„sozial auffällig“

Ein Gastbeitrag von Thomas Ostendorf

Landwirte sollten sozial auffällig sein!!

Thomas Ostendorf
Thomas Ostendorf

Wie jetzt ??

Dieser oben genannte Titel ist bis jetzt weder positiv noch negativ besetzt, sollte aber dennoch eine positive Note im Laufe dieses Blogs erhalten.
Die Landwirtschaft möchte wieder zurück in die Gesellschaft.
Die Landwirte ? Die Produkte ? Die Preise ?
Der Landwirt genießt laut Statistik ein Hohes Maß an Vertrauen.
Sein Handeln und seine Produktionsweise teilweise nicht. So wird es der Landwirtschaft von außen herangetragen und von einigen wenigen aus den eigenen Reihen auch immer mal wieder bestätigt. Befeuert werden dann diese Umstände von einseitiger Informationspolitik der landwirtschaftsfernen NGO`s, die dann an dieser Stelle die Meinungshoheit erlangen und den Diskurs maßgeblich bestimmen.

IMAGE macht man sich nicht! es wird einem gegeben.

Das heißt also: durch Ihr Handeln, Ihr Tun, Ihre Dialogbereitschaft, und Ihre soziale Auffälligkeit, könnte dies auf den Weg gebracht werden.
Der Landwirt ist hier der Botschafter nicht die Verbände.

Also:

Sozial → gemeinschaftlich, Teil von etwas
Auffällig → wahrnehmbar

Das heißt nicht mit der blank polierten Blechkarawane vor das nächst Beste Landesparlament zu ziehen um die Fahnen zu schwenken. Das ist nicht gemeint mit: “In der Mitte der Gesellschaft“.
Wenn man dort wieder hin zurück will, sollte man sich als erstes dort wieder hinbegeben und sich nicht hinter Ackerbau und Viehzucht verstecken.
Vor Ort heißt sich einbringen in Ehrenämter verschiedenster Gruppierungen.
Das kann die Politik ( Räte, sachkundige Bürger ), das Amt im Sportverein oder Pfarrgemeinderat sein. Auch sowas kann einen persönlich bereichern und das Gespräch dorthin zurück bringen wo es hin sollte und nicht an die Agrarstammtische dieser Republik.
Das kostet natürlich Zeit, Engagement und den Mut sich auch mal einen nicht so netten Kommentar einzufangen. Zu Hause sitzen ist aber keine Alternative und den Stall erst um 20 Uhr zur Tagesschau zu verlassen auch nicht um dann zu sagen man hätte keine Zeit.
Auch die sozialen Medien bieten den daheim gebliebenen eine Möglichkeit „auffällig“ zu werden. Hierzu bedarf es entsprechender Technik, Akku und Netz.
Sich in Diskussionen einzubringen gibt es im www. genug Gelegenheiten. Agrarnetzwerke bieten hier Unterstützung und Rückhalt. (z.B. FDL, MTH aufgedeckt)
Eine eigene Homepage des Betriebes kann hier ein Anfang sein um eine digitale Visitenkarte zu haben. Eine in Papierform sollte heute Standard sein um sich seinem Gegenüber näher zu bringen.
Ereignisse vor Ort z.B. Messen, Gewerbeschauen, Mühlentage, kirchliche Veranstaltungen sollten stetig genutzt werden um mit der Gesellschaft ins Gespräch zu kommen und seine Sicht der Dinge zu schildern aber auch um zu zuhören.
Viele dieser aufgezählten Dinge passieren schon, müssen aber auch vor allem stetig betrieben werden und nicht nur zum Tag des offenen Hofes. Jeder Einzelne ist hier in der Pflicht, damit dann die Gesamtheit der Landwirtschaft Sozial auffällig wird.

3 Gedanken zu „„sozial auffällig“

  1. Sehr schön geschrieben.Wichtig ist, das jeder einzelne Landwirt das für sich als Pflichtaufgabe begreift und nicht glaubt, man könne sich mit irgendwelchen Beiträgen an irgendwelche Institutionen „freikaufen“ vom Selber tun.

  2. Ich gehöre zu den sehr kritischen Menschen, die in der Regel nicht dem Mainstream folgen. Das war schon in meiner Jugendzeit so. Ohrringe, lange Haare, dann wieder Glatze, Motorräder, Partys, aus der Kirche ausgetreten, in keinem Verein. Als Bauernbub vom Dorf, war ich damals eher ein Exot. Trotzdem konnte ich oder kann ich, gut mit Leuten umgehen, gut reden, Argumente unter die Leute bringen. Auf allen möglichen Veranstaltungen, habe ich meine Meinung zu unterschiedlichen Themen zum Ausdruck gebracht. Oftmals wurden mir für Leserbriefe halbe Seiten oder mehr gewährt. Und ich habe kein Blatt vor den Mund genommen!!! Als mich dann eines Tages eine kleinere Partei für den Kreistag zum „Liste auffüllen“ ansprach, habe ich niemals damit gerechnet, in den Kreistag zu kommen. Bei einer Versammlung zur Aufstellung der Kandidaten, haben sich damals „die Neuen“ mit einer kleinen Ansprache vorgestellt und ehe ich mich versah, landete ich auf Platz zwei der Liste. Bei der Kreistagswahl selber, habe ich dann den Kreisvorsitzenden der Partei aus seinem Amt gekegelt und bin mit sehr vielen Stimmen in den Kreistag gewählt worden. Beim ersten Anruf der Presse dachte ich, da möchte mich jemand verarschen und habe aufgelegt. Handys und Computer gab es damals noch kaum. Erst als dann jemand mit Kamera und Notizblock vor dem Hoftor stand, habe ich gewusst, dass es stimmt. Und so saß ich dann 12 Jahre im Kreistag. 12 Jahre die sehr viel Zeit kosteten, aber auch die Möglichkeit boten, so manche Dinge in andere Bahnen zu lenken.
    Angeeckt bin ich sehr oft, verbal, auf Podiumsdiskussionen, über die Presse, über Anträge im Kreistag und sehr oft auch über das Fernsehen. Aber es hat sich gelohnt, es konnten viele Leute überzeugt werden, die Gesellschaft hat sich verändert. Unser Bauernhof hat sich zum Unternehmen gewandelt und irgendwann wurde die Zeit für die Kommunalpolitik immer knapper. Eine dritte Amtsperiode und die Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters, habe ich aus betrieblichen Gründen ausgeschlagen. Wenn die Gemeinde meinen Rat braucht, helfe ich selbstverständlich gerne aus. Zur Zeit in der Arbeitsgruppe Energie. Ich bin seit 40 Jahren Biolandwirt, ein Streiter für die erneuerbaren Energien und vieles mehr. Meine drei Kinder sind ebenfalls kritisch, aber doch angepasster als ich und sehr erfolgsorientiert. Mein Fazit: man muss nicht ein angepasster Mitläufer der Masse sein, um auch in der Gesellschaft gut anzukommen und respektiert zu werden !!!

    1. Das muss ich relativieren. Als früher Streiter für das grüne Staatssystem Erneuerbare, gegen Gentechnik und für Bio, da hat man die Medien auf seiner Seite. Das ist doch keine Kunst.
      Es geht hier doch eher um normale Landwirte, die das erzeugen, was die Masse kauft, aber wofür keiner zu viel Geld bezahlen will. Da muss man schon etwas mutiger sein.

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