Praktikernetzwerk- das zweite Treffen

Nach Schmidt folgt Julia Klöckner

In der letzten Woche fand das zweite Treffen des Praktikernetzwerks in Berlin statt. Das erste Treffen fand im Sommer letzten Jahres noch mit Christian Schmidt (CSU) im Landwirtschaftsministerium statt. Nun war dessen Nachfolgerin, Julia Klöckner von der CDU unsere Gastgeberin.

Frischer Wind in Berlin (Bauer Willi)

Im Bild ist Bauer Willi (Dr. Will Kremer-Schillings zu sehen. Im Vordergrund Bernhard Barkmann
Bauer Willi ist auch im Kreis des Praktikernetzwerkes des Bundeslandwirtschaftsministeriums

Bauer Willi bat mich, dessen Bericht zu teilen. Das möchte ich gerne tun, muss aber diesen hier kommentieren, weil ich in Teilen eine andere Meinung habe. Also zunächst Willis Bericht lesen, ansonsten versteht man meinen Kommentar nicht in Gänze:

Gruppenfoto mit dem Praktikernetzwerk im BMEL. Snapshot von bauerwilli.com
Snapshot von bauerwilli.com –> Für Willis Beitrag bitte klicken.

Mein Kommentar:

Ich teile die Einschätzung von Bauer Willi, dass im Bundeslandwirtschaftsministerium ein frischer Wind zu spüren war. Es war nun das zweite Treffen und ich spürte auch eine geringere Skepsis, eine größere Lockerheit der Bediensteten und Mitarbeiter des Hauses. Die Ministerialbeamten hatten bei diesem Treffn die Möglichkeit, sich mit den unterschiedlichsten Praktikern zu unterhalten, sich auszutauschen, sich rück zukoppeln mit ihrer wohl meist eher drögen Bürokratie. Alleine wegen dieses Begleitumstandes halte ich das Praktikernetzwerk für eine gute Sache!

Direktzahlungen abschaffen?

Genauso wie Willi und Moderator Dietrich Holler von Vox Viridis war ich auch etwas überrascht, dass die Mehrheit der anwesenden Praktiker sich nicht für die aktuelle Praxis der Direktzahlungen ausgesprochen haben. Das liegt vielleicht auch daran, dann dass die Bäuerinnen und Bauern des Praktikernetzwerkes zu den wirtschaftlich erfolgreicheren Vertretern des Berufstandes gehören und vielleicht auch mehr Mut zum Markt haben. Ich selber könnte auch auf die Zahlungen aus Brüssel verzichten. In den meisten Jahren zumindest. Denn wenn es bei mir im Betrieb gut läuft, dann wären die Direktzahlungen verzichtbar, weil wir zu Hause sehr intensive Landwirtschaft betreiben. Betriebe, die wirtschaftlich mehr zu kämpfen haben, sehen es bestimmt ganz anders!
Für diese Betriebe und eigentlich auch alle Betriebe in Jahren mit Preis-Misere auf den Märkten, sind die Direktzahlungen aktuell (leider) eine unverzichtbare Einkommensstütze. Das ist vielleicht auch der Grund, warum der Deutsche Bauernverband  (DBV) die Bedeutung der Direktzahlungen so betont.
Der DBV muss alle Betriebe im Blick haben! Alle Entscheidungen der Bundesregierung sollten eine sozio-ökonomische Folgenabschätzung beinhalten. Ich möchte nicht gut gemeinte Verordnungen, die dazu führen, dass dadurch Betriebe ihre Tore dicht machen!

extensive Landwirtschaft mit höherem Anteil an Subventionen

Generell ist es so, dass der Anteil am Betriebsgewinn der Direktzahlungen mit der Extensivierung der Landwirtschaft ansteigt- ein Umstand, den man nicht aus den Augen verlieren darf!

Praktikernetzwerk ist bunt & vielfältig

Und das hat das Treffen des Praktikernetzwerkes in Berlin auch gezeigt: Die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Betriebe ist riesig! Was in einer Gegend als probates Mittel gilt, funktioniert an anderer Stelle möglicherweise gar nicht!
Und so ist es auch mit der Forderung nach obligatorischer Flächenstilllegung ohne Pflanzenschutz und ohne Düngung- am besten mehrjährig!
Das mag sicherlich gut für Insekten und mehr sein, aber kann dazu führen, dass in Gebieten, in denen bereits ein Nährstoffüberschuss vorhanden ist, der Druck noch größer wird, der Pachtmarkt weiter steigt und so tendenziell kleinere Betriebe aus dem Markt gedrängt werden.
Wenn ich nun mein kleines Heimatdorf mit gut 1000 Einwohnern und knapp 30 Vollerwerbsbetriebe oder die Landkreise Emsland & Grafschaft Bentheim mit ca. 4000 Vollerwerbsbetrieben sehe, dann würde eine solche Vorgabe eine Menge an Kleinbauern die Existenz kosten!

Vorschriften müssen an regionalen Begebenheiten angepasst werden

Da müssen andere Lösungen her! Was im Rheinland gut funktionieren kann, kann schädlich für andere Regionen sein. In meiner Region ist es wohl eher eine Ausweitung der Blühstreifenprogramme und die Nutzung einer Blumenwiese für die Biogasanlage (mit erlaubter organischer Düngung!).

Greening-Koordinator?

Die Idee, ähnlich wie bei den Wasserschutzgebietsberatern einen regionalen Greening-Koordinator einzusetzen halte ich -wie Willi und andere Netzwerker- für eine grundsätzlich gute Sache. Nur müssen wir aufpassen, dass an dieser Stelle nicht ideologisch reingeredet wird. Dieser Koordinator wird nur dann Erfolg haben, wenn er/sie volles Vertrauen unter den Bauern genießt. Regieren Umweltverbände zu stark hinein, dann können wir uns diese Stellen von Vorhinein sparen!

Selbstverständnis des Bauern

Das hat mich bei Treffen in Berlin schon überrascht, dass nicht alle Anwesenden sich unbedingt als Erzeuger von Lebensmitteln sehen. Ich sehe mich ganz klar als Erzeuger von gutem Rind- und Schweinefleisch und ein bisschen Raps für die Ölmühle. Die Leistungen für Kulturlandschaft, die Natur und in der Dorfgemeinschaft sind für mich Nebenprodukte, aber natürlich auch wichtig.

Ich bin der Meinung, dass die deutsche (& europäische) Agrarpolitik das Ziel einer weitgehenden Eigenversorgung von Nahrungsmitteln verfolgen sollte! Dieses führt auch dazu, dass Arbeitsplätze im ländlichen Raum gehalten werden können. Auch das möchte ich unbedingt als Landwirt: starke ländliche Räume mit einer Wertschöpfung, die eine Landflucht auch sogar umkehren kann.
Und das funktioniert in meinen Augen nicht, wenn wir alles auf Naturschutz setzen. Da könnten bald auch Naturschutzexperten kommen und die Pflege der weit verbreiteten Naturschutzflächen in Frage zu stellen. Dann bräuchten wir nicht einmal mehr den Bauern, sondern nur noch den Grundbesitzer.
Und ob dieser Grundbesitzer nach 20 oder 30 Jahren Naturschutz auf dessen Flächen diese immer noch gut und teuer verpachten bzw. verkaufen kann, bezweifele ich auch mal an dieser Stelle.

Ja zum Vertragsnaturschutz

Um das noch einmal klar zu stellen: Ich bin für sinnvolle Naturschutzprojekte. Diese kann man häufig am Besten umsetzen, wenn man mit dem Bauern einen Vertrag macht. Aber die flächendeckende Nahrungsmittelerzeugung sollte ein wesentliches agrarpolitisches Ziel bleiben!


Tweet mit Gruppenfoto:

Ein paar Fotos von der Veranstaltung:

 

8 Gedanken zu „Praktikernetzwerk- das zweite Treffen

  1. Ich denke, dass es missverständlich rüber kam, was die 1. und 2. Säule angeht. Auch unser Betrieb braucht diese Zahlungen. Aber ich möchte Geld für Leistungen, die ich für die Gesellschaft erbringe, nicht eine pauschale Förderung. Diese Leistungen in der 2.Säule sollten aber freiwillig sein, so dass jeder Betrieb selbst entscheiden kann, was er davon nimmt. Ganz ohne werden wohl die meisten Betriebe nicht auskommen.

    1. Nun gut, Michael, mehr Freiwilligkeit ist gut.
      Die Leistungen für die Gesellschaft würde ich noch etwas mehr geklärt haben. Es wird heute ja oft so getan, als wenn wir mit unserer Landwirtschaft in Deutschland keine gesellschaftliche Leistung erbringen. Die Ausgleichszahlungen (Direktzahlungen) wurden ja eingeführt als Ausgleich für weniger Aussenschutz und höheren Mindeststandards als auf vielen Weltmärkten (z.B. Hormoneinsatz, grüne Gentechnik).
      Weiteres Problem der Politiker dürfte darin bestehen, dass auf den ganzen Prämien auch das Kontrollsystem mit Saktionen aufgebaut ist. Liegt der pauschale Hektarsatz im niedrigen Eurobereich, dann werde ich keinen Antrag mehr stellen und spare mir die Bürokratie. Stelle dann noch Schilder auf, dass ich subventionsfrei arbeite! Spass hätte ich noch an einem Label: „Ohne Subvention erzeugt“. 😉

  2. Hallo Bernhard, so weit auseinander sind unsere Ansichten nicht. Als Viehhalter wird die Fläche ja für Mist und Gülle benötigt und da würde Stillegung stören. Allerdings kann man das Entsorgungsproblem auch anders lösen. Export ins Rheinland zum Beispiel oder Abstockung der Bestände. Das hört nur keiner gern. Wie Michael sehe ich aber das generelle Problem, dass wir von Seiten der Landwirte etwas anbieten sollten, wenn wir die Zahlungen langfristig erhalten wollen. Also etwas weniger erste Säule und etwas mehr zweite Säule.

    1. Deswegen ist es ja gut, dass wir diskutieren und unsere Standpunkte darlegen können!
      von Entsorgung spreche ich allerdings ungerne, weil die Gülle & Gärreste hervorragende Dünger sind. Schade finde ich an dieser Stelle, dass den aufnehmenden Betrieben (die wir so dringend brauchen) die organischen Dünger über die Düngeverordnung madig gemacht werden. Da sagen sich z.Z. viele Ackerbauern, dass sie unter diesen Umständen lieber ausschließlich mit Kunstdünger arbeiten wollen.
      Aber da hast Du Recht: Der technische Fortschritt geht auch bei der Gülleaufbereitung wahnsinnig schnell voran. Da kann jemand mit der richtigen Idee richtig viel Geld verdienen. Entsprechend groß ist die aktuelle Forschung auf diesem Gebiet!

  3. Ja, die Düngeverordnung macht es für alle schwieriger. Trotzdem bekommen all unsere Zuckerrüben auch in diesem Jahr wieder Gärsubstrat.
    Als Ackerbauer höre ich aber das Wort „Kunstdünger“ nicht gerne. Wenn Du also demnächst von „Mineraldünger“ (so wie beim Mineralwasser) reden könntest, verzichte ich im Gegenzug auf den Begriff „Entsorgung“ 🙂

  4. Es ist ja sehr erfreulich ,daß der ökologische Gedanke immer mehr auf den Höfen ankommt.
    Nur beginnen jetzt schon wieder die Verteilungskämpfe um Förderung und Subventionen.
    Auch ein Betrieb wie Ihrer, Herr Barkmann ist ohne die Kreutz und Quersubventionierung m. E. nicht marktfähig.
    Jetzt geht es aber um die Frage ,wollen wir einer großen Anzahl von Höfen eine Teilhabe an der Nahrungsmittelproduktion ermöglichen oder die wachstumsstörenden Betriebe auf ein Nebengleis (Vertragsnaturschutz Nebenerwerb,Extensivierung Ferienhöfe etc.)stellen.
    Und können wir es uns leisten, ohne Degression weiter die Kannibalisierung der Höfe voranzutreiben.
    In der NOZ gibt es immer wieder Berichte über das Interesse junger Leute an der eigenen Bewirtschaftung eines Hofes.
    Wollen Sie überhaupt der Jugend Entwicklungschancen einräumen in der Nahrungsmittelproduktion?

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