„In Deutschland ist es verboten, dem Futter Antibiotika beizumischen.“ Dr. Heike Müller stellt Aussagen eines Tagesschauvideos richtig.

Screenshot Tagesschauvideo #gutzuwissenFleisch
Kein Antibiotika im Tierfutter

*Der Film enthält inhaltlich deutliche fachliche Mängel*

Zum Videobeitrag der Tagesschau vom 13.06.2017 #gutzuwissen zum Thema Fleisch schrieb die Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern Dr. Heike Müller folgenden Brief an den NDR/ARD-aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke:

>> Sehr geehrter Herr Dr. Gniffke,

als frisch in den Rundfunkrat berufenes Mitglied hatte ich am 2. Juni die Gelegenheit, mit Ihnen die Redaktionsräume der Tagesschau in Hamburg zu besichtigen.

Die Tagesschau stellt für mich persönlich das Flaggschiff der seriösen Berichterstattung dar und es ist eine hohe Ehre für mich, als Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern dem NDR-Rundfunkrat angehören zu dürfen.

Umso befremdeter war ich gestern über einen Animationsfilm, der auf der Facebookseite der Tagesschau unter dem Hashtag #gutzuwissenFleisch darüber berichtet, was passierte, wenn wir 80 % weniger Fleisch essen würden.

Unabhängig davon, dass es jeder selbst entscheiden sollte, wieviel Fleisch er isst, enthält der Film auch inhaltlich deutliche fachliche Mängel.

80 % weniger Fleisch bedeutet nicht nur, dass 896 Millionen Tiere weniger geschlachtet werden, sondern es bedeutet im Umkehrschluss auch, dass diese Tiere erst gar nicht geboren werden.

Die meisten Emissionen der Kühe kommen nicht, wie auch in diesem Film dargestellt, aus dem Darm, sondern das Rind als Wiederkäuer produziert im Pansen Methan, das über das Maul beim Ructus wieder ausgeschieden wird.

Landwirtschaft ist nur für 7 % der Klimagase in Deutschland verantwortlich. Würde man auf 80 % der Fleischerzeugung verzichten, hätte man nicht automatisch auch die Klimagase gleichermaßen reduziert, denn man muss den weggefallenen Dung der Tiere durch mineralischen Dünger ersetzen, der wiederum in der Herstellung sehr energieaufwändig ist. Außerdem entstammen die tierischen Emissionen aus „erneuerbaren Energien“, also Gras, Futtergetreide, Leguminosen, und nicht, wie die 150 Millionen PkW-Kilometer, die im Film zur Veranschaulichung dienen, überwiegend aus fossilen Kraftstoffen.

Die Aussage, mit weniger Fleisch würden auch weniger Antibiotika in den Nahrungskreislauf gelangen, kann man ebenfalls nicht so stehen lassen. Es gelangt praktisch kein Fleisch mit Rückständen in den Handel. Wenn ein Tier Arzneimittel erhalten hat, dürfen von diesem Tier innerhalb einer festgelegten Wartezeit keine Lebensmittel in den Handel gebracht werden. Bei einer bestimmungsgemäßen Anwendung von Arzneimitteln in der Tiermast sind in den Lebensmitteln nach Ablauf dieser Wartefrist keine gesundheitlich bedenklichen Mengen an Rückständen vorhanden (Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung). Dies wird im Rahmen eines Rückstandskontrollplanes auch engmaschig überwacht.

Anders als im Film dargestellt, ist es in Deutschland übrigens verboten, dem Futter Antibiotika beizumischen.

Resistenzbildung ist ein natürlicher Prozess. Dieser lässt sich durch entsprechende Maßnahmen verzögern, aber nicht verhindern. Nur 2 % der in Krankenhäusern gefundenen resistenten Keime sind nutztierassoziiert (Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung). Die Aussage, dass es durch die Tierhaltung immer mehr resistente Bakterien gibt, ist also fragwürdig. Gleichwohl sehen wir Tierhalter uns in der Pflicht, den Einsatz von Antibiotika weiter zu reduzieren, und uns sind hier bereits beachtliche Erfolge seit 2011 gelungen. Es gibt also keinen Grund, undifferenziert die Tierhalter an den Pranger zu stellen.

Ich möchte nur deutlich machen, dass Landwirtschaft sehr viel komplizierter ausschaut, als es in so einem animierten Video dargestellt wird. Von einem Format wie der Tagesschau erwarten meine Berufskollegen und ich gründlichere Recherchen, die dem hohen Anspruch der Zuschauer wie auch des Senders an eine unabhängigen und seriösen Informations- und Bildungsauftrag gerecht werden.

Beste Grüße

Dr. Heike Müller<<

#Landwirtschaft
Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern

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