Krügers Hypothese erklärt auch nicht, dass sich die Botulismus-Fälle in Niedersachsen und Schleswig-Holstein häufen. Denn Futtermittel, die pflanzliche Produkte enthalten, die irgendwann mit Glyphosat in Kontakt gekommen sind, werden bundesweit gleichermaßen gefüttert. Gleiches gilt übrigens für die Gesundheitsprobleme bei den Kühen von Bauer Voss oder die missgebildeten Ferkel von Schweinehalter Pedersen. Sojaextraktionsschrot gehört zur Standarddiät tragender Sauen. Missbildungen müssten dann überall vorkommen, ist aber nicht so. Die Genetik und Schimmelpilze im Futter könnten genauso gut Ursache sein. Es wird nicht klar, warum ausgerechnet Glyphosat für die Gesundheitsprobleme bei den Kühen und Schweinen verantwortlich sein soll. Wenn man sich ansieht, auf wie viele Stoffe die Futtermittel in Deutschland amtlich untersucht werden (LINK), findet man Dutzende anderer Chemikalien oder Pilzgifte, die grundsätzlich auch als Übeltäter in Frage kommen.

Einer Studie von Frau Prof. Dr. Krüger über Milchkühe in Dänemark werden zudem methodische Mängel (z.B. fehlende Kontrollgruppe) nachgesagt. Hierzu gibt es eine Stellungnahme vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR): BfR-LINK. Gerne zitiert Frau Prof. Dr. Krüger auch Namen wie „Huber“, „Séralini“, „Carrasco“ und „Paganelli“. Das sind alles erklärte Glyphosat-Gegner, die mit einer Studie nach der anderen scheinbar endgültig die Schädlichkeit des Wirkstoffs beweisen wollen. Ihnen stehen allerdings Tausende von Arbeiten gegenüber, die ihren Generalverdacht nicht bestätigen können. Ach ja, die sind ja alle von Monsanto bezahlt … Glauben Sie im Ernst, dass man wissenschaftlichen Konsens kaufen kann? Immerhin schaffen es die Glyphosat-Gegner spielend leicht ins Fernsehen oder in die Presse, und zwar eigentlich ohne wirklich wissenschaftlich Bahnbrechendes geleistet zu haben. Séralini wird auch nicht nur „kritisiert“, mein Eindruck ist, er wird in der Fachwelt gar nicht mehr ernst genommen: So wird die in Ihrem Text ausführlich beschriebene Fütterungsstudie an Ratten von deutschen Statistikern in drei Absätzen einfach weggewischt: http://www.rwi-essen.de/unstatistik/11/. Der Vollständigkeit halber: Sikkation mit Glyphosat einfach nur zur Ernteerleichterung ist in Deutschland nicht mehr zulässig, siehe: LINK.

Und noch ein Gedanke: Eventuell haben die großen Konzerne gar kein Interesse daran, den Wirkstoff Glyphosat weiter im Portfolio anzubieten: Die Patente sind lange abgelaufen, die Preise niedrig (günstiges Generika-Glyphosat aus China dominiert den Markt), Zeit für Innovation! Ein Verbot oder eine Anwendungseinschränkung von Glyphosat würde den großen Agrarchemiekonzernen nur in die Hände spielen. Eventuell könnte sich DER SPIEGEL mal mit dieser Facette des Themas auseinander setzen, alles andere habe ich eigentlich schon im Fernsehen gesehen.

schillipaeppa*Susanne Günther, Jahrgang 1972, studierte Philosophie im Ruhrgebiet und landete nach einigen Station als Redakteurin in der Privatwirtschaft (SMA, Bertelmann, Lycos) auf einem nordhessischen Familienbetrieb. Seit dem Februar diesen Jahres bloggt sie unter schillipaeppa.net. Anlass war die zunehmende Zensur ihrer unbequemen, nicht dem grünen Mainstream angepassten Kommentare.