Für wen gilt denn eigentlich die Pressefreiheit?

Und zweite Frage: Was treibt Tierrechtsorganisationen an?

Meine Kollegin Nadine Henke hat heute morgen die Beschneidung der Pressefreiheit durch das deutsche Tierschutzbüro kritisiert:

Tierschutzbüro und Pressefreiheit?
mit einem Klick geht´s zu Nadines Artikel

Hintergrund:

Die Tierrechtsorganisation hat in Oldenburg wirklich krasse Verstöße auf einem Schlachthof aufgedeckt und zu einer Pressekonferenz eingeladen.

Kurz vor dieser PK wurde allerdings der Chefredakteur der LAND&FORST Ralf Stephan wieder ausgeladen.

Beschneidung der Pressefreiheit

Diese Beschneidung der Pressefreiheit kennt man eigentlich nur von der AfD. Jetzt verweigert das Tierschutzbüro den Zutritt für einen sogenannten Agrarjournalisten, der vermutlich sehr kritisch in der Vergangenheit über Tierrechtsorganisationen berichtet hat.

Journalisten zweiter Klasse?

Leider habe ich von Seiten der anderenanwesenden Journalisten keine Solidaritätsbekundungen gehört. Das hat es ja auch schon gegeben, dass Journalisten sich solidarisieren und gegenseitig helfen, wenn die Pressefreiheit eines Einzelnen beschnitten wird. Hier leider nicht.

Das wirft für mich die Frage auf, ob die Agrarjournalisten als Journalisten zweiter Klasse angesehen werden? Oder warum bleibt hier ein Protest der Kollegen aus?

Was will das Tierschutzbüro erreichen?

Und dann bewegt mich die zweite Frage: Was hat sich das Tierschutzbüro dabei gedacht? Was will das Tierschutzbüro erreichen? Über die landwirtschaftliche Fachpresse lassen sich  doch sehr viele Bauern erreichen.
Nadine Henke zitiert den Chefredakteur des landwirtschaftlichen Wochenblatts mit folgenden Worten:

Mit der LAND & Forst hätte man fast 90 % der Landwirte in NDS erreicht. Die wären natürliche Verbündete, wenn es um tierschutzgerechten Umgang mit Schlachtvieh geht. Darum geht es Peifer aber gar nicht.

Peifer (mit einem „F“) ist der Chef des Tierschutzbüros. Er möchte eine möglichst hohe Aufmerksamkeit erhaschen- um konkrete Verbesserungen beim Tierschutz in Schlachthöfen geht es ihm und seine Organisation wohl nicht.

Spenden und Abschaffung der Tierhaltung als Ziel

Das Tierschutzbüro setzt auf maximale Empörung und Aufmerksamkeit. Sie wollen vermutlich letztlich nur Spenden und gar keine Tierhaltung. In einer Welt der Tierrechtler gibt es nämlich keine Nutztiere mehr und somit fällt dann auch die Tierhaltung weg.

„Tierschutzbüro“ ist Verbrauchertäuschung

An einer Verbesserung der Verhältnisse im Stall und im Schlachthof geht es dem TierSCHUTZbüro also nicht! Man könnte sagen, dass die Bezeichnung „TierSCHUTZ“ irreführend ist. Passender wäre TierRECHTSbüro. Das klingt aber nicht so gut und erzeugt weniger positive Reaktionen beim spendenwilligen Verbraucher.


Trotz Ausschluss von der PK hat Ralf Stephan doch noch einen Kommentar verfasst, den ich hier verlinken möchte:

Tierschutz in Schlachthöfen: Endlich durchgreifen!

11 Gedanken zu „Für wen gilt denn eigentlich die Pressefreiheit?

  1. Die Pressefreiheit ist, wie die meisten anderen Grundrechte auch, ein Abwehrrecht gegen Staat, u.a. gegen (staatliche) Zensur. Es ist hier überhaupt nicht einschlägig.

    Zu einer privaten PK kann man einladen, wen man will. Jeder Organisation geht es darum, eine bestimmte Wirkung zu erzielen, im Sinne des Zwecks der Organisation, Mittelakquise gehört dazu.

    Eine Story, die keine ist.

      1. Ihnen macht keiner etwas vor. Sie sind so staatstragend, dass Sie sogar das Recht am eigenen Bild von Wänden und Spaltenböden schützen möchten. Und die Bevölkerung vor unnötiger Aufregung. Da sind Sie noch lupenreiner als so manch anderer Demokrat.

    1. Thomas Müller, ein Verein der Gemeinnützigkeit erhalten hat, verliert ein Stück Privatheit. Er hat sich an grundrechtliche Regeln zu halten. Dazu gehört auch die Pressefreiheit. Er steht damit auf einer Stufe mit der AfD. Von ihm ist Zugang für die Presse und Journalisten zu fordern. Andernfalls ist ihm die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Ich wundere mich, warum der betroffene Verlag sich hier nicht stärker engagiert für seine Journalisten?

      1. Woraus leiten Sie Pflichten ab, dass eine Organisation, die unter bestimmten Aspekten von Gesetzes wegen gemeinnützig ist, deshalb noch „gemeinnütziger“ (nach Ihrem Verständnis) zu sein hat?

        Ist denn die Organisation „Land&Forst“ gemeinnützig? Darf sie überall rein, weil sie ein paar Schreiberlinge beschäftigt, die Textspalten um Werbeanzeigen füllen – oder ist der Umstand, dass Schreiberlinge Textspalten um Werbeanzeigen füllen, nur nicht Grund genug FÜR DEN STAAT, die Organisation zu verbieten oder Textspalten um Anzeigen zu schwärzen.

        Ein Schweinestall ist ja auch keine reine Privatsache, oder? Tiere sind keine (privaten) Sachen, ihr Schutz ist grundgesetzliches Staatsziel. Und landwirtschaftliche Betriebe erhalten Flächenprämien – um in die Ökologie der Flächen massiv einzugreifen durch Nährstoff- und Pestizideintrag. Und zwar zum großen Teil für die Produktion von Billigfleisch, das in den konsumierten Massen der Volksgesundheit und den Sozialsystemen schadet.

        Würde man Anreize schaffen, dass die Menschen weniger Fleisch in sich hineinstopfen, würden erst viele den Untergang der Freiheit beklagen und ein paar Wochen später alle froh sein. Wie beim Rauchen.

  2. Bedaure, Sie sind mit vielen Worten nicht auf mein Argument eingegangen, sondern haben mit vielen Worten ihre Botschaft an den Mann gebracht. Ich sprach im Übrigen nicht von einem Verbot des Tierschutzbüros, sondern von einem Verlust der Gemeinnützigkeit. Ihre Aussagen zeugen von einer Intoleranz, die mich abstößt, obwohl sie in Teilen nachvollziehbar sind.

    1. Entschuldigen Sie bitte, das mit den „Schreiberlingen“ meinte ich nicht so. Für Ihr „Argument“ (wohl eher: Gefühlsregung, ohne ein einzelnes Argument hinterherzuschieben) habe ich kein Argument gefunden und daher Sie danach gefragt. Der zweite Absatz sollte den Regelungsgehalt der Pressefreiheit verdeutlichen.

      Wenn Sie Redakteur sind, waren Sie dafür gerade argumentativ bedenklich schwachbrüstig unterwegs, auch staatsbürgerkundlich. Sorry, das musste jetzt sein, da bin ich in der Tat unduldsam.

      Dass Sie meine Aussagen als in Teilen nachvollziehbar bezeichnen, freut mich. Der Ton macht die Musik – das werde auch ich beherzigen. Vielleicht wir beide?

  3. Thomas, schade, Sie verwechseln Unduldsamkeit mit Intoleranz und Unhöflichkeit. Dies scheint das Gen zu sein, das Menschen innewohnt, die zu extremen Ansichten neigen und andere Ansichten nicht tolerieren wollen, ja befürchten, dass eigene Verhaltensweisen kritisiert werden könnten. Diese Befürchtungen hat scheins auch die Verantwortlichen des Tierschutzbüros gehegt und wohl daher dem betreffenden Redakteur den Zugang zur Pressekonferenz verwehrt. Als langjähriger Journalist werde ich da misstrauisch. Meinen Kollegen der Agrarpresse kann ich nur empfehlen, das Gebaren des Tierschutzbüros ins Visier zu nehmen.

    1. Jetzt möchten Sie mich in eine bestimmte Ecke stellen? Was für extreme Ansichten? Menschen auf Basis weniger Zeilen überlegte Ansichten abzusprechen und sie auf eine Art angeborenen Defekt zu reduzieren, ist natürlich überaus tolerant und gar nicht sektiererisch. Als langjähriger Journalist wissen Sie auch, dass so etwas insbesondere bei bereits angestachelter Leserschaft ein relativer click bait ist. Tun Sie, was Sie nicht lassen können, behaupten Sie irgendeine Rechtsansicht und machen den Überbringer der Nachricht schlecht, und gewinnen nebenbei den Pulitzerpreis.

    2. Herr Bonfig, kommt nichts mehr? Kein Argument? Das ist wohl so, wenn man schreibt, ohne ein Fach gelernt zu haben. Dann flattern nur so die Worthülsen. Aber andere extremer Ansichten bezichtigen, tsss….

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