verendete Schweine

Dirk Fisser von der Neuen Osnabrücker Zeitung berichtet heute auf der Titelseite sachlich über eine Studie, die aussagt, dass viel zu viele Schweine offensichtlich unnötige Qualen erlitten haben vor ihrem Ableben.

Ich meine, wir müssen uns dieser Diskussion und Tatsache stellen und daran arbeiten, dass hier ganz schnell Fortschritte erzielt werden. Erste Reaktionen aus dem Berufsstand geben Hoffnung, dass dieses auch eintritt. verendete Schweine weiterlesen

Stellungnahme von Eckehard Niemann

Eckehard Niemann erklärt seinen Rücktritt bei der AbL

Foto von Eckehard Niemann
Eckehard Niemann (c) Niemann

Am vergangenen Samstag legte der bisherige Pressesprecher der niedersächsischen AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), überraschend von seinen Ämtern innerhalb der AbL zurück (BlogAgrar berichtete leider nur auf Facebook und Co).

Heute versendete Niemann über seinen E-Mail-Verteiler der „AGRAR-HINWEISE“ folgende Erklärung, die ich hier mit seinem Einverständnis wiedergeben möchte. Einen ersten Kommentar von mir füge ich am Ende des Beitrage an:

Hallo,
nachdem ich in der letzten Ausgabe der AGRAR-HINWEISE darauf hingewiesen hatte, dass ich meine Funktionen innerhalb der AbL aufgebe, haben mich viele Mails erreicht. Vielen Dank dafür und für die vielen Aufforderungen, dass es die AGRAR-HINWEISE auch weiterhin geben müsse.
Es gab auch viele Nachfragen zu den Gründen für meine Entscheidung. Deshalb hier folgende Erklärung dazu:
Meine Kritik an Entwicklungen innerhalb der AbL bezieht sich auf die Bundesebene und nicht auf den AbL-Landesverband Niedersachsen/Bremen. Allerdings wurde mir in meiner Funktion als Landesverbands-Pressesprecher immer deutlicher, dass die AbL vor allem nach deren Bundespolitik beurteilt wird. Deshalb gebe ich diese Funktion auf, damit ich mich künftig klarer und ohne falsche Rücksichtnahmen dazu äußern kann. Wenn ich jetzt meine Posten in der niedersächsischen AbL niederlege, so bleibe ich doch weiterhin ganz bewusst Mitglied der AbL. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hat schließlich in den letzten Jahrzehnten ganz vielen Bauern eine Stimme gegeben – gegenüber Agrar- und Ernährungsindustrie und auch gegenüber Raiffeisen- und Bauernverbands-Spitzen. Sie hat Bündnisse mit wichtigen gesellschaftlichen Gruppen geschlossen und in betrieblicher Selbsthilfe Direktvermarktung und Biolandbau vorangebracht.

Ich bin aber zunehmend besorgt darüber, dass sich die AbL in wichtigen Bereichen von einer bäuerlichen Interessenvertretung zu einem bloßen Teil der Natur- und Umweltschutz-Szene entwickelt. Ziemlich weit entfernt von den Bauern hat sich die AbL mittlerweile z.B. bei konventionellen Ackerbauern und auch bei Weidetierhaltern in der Frage der Regulierung von Wolfsbeständen. Im Bio-Bereich würde ich mir ebenfalls eine konsequentere Interessenvertretung von Bauern gegenüber bestimmten Entwicklungen wünschen – so zum Beispiel zur immer schwächeren Marktstellung der Biobauern innerhalb des Biosektors und zur Verdrängung von „Bauernhof-Bio“ durch immer mehr Agrarindustrie-„Bio“ oder EU-„Bio“ light. Die Gründe für diese Entwicklung sehe ich darin, dass die AbL sich in manchen Bereichen mittlerweile abhängig sieht von mächtigen Bündnis-Organisationen aus dem nichtlandwirtschaftlichen Bereich. Gesellschaftliche Bündnisse – wie bei der Demonstration „Wir haben es satt“ – sind für den gesellschaftlichen Einfluss von Bäuerinnen und Bauern sehr wichtig. Sie sind es aber auch nur dann, wenn sich diese Bündnisse auch wirklich für Bauern-Anliegen stark machen – und insbesondere auch für die der 90% konventionell wirtschaftenden, mittelständischen Bauernhöfe.Diese Unterstützung von Bündnis-Verbänden gibt es am ehesten noch im Milchbereich oder bei der Verhinderung von Gentechnik. In anderen Bereichen fehlt mir dies: Wenn z.B. gefordert wird, dass es künftig nur noch „EU-Zahlungen an Bauern gegen zusätzliche Umwelt-Leistungen“ geben dürfe, dann schadet dies den Bauern. Es reicht nicht, wenn man dann lediglich die erhöhten Kosten für solche Umwelt- und Tierwohl-Anforderungen erstattet bekäme – damit wäre ja keinerlei Einkommenswirkung verbunden. Die EU-Direktzahlungen der „ersten Säule“ dürfen nicht abgeschafft werden, sie müssen beibehalten werden – wenn auch mit Staffelungen und höheren Hektar-Prämien zugunsten kleiner und mittlerer Betriebe und mit einer Kappungs-Obergrenze der betrieblichen Fördersummen gegenüber gesellschaftlich unerwünschten agrarindustriellen Großbetrieben (z.B. mit mehr als 500 Hektar). Denn dadurch lassen sich unerwünschte und gesellschaftsschädliche Struktur-Ergebnisse von rein marktwirtschaftlich-neoliberalen Prozessen politisch wirksam korrigieren. Sie können und müssen ein Korrektiv sein für die neoliberalen Markt-Verzerrungen, durch die agrarindustrielle Großbetriebe sonst weiter vordringen würden. Der Erhalt einer strukturellen Vielfalt von Bauernhöfen ist ein Wert an sich – als zu erhaltende sozioökonomische Grundlage lebendiger ländlicher Strukturen, einer vielfältigen Agrarstruktur und einer artgerechteren Tierhaltung. Zudem sind Direktzahlungen zu einem Gutteil ein Ausgleich für die höheren gesetzlichen EU-Standards gegenüber Drittländern ohne solche Standards. Sie sind somit Ersatz für den mittlerweile fehlenden Außenschutz gegenüber Dumping-Importen aus Drittländern – nur durch die Direktzahlungen können derzeit die Landwirte in der EU mit den Weltmarktbedingungen und –preisen existieren.

Allerdings scheint manchen Nichtlandwirten mittlerweile eine sozioökonomische bäuerliche Struktur verzichtbar. Auch etliche nichtbäuerliche Mitglieder sehen in der AbL vor allem eine Umwelt-NGO und definieren eine „bäuerliche Landwirtschaft“ nicht mehr als Landwirtschaft, die von Bauern betrieben wird, sondern – losgelöst von dieser wichtigen sozioökonomischen Agrarstruktur – nur noch als schönklingenden Sammelbegriff für irgendwelche Umweltziele, die angeblich auch Agrarindustrielle umsetzen könnten.

Aktuell kritisiere ich zudem die Positionierung auf AbL-Bundesebene zur Schweinehaltung, die vor allem ein „Tierwohl“-Siegel zur Schaffung eines begrenzten Premium-Marktsegments fordert – statt eine flächendeckende Umsetzung der EU-Schweinehaltungs-Richtlinie. Das „Neuland“-Programm war von der AbL stets als Modell für einen gesellschaftlichen Umbau der Schweinehaltung gedacht – und es hat modellhaft gezeigt, dass und wie eine artgerechtere Schweinehaltung mit Stroh und ohne Ringelschwanz-Kupieren praktikabel ist. Und gerade jetzt, wo die EU auch gegenüber Deutschland auf eine verbindliche Umsetzung genau dieser Tierhaltung drängt, ist es fatal, von dieser anstehenden Aufgabe abzulenken: „Neuland“ und deren Trägerverband Deutscher Tierschutzbund dürfen diese Chance nicht opfern für eigene kleine Vorteile bei einem solchen Tierwohlsiegel.

Angesagt ist jetzt die flächendeckende Umsetzung der EU-Schweinehaltungs-Richtlinie (mit Kupierverbot und Zugang zu Stroh) und des Kastenstands-Urteils. Nur so kann man Planungssicherheit für alle Betriebe schaffen, die aktuelle gesellschaftliche Debatte für die Finanzierung der notwendigen Umbau-Programme wirklich nutzen und die Akzeptanz der Nutztierhaltung sichern. Gemäß Nutztierhaltungs-Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats ist zunächst mit Dänemark und den Niederlanden eine angemessene und koordinierte Übergangsfrist zu vereinbaren, damit der mit den Tierwohlmaßnahmen automatisch verbundene Abbau ruinöser Überschüsse auch wirklich zu „Klasse statt Masse“ mit endlich fairen Erzeugerpreisen führt. Mein Anliegen bleibt: Die AbL muss zu ihren Wurzeln als Vertretung bäuerlicher Interessen gegenüber ökonomischen „Marktpartnern“ und zugleich innerhalb gesellschaftlicher Bündnisse zurückkehren. Darüber ist jetzt eine offene und transparente Debatte angesagt.

Eckehard Niemann

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BfR- standhaft und unabhängig

Durch den scheinbar endlosen Kampf ums Glyphosat ist das international renomierte Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zwischen die Fronten geraten. Viele Grüne und NGOs zweifeln immer mehr an die Unabhängigkeit des Institutes.

Für die Kritiker steht zweifelsfrei fest, dass der Wirkstoff Glyphosat der Ursprung vielen Übels ist. Die Bedrohung der Volksgesundheit durch Krebs und das Insektensterben lasten sie immer wieder gerne dem Glyphosat an, das in den 70ern einst von Monsanto, dem führenden Konzern bei der grünen Gentechnik, erfunden wurde.

Die Unabhängigkeit der Risikobewertung war renate Künast sehr wichtig, als sie das BfR vor 15 Jahren gründete... und das ist auch heute noch so, denn das BfR lässt sich nicht einmal von den Grünen reinreden

Und weil ihr Urteil bereits feststeht, muss ja logischerweise mit der BfR- standhaft und unabhängig weiterlesen

Stallbesuch im High-Tech-Land

Eritreische Flüchtlinge besuchen emsländischen Bauernhof

von Dr. Andreas Eiynck*

An diesem leicht verregneten Herbsttag fühlen sich die Legehennen im Betrieb Busmann in Rottum bei Lingen sichtlich wohl. Sie machen reichlich Gebrauch von den ausgedehnten Auslaufflächen, die zudem attraktiv bepflanzt sind und von weitem wie eine Parklandschaft wirken.

Das finden jedenfalls Natsnet Okbeab und Zekarias Weldegebriel aus Eritrea. Vor zwei Jahren fand das Flüchtlingsehepaar Aufnahme in Lingen und besucht heute zum ersten Mal einen emsländischen Bauernhof. Bäuerin Steffi Busmann haben sie bei der Volkshochschule kennengelernt und so wurde spontan ein Stallbesuch verabredet. Mit dabei ist auch ihr Nachbar, Dr. Andreas Eiynck vom Emslandmuseum, mit seiner Tochter Julia. Stallbesuch im High-Tech-Land weiterlesen

Glyphosat: Europa, quo vadis?

Warum die Entscheidungsfindung ums Glyphosat ein Trauerspiel für die Glaubwürdigkeit der europäischen Institutionen ist

Die EU, das europäische Parlament, die EU-Kommission ringt um eine weitere Zulassung des umstrittenen und symbolpolitischen Wirkstoffes Glyphosat. Susanne Günther hat auf ihrem Blog einen Kommentar veröffentlicht, der ziemlich genau auch meine Gedanken zusammenfasst.

ein Kommentar von Susanne Günther

Das Europäische Parlament hat diese Woche eine Resolution verabschiedet: Das Gremium fordert darin ein endgültiges Verbot des Herbizid-Wirkstoffs Glyphosat bis zum Jahr 2022. Auf Twitter wird diese Meldung illustriert mit einem Flugzeug, das anscheinend Pflanzenschutzmittel ausbringt, – ein Verfahren, das in der EU für landwirtschaftliche Zwecke bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Steilhänge im Weinbau) verboten ist:

Es ist nicht die erste Entscheidung des Parlamentes zum Thema: Glyphosat: Europa, quo vadis? weiterlesen

Gedanken zum Insektensterben

Das Thema „Insektensterben“ bzw. „Insektenschwund“ bewegt sehr viele Deutsche und auch mich. Gab es bislang nur Vermutungen und ein Gefühl, dass die Insektenpopulation in den letzten Jahren zurückgegangen ist, so füllt sich nun die Datenbasis. Eine aktuell veröffentlichte Studie spricht von drastischen 75% Rückgang in Nordwestdeutschland.

voreiliges Urteil?

Viele NGOs und Medien haben dabei schnell den Schuldigen gefunden: die (konventionelle) Landwirtschaft. Bei aller voreiliger Schuldzuweisung, die auf dem ersten Blick vielleicht verständlich ist, ergeben sich dennoch Fragen, die auch berücksichtigt werden müssen:

75 % Insektenschwund in 27 Jahren – aber keine Ahnung, warum Eine Studie holländischer, deutscher und britischer…

Posted by Bauernverband Schleswig-Holstein on Mittwoch, 18. Oktober 2017

Müssen wir vielleicht auch die Konzeption bei der Ausweisung und Ausgestaltung von Naturschutzgebieten überdenken? Gedanken zum Insektensterben weiterlesen

Der Künast-Ökozid

von Sönke Hauschild, Bauernverband Schleswig-Holstein

Im Oktober 2016 ging es in Den Haag um Großes: Da stand die künftige Bayer-Tochter Monsanto vor einem „Tribunal“. Nein, nicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Sondern auf dessen Vorplatz. Es war ein Schauprozess der maximale Medienabdeckung garantierte. Gestern noch berichtete „arte“ darüber (Link). Angst bildet offenbar…

"Wenn Fakten eine politische Agenda durchkreuzen, werden die Fakten in Frage gestellt, nicht die Agenda" Zitat von Bernhard Url, EFSA-Direktor zur Glyphosat-Diskussion

Ökozid- eine neue Wortschöpfung

Ziel war es, den „Ökozid“ – in geschickter Anlehnung an den „Genozid“, Völkermord – als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuprangern. Ökozid hört sich giftig an und meint die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Botschafterin des Tribunals war übrigens die Grüne und Juristin Renate Künast. Künast verhandelt für die Grünen derzeit das Agrarkapitel in der Berliner Jamaika-Sondierung.

Interessant wird es, wenn es um das Ziel des Schauspiels geht: Das Tribunal sollte

„bezüglich der Gefahren der industriellen und chemischen Landwirtschaft und der Notwendigkeit, das landwirtschaftliche Paradigma zu ändern“

sensibilisieren. Monsanto ist also nur der Platzhalter für ein System, das man angreift – und das uns zugleich ernährt.

Landwirtschaft ist leistungsfähig und effizient

Innerhalb von 20 Jahren hat die weltweite Landwirtschaft es geschafft, zwei Milliarden Menschen mehr satt zu machen. In deutschen Lebensmitteln nähern sich Rückstandswerte von Pflanzenschutzmitteln oder Antibiotika dem Promillebereich. Unsere Landwirtschaft hat ihre Emissionen innerhalb von 25 Jahren um 15 % verringert, im selben Zeitraum aber die Produktivität bei Getreide um 28 % und bei Milch um 16 % gesteigert.

Das alles reicht nicht.
Im Gegenteil: All dies dient vielmehr als Beweismittel des Ökozids. Denn ohne „Pestizide“ wäre das nicht möglich gewesen. Es erschreckt, wenn eine Juristin mit Bundestagsmandat sich für Schauprozesse engagiert. Denn es erinnert fatal an Staaten, denen demokratische Regeln zur Durchsetzung fehlen.

staatliche Institutionen werden diskreditiert

Schlimm ist es, wie man mit dem Präsidenten des von Künast gegründeten Bundesinstitutes für Risikobewertung umspringt. Prof. Dr. Andreas Hensel wird vorgeworfen, er habe ungeprüft Studien von Monsanto übernommen. Doch bleibt er klar auf wissenschaftlicher Linie:

„Die Bewertung sämtlicher Bewertungsbehörden europa- und weltweit ist glasklar: Glyphosat ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht als krebserregend einzustufen.“

Auch das JKI, UBA oder das BVL haben Zuarbeiten für den Bericht geliefert.

„Wenn inhaltlich nichts mehr geht und einem die Argumente ausgehen, zerstört man die Reputation der Behörden und Experten,“

bedauert Hensel den versuchten „BfR-zid“.

zweierlei Maß

Dabei ignoriert man den echten Ökozid, die weltweite Ernährungskrise. Offenbar ist es egal, ob nun ein paar hundert Millionen mehr oder weniger hungern. Schuld sind ja doch die anderen. Doch wie schwierig stabile Felderträge ohne Pflanzenschutz sind, zeigt auch der Ökolandbau. Verteidigt die Politik deshalb Kaliumphosphonat als Mittel gegen Pilzerkrankungen im Ökolandbau? Der Irrsinn: Auch Glyphosat ist ein (Glycin-)Phosphonat. Der Unterschied: Politisch.

ohne nachhaltige Intensivierung lässt sich Hunger nicht bekämpfen

Früher diente die klassische Landwirtschaft der Ernährungssicherung. Heute dient sie als Fanal des Weltunterganges. Doch wohin führt uns dieser Weg? In den 1970er Jahren machte die Grüne Revolution mittels Düngung, Pflanzenschutz und neuen Hochertragssorten aus Import- Exportländer für Lebensmittel. Doch die Dividende dieser Revolution ist längst „aufgegessen“. Ohne einen Nachschlag, eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft, droht ein echtes Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Der Genozid, durch Hunger, Frau Künast.

Generationendenken und Hofnachfolge

Viele Generationen auf dem Land schöpften die Eltern viel Motivation für den Beruf Landwirt in der Begeisterung der eigenen Kinder für die Hofnachfolge.

Bilder aus den 70ern. Bauernhof, ein schöner Ort groß, zu werden
(c) Amos Venema

Auch unser Familienbetrieb lebt schon früh von dieser Begeisterung und lässt meine Eltern die eine oder andere schwere Phase ihres erfolgreichen Berufslebens leichter ertragen. Ich habe hohen Respekt vor dem, was meine Eltern geleistet haben.

Sie haben nach dem Hofkauf 1968 den Betrieb konsequent weiter entwickelt:

  • 1974 der erste Boxenlauf
  • 1976 der nächste Bauabschnitt – und damit den Tierbestand fast verdreifacht.

In dieser Zeit herrschte eine Aufbruchstimmung mit viel Zuversicht. Viele meiner damaligen Klassenkameraden in der Grundschule wurden und sind bis heute Landwirte! Wenn ich mich heute mit Ihnen unterhalte, kommen sehr häufig die Aussagen:

„Zum Glück – unsere Kinder ergreifen nicht den Beruf des Landwirten!“

Ich frage mich immer häufiger, woher kommt dieser extreme Wandel in nur zwei Generationen. Unsere Eltern hatten bestimmt nicht mehr Geld zur Verfügung und lebten vielfach wesentlich genügsamer.

steigende Frustration und Resignation

Bei vielen Berufskollegen merke ich eine gewisse Müdigkeit bzw. Resignation, die durch den extremen Zuwachs an unverständlichen Vorschriften und Verordnung ausgelöst wurde und wird. Mir selber ergeht das genauso. Die mit und für die Natur lebende Landwirtschaft wird immer mehr in eine feste Form aus Auflagen und direktiven Mechanismen gepresst.

Landwirte brauchen Freiheiten

Landwirtschaft braucht die Freiheit auf das Wetter reagieren zu können, ohne „das Amt fragen“ zu müssen, ob die Maßnahme erlaubt ist (z.B. Güllefahren bei Frost auf Kleiboden).

Landwirte brauchen Vertrauen

Landwirte haben eine sehr gute Ausbildung in Deutschland, die es ihnen ermöglicht Situationen einzuschätzen und entsprechend der „guten fachlichen Praxis“ zu handeln. Die Politik und die Gesellschaft sollten den Landwirten mehr Vertrauen schenken, um die Begeisterung der jungen Leute für diesen Beruf wieder neu zu entfachen!
Land ohne Landwirte ist wie Deutschland ohne Fußball!

Das Huhn legt sein Ei auf dem Balkon, die Kartoffel wächst im Stadtpark: Lebensräume wieder lebenswert gestalten!

Alexandrowka Potsdam
Deutschland’s Lebensräume zurückerobern – packen wir es an! ALLE!

Beim Fernsehmagazin Frontal21 und damit dem Mutterschiff  #ZDF des Formats macht man sich augenscheinlich Sorgen. Große Sorgen. Es geht um nichts Geringeres als die sich dramatisch verschlimmernde Lage für Vögel, Insekten, Pflanzen und – ja, ganze Lebensräume! Um ein breites Publikum aufzurütteln, sendet #Frontal21 daher am 10. Oktober um 21 Uhr einen Beitrag zum Thema.

Bei der Ursachenforschung landete die Redaktion beim BUND für Umwelt und Naturschutz. Nun basiert die Daseinsberechtigung dieser Nichtregierungsorganisation (NGO) auf einer kaputten Natur. Je schlimmer die Lage von Flora und Fauna, desto flotter rollt der Spendenrubel. Da verwundert es wenig, wenn die üblichen Sündenböcke wieder hervorgekramt werden: Die Agrochemie und die Industrielle Tierhaltung seien ein wesentlicher Grund, so die erdverbundenen Umweltexperten aus Berlin-Mitte.

Leider sind Redaktion und NGO die Tatsache entgangen, dass das Leben kein Schwarz-Weiß trägt. Es ist komplex. Ich habe mir daher bei Facebook erlaubt, die Redaktion in einem Post darauf darauf hinzuweisen. Dabei habe ich mich um einen konstruktiven Ansatz bemüht:

Lebensräume können zurückholt werden, werte Redaktion. Ganz einfach: Die Landwirte stellen alle auf Bio um, im Ackerbau und in der Nutztierhaltung. Das wäre zwar mit beträchtlichen Mindererträgen verbunden (im Ackerbau rechnet man mit einem Minus von 30 bis 50 %), aber, hej, ist ja nur Essen, das wächst allemal im Supermarkt. Oder im Ausland. Null Problemo.

Beton zu Naturlandschaft!

Dann renaturieren wir richtig viel. Ihr wisst schon. Ein Teil des Ackerlandes (merke: Essen wächst im Supermarkt) wird in hübsch anzuschauende Natur umgewandelt, auch Massentierhaltungsställe werden vom Erdboden getilgt. Von Natur wird man zwar nicht satt, aber das spielt keine Rolle, denn: Essen wächst im Supermarkt!

Dann hören wir ab sofort auf, täglich 60 Hektar und mehr für EUCH alle da draußen umzuwandeln. Ich glaube, ich erwähne es besser kurz, da viele Menschen dermaßen weit von der Landwirtschaft entfernt sind, dass sie gar nicht wissen, WO sie leben, Auto fahren und ihre Ikea-Möbel auf der grünen Wiese shoppen. Oder WO viele ihre Penunsen verdienen: auf ehemaligem Ackerland. Ja, so ist es. Jeden Tag werden etwa 84 fußballfeldgroße Flächen der Lebensmittelerzeugung entzogen – zum Wohle der Allgemeinheit. Weil: Essen wächst ja im Supermarkt. Oder im Ausland. Oder?

Lebensraumzerstörer an die Arbeit – ALLE!

So, jetzt haben wir die bösen, lebensraumzerstörenden, konventionellen Landwirte abgearbeitet und wenden uns Euch zu, die Ihr in urbanen Milieus wohnt. Ihr seid nämlich gewaltige Lebensraumzerstörer. Daher leistet auch Ihr aus Gründen der Fairness Euren Teil:

Zuerst wird ein beträchtlicher Teil des von Euch genutzten ehemaligen Ackerlandes seiner ursprünglichen Bestimmung zurück übergeben. Ihr zieht in die Städte. Könnte etwas eng werden, aber wir ALLE sind gefordert.

Ihr glaubt zwar, Euer Essen wächst im Supermarkt. Aber ich verrate Euch ein Geheimnis: Dem ist nicht so! Und wenn Ihr Bio wollt, keine Pestizide und keine Massentierhaltung, und das KONSEQUENT nicht wollt, dann kommt Euer Essen auch NICHT aus dem Ausland.

Urban Gardening will NOT be just for fun!

WIE Euer Essen wächst, das werdet Ihr neu erlernen (müssen), denn Ihr baut zukünftig einen Teil selber an. Das geht nicht anders. Wo? In den Parks und auf sonstigen Grünflächen in Euren Städten. Auch Nutztiere lassen sich in der Stadt halten. Ein Blick zurück in die gute alte Zeit belegt dies. Für Schweine und Kühe findet sich immer ein Plätzchen im Hinterhof, Hühner fühlen sich auch auf dem Balkon wohl (aber nicht im Käfig, das versteht sich ja von selbst).

Parks und Grünflächen sind überflüssig. Ihr werdet keine Zeit mehr für’s Flanieren erübrigen können, die Lebensmittelerzeugung neben dem Bürojob ist zeitintensiv. Eure Wauwis braucht Ihr demnächst auch nicht mehr Gassi führen. Warum? Die werden verboten. Genauso wie Eure Katzen.

Warum? Habt Ihr einen blassen Schimmer, was Eure Lieblinge fressen und WO das Futter herkommt? Und vor allem welche Mengen zusammen kommen? Keine Massentierhaltung, kein Fressi. Keine mit Gas getöteten Küken (NEIN, die Puschels werden in Deutschland NICHT geschreddert!), kein Fressi. Ganz einfach.

Lebensraumzerstörung für einen guten Zweck!

EIN Lebensraum bedarf allerdings dringend der Zerstörung, will man dem verlinkten Kress-Artikel Glauben schenken: das journalistische Biotop.

Werte Frontal21-Redaktion, Ihr kündigt im Teaser das übliche Hau-die-Landwirtschaft an. Das hatten wir in den letzten Jahren wirklich bis zum Erbrechen. Geht es auch differenziert?

Bauern wollen Grüne nicht

Landvolk-Forderungen an Bund und Land – „Brauchen Verlässlichkeit“

Logo der Landvölker aus Emsland, Cloppenburg und OldenburgCloppenburg (PM). Das Landvolk im Nordwesten Niedersachsens appelliert an die CDU als stärkste Fraktion im Bundestag, bei den Koalitionsgesprächen zur Bildung der künftigen Bundesregierung die „aktuellen Kernthemen der Landwirtschaft nicht auf dem Altar der politischen Verhandlungen zu opfern“. Die Union müsse die wichtigen Zukunftsfragen der Agrarbranche selber mit Inhalten füllen und dürfe dieses Feld nicht den Bündnis-Grünen überlassen, sagte der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg, Hubertus Berges.

große Stammwählerschaft der CDU im ländlichen Raum

In einer gemeinsamen Erklärung mit den Landvolkverbänden aus Oldenburg, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim warnt Berges davor, die Agrarthemen in den Koalitionsverhandlungen zu zerreiben. Hubertus Berges: „Die Union sollte auf ihre angestammte Wählerschaft Rücksicht nehmen. Die ist besonders groß in den ländlichen Regionen des Landes.

Düngeverordnung ist Wahlkampfthema

Die Landwirtschaft habe generell schon mit vielen Problemen zu kämpfen, die politische Ursachen hätten. Da sei ein Bundeslandwirtschaftsminister aus den Reihen der Grünen durchaus verzichtbar. Berges: „Wohin das führen kann, sehen wir gerade im Bundesrat, wo die Grünen die neue Düngeverordnung zu Wahlkampfzwecken missbraucht haben.“ Das habe zu eine rechtsfreien Situation geführt, da die Ausgestaltung der Verordnung
nicht erfolgt sei. Berges: „Die Strafen bei Verstößen gegen die Düngeverordnung stehen schon fest, aber der Landwirt weiß noch gar nicht, was eine Strafe eigentlich auslöst.“

Verlässliches politisches Handeln ist nötig

Verlässliches politisches Handeln sehe jedenfalls anders aus, kritisierte Berges. Mit Blick auf die Landtagswahlen am 15. Oktober 2017 in Niedersachsen erklärten die Landvolkverbände, Niedersachsen dürfe nicht zu einem politischen Experimentierfeld verkommen. Von der SPD und Ministerpräsident Stephan Weil erwarte die Landwirtschaft eine „deutliche Absage“ an eine mögliche Regierungsbeteiligung der Partei „Die Linke“,
der ein Wiedereinzug in den niedersächsischen Landtag vorhergesagt wird. Es habe auch etwas mit Verlässlichkeit zu tun, wenn der Regierungschef trotz drohender Stimmenverluste bei der Landtagswahl „klare Kante“ zeige und einer rot-rot-grünen Koalition die Zustimmung verweigere. Berges: „Ich kann nur an Weil appellieren, dieser Versuchung zu widerstehen.

Rückfragen an Heinz-Josef Laing (Tel. 0176-34076775)


Anmerkung:

Dass die Bauern keinen grünen Landwirtschaftsminister wollen, kann man auch am Wahlergebnis ablesen. In dieser Berufsgruppe erhielten die Grünen ledeglich 5% der Stimmen.

Grafik zum Wahlergebnis. Landwirte wählten zu 61% CDU, 5% SPD, 5% Grüne, 4% Linke, 14% FDP und 8% AfD
Wahlergebnis nach Berufsgruppen