miese Stimmung wegen Bauernregeln

Der ein oder andere hat nach dem Beginn der umstrittenen Bauernregel-Kampagne durch das Umweltministerium auch von mir das ein oder andere Wort hier im Blog erwartet. Was denke ich zu dem Treiben (oder soll ich besser Treibjagd sagen?) das die Umweltministerin Hendricks gegen die deutschen Landwirte los getreten hat?

Ich bin ehrlich und muss feststellen, dass mir die passenden Worte immer noch nicht kommen mögen. Innerlich bin ich sehr tief getroffen. Habe mir nicht vorstellen können, dass staatlich finanzierte Kampagnen aus deutschen Ministerien gegen kleine Bevölkerungsgruppen bzw. Minderheiten gestartet werden könnten.

Nach dem Tiefschlag durch den Erzbischof von Berlin, ist das schon die zweite Profilierung auf Kosten der vielen Bauern in Deutschland in kürzester Zeit. Von NGOs bin ich so etwas gewohnt. Für viele NGOs ist es in den vergangenen Jahren zum Volkssport geworden, irgendwelche Kampagnen, die auf Halbwahrheiten und Pauschalurteilen gebaut waren, gegen die industrialisierte Landwirtschaft bzw. Massentierhaltung vorzugehen. Mit Erfolg, denn zumindest die Spendeneingänge haben (auf den Kontoauszügen der NGOs) positives bewirkt. Dass die Kampfbegriffe der Massentierhaltung und Agrarindustrie nicht näher definiert werden ist da nebensächlich, denn auf Nachfrage wird ja immer das „System“ gemeint. Getroffen werden aber in aller Regel die eher kleinen, bäuerlichen Familienbetriebe- und jetzt aktuell mit der Hendicks-Kampagne explizit auch unsere Kinder.

Das Umweltministerium beschwichtig. Wir Landwirte sollen nicht so jammern, das Umweltministerium setzte sich doch FÜR die Belange der (noch) vielen Landwirte ein. Ein Systemwechsel solle her, der einzelne Bauer sei natürlich nicht gemeint.

Also lässt sich wiederholt feststellen: Viele Kritiker der Landwirtschaft, wie sie heute in vielfältigster Weise vorzufinden ist, meinen es zumindest gut. Bewirken aber oft genau das Gegenteil!

Ich habe in der letzten Woche drei Vorträge vor Landwirten halten dürfen und dort eindringlich dafür geworben, dass diese sich und ihre Höfe für interessierte Bevölkerungsgruppen öffnen. Ich selber habe bisher immer versucht mit möglichst gutem Beispiel voran zu gehen und habe selber Dialog angeboten. Über einige Aktionen habe ich auch hier im Blog berichtet.

Im Moment verspüre ich keine Lust mehr, mich in irgendeiner Weise mit Kritikern zu treffen. Wenn das das Niveau sein soll, mit dem wir den künftigen Weg in der Landwirtschaft ausfechten wollen, dann hat das für mich keinen Sinn mehr. Dann bin ich Unternehmer genug und stelle fest, dass offensichtlich kein Interesse mehr an einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft mehr besteht bzw. kaum noch eine relevante Partei (Ausnahme ist hier die FDP, die ich als CDU-Mitglied ausdrücklich loben will) oder Bevölkerungsgruppe in aller Deutlichkeit sich für die Landwirte Position beziehen wollen. Wie kann man letztlich die Quasi-Abwicklung der Landwirtschaft fordern und gleichzeitig glauben, dass die Landwirte das gut finden?

Dann wird es wohl so sein, dass ich der letzte aus meiner Familie bin, der noch aktiv auf unserer Hofstelle Landwirtschaft betreibt. Dann wird nach knapp 500 Jahren Schluss sein und mein Sohn, der bisher noch wirklich großes Interesse an der Landwirtschaft hat, kann sich einen deutlich stressfreieren Beruf aussuchen. Ein Gedanke, der mir die Tränen in die Augen treibt, aber der vielleicht best mögliche Schritt für uns ist.

Seit fast 500 Jahren bewirtschaften Barkmanns die Hofstelle in Messingen Brümsel. Aktuell sind es Anni, Bernhard Senior, Bernhard Junior und bald vielleicht Elias. Foto: Christiane Adam (NOZ)

Dann ist unser Betrieb ein Auslaufmodell und größere Investitionen werden einfach nicht mehr getätigt. Vertrauensschutz ist sowieso etwas, was die handelnde Politik nicht mehr kennt.

Mit welcher Häme und moralischer Selbsterhöhung das Umweltministerium auf die umfangreiche Kritik reagiert hat, macht mich fassungslos. Susanne Günther hat das dankenswerter Weise sehr gut zusammengefasst. Wer mit diesem Tonfall eine ganze Berufsgruppe an den Pranger stellt, sollte eigentlich den Hut nehmen. Für mich ist die Ministerin Hendricks nicht mehr tragbar. Wie kann man den Populismus von Trump, die diskriminierende Haltung von Erdogan beklagen und gleichzeitig im Inland so diffamierend über die Landwirte herziehen und sie an den Pranger stellen?

Mein Fazit: Ich bin erst mal raus. Kein Dialog mehr mit Leuten und Gruppierungen, die diesen Stil in irgendeiner Weise tolerieren oder gut heißen. Das ist vielleicht auch ein gewisser Selbstschutz für mich, aber es kann nicht sein, dass man mit Dreck und Steinen wirft und danach fehlende Dialogbereitschaft beklagt.

Einige haben es vielleicht festgestellt: Ein neues Theme habe ich installieren lassen (Danke Werner, Website: Homepage Optimierung!), jetzt bin ich für mobile Endgeräte besser zu lesen. Zwar habe ich momentan überhaupt keinen Bock auf die Bloggerei, aber wahrscheinlich werde ich bald wieder mehr Mut fassen und mit besserer Stimmung weiter machen. Vielleicht.

Es gibt bereits sehr viele Kommentare, Blogposts und Videos zu dieser „Bauernregeln“-Kampagne. Dieser Kommentar spricht mir sehr aus der Seele:

Vielen Dank, Michi Reber!

Auch diesen Blogpost von Rainer Winter möchte ich an dieser Stelle empfehlen:

Hendricks verkündet neue „Bauernregeln“ für eine Landwirtschaft mit Zukunft – ohne an die Bauern zu denken

6 Gedanken zu „miese Stimmung wegen Bauernregeln

  1. Lieber Bernhard,
    Man merkt, dass es Dir an die Nieren geht – so wie mir.
    Aber irgendwie muss es weiter gehen. Ich kann einfach nicht glauben, dass man uns Bauern einfach so opfert! Nicht wegen so einer (wirklich schmerzhaften!) Aktion.
    Etwas Luft holen! Und vielleicht sollten wir nächste auf dem Bloggertreffen auch mal darüber sprechen, wie es weiter gehen kann!

  2. Lieber Bernhard,
    deine Reaktion ist nachvollziehbar. Deine Aktivitäten im Dialog mit Leuten von außen oder Kritikern waren in der Vergangenheit vielfältig. Zum Glück auch deine Aktivitäten nach innen. Ich denke du hast genug getan, um dich auch mal in so einer Situation etwas zu schonen und auf die vielefältigen und anhaltenden Reaktionen der Kollegen zu setzen, die auch von dir inspriert wurden, sich stärker in den Dialog einzubringen. Ich bin mir sicher, dass deine Leidenschaft für den Beruf dir die Kraft geben wird, wieder „in den Ring zu steiegen“.
    LG
    Kai

  3. Lieber Bernhard
    Ich kann dich voll und ganz verstehen. Ich lebe im Speckgürtel einer recht grossen Deutschen Stadt in der die Grünen ca. 15 Prozent erhalten. In meinem Dorf kommen nun mehr und mehr diese ach-so-klugen“ Leute gezogen, die mit ihren schon vorher festehenden Meinungen noch meinen Hof begucken wollen. Viellleicht verhalte ich mich da falsch, das ich das ablehne, aber warum soll grade ICH versuchen zu erklären das man mit 100 Kühen kaum noch existieren kann,wenn in deren Bewusstsein doch auch 25 Kühe ausreichen sollten. Ich habe keine Lust denen hinterherzubetteln meine Produkte zu kaufen oder mit der Angst zu leben, das man vielleicht ein krankes Kalb im Stall hat oder eine humpelnde Kuh, weil DAS ist doch, was solche Menschen sehen wollen und mit nach Hause nehmen. Wenn das TV das dann noch bestätigt, KANN man als Landwirt nur verlieren. Auch mich macht es traurig zu wissen, das der Hof in ca. 15 Jahren am Ende ist. Dann sind die Gebäude bezahlt, die Schulden getilgt und man kann beim Verkauf noch hoffe, das da noch vllt ein paar Wohnungen übrigbleiben oder ein kleines Häuschen in der Umgebung in der man aufgewachsen ist.

    Hoffentlich werde ich dann nicht so, wie der grosse Rest der Bevölkerung und vergesse NIE mein Wurzeln

  4. „Harmlose Sprüche beschreiben unbestreitbare Probleme“ schreibt dieser Mann von der FAZ. Was hätte dieser Journalist wohl zu ähnlichen Sprüchen über Medien geschrieben (und da gibt es einiges zu kritisieren) ? Allein wer kein Problem mit Wahlkampfhilfe und Steuerverschwendung hat, ist als Diskussionspartner bei mir durch. Ich wußte nicht, dass die Wirtschaftsabteilung der FAZ so wenig drauf hat.

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