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Das Huhn legt sein Ei auf dem Balkon, die Kartoffel wächst im Stadtpark: Lebensräume wieder lebenswert gestalten!

Alexandrowka Potsdam
Deutschland’s Lebensräume zurückerobern – packen wir es an! ALLE!

Beim Fernsehmagazin Frontal21 und damit dem Mutterschiff  #ZDF des Formats macht man sich augenscheinlich Sorgen. Große Sorgen. Es geht um nichts Geringeres als die sich dramatisch verschlimmernde Lage für Vögel, Insekten, Pflanzen und – ja, ganze Lebensräume! Um ein breites Publikum aufzurütteln, sendet #Frontal21 daher am 10. Oktober um 21 Uhr einen Beitrag zum Thema.

Bei der Ursachenforschung landete die Redaktion beim BUND für Umwelt und Naturschutz. Nun basiert die Daseinsberechtigung dieser Nichtregierungsorganisation (NGO) auf einer kaputten Natur. Je schlimmer die Lage von Flora und Fauna, desto flotter rollt der Spendenrubel. Da verwundert es wenig, wenn die üblichen Sündenböcke wieder hervorgekramt werden: Die Agrochemie und die Industrielle Tierhaltung seien ein wesentlicher Grund, so die erdverbundenen Umweltexperten aus Berlin-Mitte.

Leider sind Redaktion und NGO die Tatsache entgangen, dass das Leben kein Schwarz-Weiß trägt. Es ist komplex. Ich habe mir daher bei Facebook erlaubt, die Redaktion in einem Post darauf darauf hinzuweisen. Dabei habe ich mich um einen konstruktiven Ansatz bemüht:

Lebensräume können zurückholt werden, werte Redaktion. Ganz einfach: Die Landwirte stellen alle auf Bio um, im Ackerbau und in der Nutztierhaltung. Das wäre zwar mit beträchtlichen Mindererträgen verbunden (im Ackerbau rechnet man mit einem Minus von 30 bis 50 %), aber, hej, ist ja nur Essen, das wächst allemal im Supermarkt. Oder im Ausland. Null Problemo.

Beton zu Naturlandschaft!

Dann renaturieren wir richtig viel. Ihr wisst schon. Ein Teil des Ackerlandes (merke: Essen wächst im Supermarkt) wird in hübsch anzuschauende Natur umgewandelt, auch Massentierhaltungsställe werden vom Erdboden getilgt. Von Natur wird man zwar nicht satt, aber das spielt keine Rolle, denn: Essen wächst im Supermarkt!

Dann hören wir ab sofort auf, täglich 60 Hektar und mehr für EUCH alle da draußen umzuwandeln. Ich glaube, ich erwähne es besser kurz, da viele Menschen dermaßen weit von der Landwirtschaft entfernt sind, dass sie gar nicht wissen, WO sie leben, Auto fahren und ihre Ikea-Möbel auf der grünen Wiese shoppen. Oder WO viele ihre Penunsen verdienen: auf ehemaligem Ackerland. Ja, so ist es. Jeden Tag werden etwa 84 fußballfeldgroße Flächen der Lebensmittelerzeugung entzogen – zum Wohle der Allgemeinheit. Weil: Essen wächst ja im Supermarkt. Oder im Ausland. Oder?

Lebensraumzerstörer an die Arbeit – ALLE!

So, jetzt haben wir die bösen, lebensraumzerstörenden, konventionellen Landwirte abgearbeitet und wenden uns Euch zu, die Ihr in urbanen Milieus wohnt. Ihr seid nämlich gewaltige Lebensraumzerstörer. Daher leistet auch Ihr aus Gründen der Fairness Euren Teil:

Zuerst wird ein beträchtlicher Teil des von Euch genutzten ehemaligen Ackerlandes seiner ursprünglichen Bestimmung zurück übergeben. Ihr zieht in die Städte. Könnte etwas eng werden, aber wir ALLE sind gefordert.

Ihr glaubt zwar, Euer Essen wächst im Supermarkt. Aber ich verrate Euch ein Geheimnis: Dem ist nicht so! Und wenn Ihr Bio wollt, keine Pestizide und keine Massentierhaltung, und das KONSEQUENT nicht wollt, dann kommt Euer Essen auch NICHT aus dem Ausland.

Urban Gardening will NOT be just for fun!

WIE Euer Essen wächst, das werdet Ihr neu erlernen (müssen), denn Ihr baut zukünftig einen Teil selber an. Das geht nicht anders. Wo? In den Parks und auf sonstigen Grünflächen in Euren Städten. Auch Nutztiere lassen sich in der Stadt halten. Ein Blick zurück in die gute alte Zeit belegt dies. Für Schweine und Kühe findet sich immer ein Plätzchen im Hinterhof, Hühner fühlen sich auch auf dem Balkon wohl (aber nicht im Käfig, das versteht sich ja von selbst).

Parks und Grünflächen sind überflüssig. Ihr werdet keine Zeit mehr für’s Flanieren erübrigen können, die Lebensmittelerzeugung neben dem Bürojob ist zeitintensiv. Eure Wauwis braucht Ihr demnächst auch nicht mehr Gassi führen. Warum? Die werden verboten. Genauso wie Eure Katzen.

Warum? Habt Ihr einen blassen Schimmer, was Eure Lieblinge fressen und WO das Futter herkommt? Und vor allem welche Mengen zusammen kommen? Keine Massentierhaltung, kein Fressi. Keine mit Gas getöteten Küken (NEIN, die Puschels werden in Deutschland NICHT geschreddert!), kein Fressi. Ganz einfach.

Lebensraumzerstörung für einen guten Zweck!

EIN Lebensraum bedarf allerdings dringend der Zerstörung, will man dem verlinkten Kress-Artikel Glauben schenken: das journalistische Biotop.

Werte Frontal21-Redaktion, Ihr kündigt im Teaser das übliche Hau-die-Landwirtschaft an. Das hatten wir in den letzten Jahren wirklich bis zum Erbrechen. Geht es auch differenziert?

Landwirtschaft ohne Tierhaltung?

Vor dem Hintergrund medialer Skandale findet die Forderung von Gruppierungen wie PeTA etc. immer mehr Anhänger, dass die Menschheit komplett auf jegliche Nutzung und Haltung von Tieren verzichten sollte und sich komplett vegan ernähren sollte.

Kann eine Landwirtschaft, die ausschließlich auf der pflanzlichen Produktion beruht, funktionieren?

Ein Grundsatz im Pflanzenbau ist, dass man durch die Ernte der Früchte Nährstoffe, die die Pflanze aufgenommen hat (i.d.R. aus dem Boden), von der Fläche entfernt. Dadurch entsteht ein Defizit an Nährstoffe, die in der nächsten Anbauperiode fehlen. Wird dieses Defizit nicht wieder durch Nährstoffzufuhren egal welcher Art ausgeglichen, betreibt man Raubbau am Boden und wird den Boden innerhalb weniger Jahre auslaugen.

Stickstoff alleine ist nicht genug

Ein häufige, angeführte, vermeintliche Lösung: „Es gibt doch Pflanzen, die Nährstoffe aus der Luft aufnehmen können.“ Das ist so teilweise korrekt. Diese Pflanzen nennt man Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Klee, Luzerne etc.), deren Wurzeln mit Bakterien besiedelt sind, die Stickstoff aus der Luft aufnehmen können. Doch Pflanzen benötigen neben Stickstoff noch viele weitere Nährstoffe. Gerade Leguminosen benötigen für eine effiziente Stickstoffaufnahme aus der Luft Nährstoffe wie Kalium, Magnesium und Schwefel, die wiederum nur aus dem Boden aufgenommen werden können. Außerdem sind viele Leguminosen nur für Tiere bekömmlich.

Was ist mit Klärschlamm?

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Anton Hofreiter oder: Wenn grüne Unschärfen beim Thema Intensivtierhaltung Tradition haben

Geht es um die Intensivtierhaltung oder allgemein die konventionelle Landwirtschaft, sind die Grünen schnell mit Vorwürfen zur Hand – selten sachlich, selten fachlich kompetent, viel zu oft faktenbefreit. Geschossen wird in Berlin genauso wie in Hannover, Düsseldorf und im Rest der Republik – aber inhaltlich selten richtig scharf.

Traditionen wollen gewahrt sein, hat Anton Hofreiter wohl gedacht – und in seinem Facebook-Account heute die üblichen grünen Unschärfen zum Thema serviert.

Klimawandel

Als da wäre der Klimawandel. Ich bin wahrlich keine Klimaexpertin. Anton Hofreiter allerdings auch nicht. Was den Vorsitzenden der grünen Bundestagsfraktion nicht daran hindert, zu klagen:

„Fast ein Drittel der weltweiten Treibhausgase stammen aus der Landwirtschaft. Besonders klimaschädlich ist die industrielle Massentierhaltung.“

Ich habe ihn (bzw. Team/Toni) bei Facebook einige Male nach Belegen für die Behauptung gefragt. Keine Antwort. Was mich selbstverständlich nicht gewundert hat. Bis auf wenige lobenswerte Ausnahmen erhält man nämlich keine grünen Antworten.

Was den Klimawandel betrifft, so ist dieses Thema eine ungemein komplexe Materie. Persönlich ziehe ich es daher vor, mich ihr nur auf Zehenspitzen zu nähern, indem ich den IPCC zitiere. In die Berichte des Weltklimarates der Vereinten Nationen fließt die Expertise fast aller namhafter Klimawissenschaftler des Globus ein. Anton Hofreiter oder: Wenn grüne Unschärfen beim Thema Intensivtierhaltung Tradition haben weiterlesen

Verbraucherumfrage

Fünf Verbraucher wurden in Waiblingen, der Kreisstadt des Rems-Murr-Kreises in Baden-Würtemberg, über ihr Einkaufsverhalten befragt. Alle bevorzugen ortsansässige Metzger und Bioläden. „Die Waiblinger stehen geeint für Biofleisch ein […]“
Donnerwetter- dort haben wohl herkömmliche Lebensmittelketten keine Chance, oder?

aus der Waiblinger Kreiszeitung vom 1. April 2016
aus der Waiblinger Kreiszeitung vom 1. April 2016

Während in und um Waiblingen die Verbraucher bewusst auf Bio und Metzgerhandwerk zurückgreifen, sieht der Bio-Markt deutschlandweit folgendermaßen aus:

bioanteile_am_gesamtmarkt

Wie gut ist BILD wirklich?

In der Vergangenen Woche gab es unter den Bauern große Aufregung, weil die BILD-Zeitung einen grottenschlechten Artikel zu der frage „Wie gut ist Bio wirklich“ veröffentlichte. Auf BlogAgrar war dazu bisher nichts zu lesen. Jetzt hat BILDblog.de die Umstände zum Artikel noch einmal aufbereitet:

bildblog_wiegutistbiowirklich

Bauernverband_SH_logoDer Bauernverband Schleswig-Holstein hat sich sehr intensiv um diese Sache „gekümmert“. Hier noch einmal alle Facebookposts in chronologischer Reihenfolge:

 

Alles bio und gut?

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 18. der kleinen Serie:

2.13 Die Ökologie beißt sich bei einzelnen Thesen in den Schwanz

Moderne Nutztierrassen nutzen das Futter optimal, d.h. aus wenig Futter wird viel Fleisch. Das ist ökologisch und nicht alte Rassen, die viel Fressen und wenig Eier liefern oder Fleisch ansetzen.

So wie die Hühner an Menschen gewöhnt sind, so reagieren sie auch.

(Quelle: Wikipedia)
(Quelle: Wikipedia)

Auf dem DEMETER-Hofgut in Darmstadt kosten die Eier auch 50 Cents, auch von vorbildlichen „Hühnermobilen“ und viele Besucher gewöhnt, wie früher die überall herumkackenden Hofhühner.

Zu Ostern gibt es deswegen so viele Eier, weil ein Großteil der Eier in Aufschlagwerke geht für die Großabnehmer, nur zu Ostern eben nicht.

Ich würde mal behaupten, das Durchschnitts-Konvifutter aus den Werken ist besser als was die Biotiere zu fressen bekommen. Auch bei Bio geht 60% des Getreides ins Futter. Vieles davon würde kein Kraftfutterwerk kaufen.

Deutsche Professoren scheinen inzwischen zu glauben, wenn man das Angebot verändert, ziehen die Kunden nach. Ansprüche, Reden und Verhalten sind zweierlei. Ansprüche hat man gern – an andere. Wer „gesellschaftlich akzeptiert“ als Produktionsvoraussetzung einführen will, wird demokratische Prozesse durch Räteentscheidungen ersetzen. Es kommt zum Terror praxisfernen Labertaschen, die sich für die Gesellschaft halten. Unsere Marktwirtschaft klappt hervorragend, entfaltet größten Nutzen für alle, für das Gemeinwohl, wenn jeder Bereich seine Freiheit und seine Regeln hat, seine Erfolge einstecken kann: Die Bauern die ihren, die Verarbeiter die ihren und auch der ganze Handelsbereich vor und hinter der Produktion die seinen. Die Rahmenbedingungen setzt der Gesetzgeber und alle halten sich daran, respektieren das. Das ist heute demokratisch legitimiert, das wird im Prinzip noch respektiert. Keiner mischt sich zu sehr in die Arbeit des anderen Bereiches ein, wenn es für den eigenen Bereich nicht nötig ist. Wie die Tiere gehalten werden, war Sache der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Bauern, nicht der Verarbeiter oder des Handels. Eine Molkerei hält keine Kühe, will nur beste Milch, eine Schlachterei hält keine Schweine, versteht auch nicht unbedingt viel davon, und der Handel schon gar nicht.

Der Rausch an neuen „Weltverbesserungsinstrumenten“ zur „moralischen Reformation“ des Clusters kann schnell verfliegen. Man sollte sich schon überlegen, sich bewusst sein, was man in Bewegung setzt, wohin das auch führen könnte, wenn andere hier an die medialen Ruder kommen und das propagandistisch nutzen („Planziele nicht erreicht“ etc.). Wenn jetzt jeder über alles mitbestimmen und sich einmischen will, und womöglich über einen „Ethikrat“, oder wie immer man das nennen will, so wird das nach allen Erfahrungen mit der Soziologie eher in eine „Herrschaft der Labertaschen“ (a‘ la „Welt-Agrarbericht“) hinauslaufen, denn in eine ethische Reform des Bereiches. Es wird die Wettbewerbsfähigkeit des extrem erfolgreichen Clusters, nach meiner Erfahrung mit Menschen und Moden, eher lähmen statt beleben. Wer weiß dann denn noch, was kommt, auf was Verlass ist? Man sollte sich auch überlegen, was als nächster Bereich unter diese „Betreuung“ kommt, ethische Preise, ethischer Handel, ethische Arbeitsbedingungen, ethische „Regionalität“, ethische „Klimabilanzen“, ethische Presse? Es ist absolut sinnvoll und richtig, prinzipiell in Gedanken und Praxis an der bisherigen, demokratisch legitimierten Arbeitsteilung festzuhalten! Bei undemokratischen „Räteelementen“ ist sehr aufzupassen, was das wird, das ist streng auf einen speziellen „informellen Nutzen“ zu beschränken. Alles andere wäre gegen unser Wirtschaftssystem, wäre ja so was wie ein Gutgläubigen-Kartell. Wir schreiben Euch vor, wie das zu machen ist!


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Die Rolle des Umweltbundesamtes (UBA)

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist 12. Teil der kleinen Serie:

2.07 Umweltlügenamt oder Wahrheitsbehörde?

Das Umweltbundesamt soll des „Ökosektierertum unverdächtig“ sein?

 „Selbst das jeder Art von Ökosektierertum unverdächtige Umweltbundesamt“ ZITAT FAZ

logumweltbundesamt_logo_ubaDas UBA ist eher die Zentrale des Ökosektierertums!1 Mit ihrer raffiniert irreführenden Informationspolitik verdient sich das UBA eher den Titel „Umweltlügenamt“ oder sarkastischer (aus der ZEIT!) „Wahrheitsamt2. Wenn man die Ernährung der Hälfte der Weltbevölkerung unter „Stickstoffbelastung“ summiert, so müsste man diesen Ungeist eher in Berliner, Moskauer oder Pekinger Planungsbüros vergangener Zeiten als in einem Ökobürohaus in Dessau verorten. Es geht hier um Menschen! Natürliche, lebensnotwenige Kreisläufe, wie bei der Nahrung, darf man nicht mit Wohlstandssackgassen, wie bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, vermengen.

Unsere Flüsse und Seen werden immer sauberer, alte Arten kommen zurück. Aber die, die früher an das unausweichliche Waldsterben glaubten, hatten schon immer eine Schwäche für Weltuntergangs-Sündenpredigten und ihre Heilsverkünder:

„Wenn die Münz im Biokasten klingt, die Ökoseel aus dem Umwelt-Fegefeuer springt“.

Wer lebt weiter auf 100qm Wohnfläche mit Garten auf bester Ackerbodenqualität, kassiert ein Wohlstandsgehalt, fährt Auto, fliegt erleichtert in den Urlaub – aber will anderen eine Umweltmoral mit Verzicht predigen? Verhaltensökonomen nennen das heute „Moral Licensing“3. Wer 1980 nicht an das unausweichliche Waldsterben glaubte, wurde moralisch auf die Stufe der Holocaustleugner gestellt. Wir müssen gut sein, zumindest diesen Anschein in der Twitter-Welt des Anscheins und der Selbstdarstellung erwecken, und wenn wir den eigenen Verstand dafür anpassen müssen.

ZITAT aus der ZEIT:„Wie in einem perfekt passenden Schuh, den wir kaum spüren, sitzen wir auf diese Weise in den Weltbildern unserer Zeit fest, deren Borniertheit erst spätere Generationen ganz ermessen werden.“ ZITAT ENDE4

Nun stelle sich mal einer hin und sage, Bio führt in eine Gängelungs-Diktatur von weltfremden Theoretikern statt zur Weltrettung! Wenn der Jungbauer in der Disco sagt, er wäre Biobauer, mit Pferd, hat er mehr Chancen auf eine vergnügliche Nacht. Danach richtet sich das schon, wenn überzeugt wurde.

4 ZEIT 36/15 Seite 39 Artikel von Iris Radisch – auch wenn Frau Radisch sicher ganz andere mit „Borniertheit“ meinte als ich.


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Tendenz zur ökologischen Bevormundung

In der FAZ vom 1.Oktober 2015 erschienen acht Artikel über Landwirtschaft und Ernährung. Georg Keckl macht sich ein paar Gedanken zu den Berichten und Artikeln. Dieses ist elfte Teil der kleinen Serie:

2.06 Soll sich das Angebot nach den Verbrauchern richten oder nach grünen Plänen?

Wenn Herr Bauck sagt:

Die Bauern könnten die Welt nicht verändern, das müsse die Gesellschaft schon selbst tun“,

so ist das für einen Biobetrieb toll und völlig richtig, nur so soll er das mal seinen Verbänden und den ökobewegten Menschen verraten, die zu den Bauckhöfen pilgern. Nach der Pleite mit dem „Veggieday“ gilt jetzt noch mehr als vorher für die Ökoavantgrade: wir müssen das Angebot verändern, reglementieren, preislich steuern, dann kaufen und essen die Kunden schon, was wir für geboten halten. Das ist das totalitäre Erbe von Außen links und Außen rechts dieser Bewegung, die kam ja nicht wie das Teufelchen aus der Schachtel.

Parteitagsbeschluss: Veggie-Day ist den Grünen ab sofort "herzlich egal"
Parteitagsbeschluss: Veggie-Day ist den Grünen ab sofort „herzlich egal“

 


Die Ausgabe der FAZ vom 1.10.2015 ist als e-Paper hier erhältlich: http://e-kiosk.faz.net/faz-2015-10-01-pdf.html

Alles Bio- oder was?

CB
Dr. Christian Bickert

Dr. Christian Bickert, stellvertrender Chefredakteur der DLG-Mitteilungen hat in der aktuellen Ausgabe 10/14 einen hochinteressanten, aber wohl auch hoch brisanten Kommentar zu den Handelsströmen ökologisch vermarkteter Nahrungsmittel abgegeben.
Mit gesundem Menschenverstand können einem schon ein paar Zweifel kommen, ob wirklich alles Bio ist.
Ich bin froh und dankbar, den Standpunkt Bickerts in diesem Blog veröffentlichen zu dürfen:

Alles Bio – oder was?

Vor Kurzem lag mal wieder der wöchentliche Aldi-Prospekt bei uns im Briefkasten. Diesmal war der Schwerpunkt Bio-Produkte. Etwa Biokresse. Wie wollen Sie die eigentlich nicht »bio« erzeugen? Oder Bioolivenöl. Die Olivenbäume wachsen in den Mittelmeerländern ohnehin überwiegend ohne Pflanzenschutz und Dünger. Da wird oft nur die Unwissenheit des Verbrauchers ausgenutzt, aber Betrug ist das nicht.
Andere Produkte werfen da schon eher Fragen auf. Das Angebot an Fleisch, Milch, Gebäck oder Speiseöle – natürlich alles Bio – beim Discounter zu sehr niedrigen Preisen wächst rasend schnell. Politisch gewollt, auf jeder Biofachmesse bejubelt. Aber wo kommen die Roh­stoffe dafür eigentlich her und vor allem: zu so niedrigen Preisen, dass Aldi & Co sie so billig anbieten können? Die deutschen Biobetriebe sind dazu nicht immer nicht in der Lage, das zeigt die steigende Zahl an Rückumstellern. Und dafür sprechen auch die regelmäßigen Rufe der Bioverbände nach noch mehr Subventionen.

csm_DLG1014_01_screen_c57b6510a3Dabei ist es doch gar nicht tragisch, dass wir Biorohstoffe und Bioprodukte importieren müssen. Eine Exportnation wie Deutschland steht ja geradezu für eine arbeitsteilige Wirtschaft. Nur mit der Kontrolle ist das so eine Sache. Die Importe kommen oft aus fernen Ländern, vor allem aber aus den Mittelmeerländern. Nehmen wir einmal Italien als Beispiel. Italien ist das Land, das schlicht von allen Lebensmitteln außer Wein, Obst und Oliven zu wenig hat.
Italien importiert Getreide, Milch, Fleisch und Futtermittel. Und Italien selbst ist der drittgrößte Markt für Biolebensmittel in der EU – und ausgerechnet von dort bekommen wir Biorohstoffe oder billige Bioprodukte für den Discounter? Ist das plausibel? War da nicht mal was mit umdeklariertem Getreide aus Italien, 700 000 t, vor zwei Jahren? Oder Importe aus der Ukraine und Kasachstan, zertifiziert durch ein moldawisches Unternehmen. Glauben Sie, da sei alles so sauber kontrolliert wie bei uns – aber wer wüsste nicht auch hierzulande das ein oder andere schwarze Schaf zu benennen?

Man mag mir vorwerfen, ich überzeichne oder ich sei nur ein notorischer Vertreter des konventionellen Landbaus, der mit Dreck wirft. Aber ich habe auch eigene Erfahrungen. 2012 sprachen mich Italiener in Rumänien an, ob ich meinen dortigen (gespritzten und mineralgedüngten) Weizen nicht als Bioweizen für einen stolzen Preis verkaufen wolle. Konventionell erzeugt? Kein Problem. Ich kenne Betriebe in anderen Regionen des Balkans, die jedes Jahr konventionelles Getreide und Ölsaaten an Italiener verkaufen, die daraus »Bio« machen. Als konventionelle Ware verlässt sie das Silo, als Bioware kommt sie in den Bestimmungsorten an.
Um das klarzustellen: Ich halte die große Mehrzahl der deutschen Biobauern für anständig und ehrlich. Sie produzieren Bio aus grundsätzlicher Überzeugung oder aus unternehmerischer Überlegung – wobei mir die Letzteren lieber sind. Und ich glaube auch nicht, dass die gesamte Biobranche nur auf Lug und Trug beruht. Niemand weiß, welchen Anteil die Betrugsfälle am Markt ausmachen. Aber handelt es sich wirklich nur um die berühmten Aus­nahmefälle und schwarzen Schafe? Wo viel Geld durch ein Zertifikat zu gewinnen ist, da wird auch betrogen.

Ein elementares Interesse an der Aufdeckung solcher Betrügereien hat meines Erachtens niemand. Die Politik nicht, denn Betrugs­meldungen gefährdeten das politische Ziel eines steigenden Marktanteiles. Der Handel sowieso nicht, denn er will sich mit Bio schließlich profilieren und scheut Skandale wie der Teufel das Weihwasser.
Die Biobauern sind zwar die Leidtragenden eines Betrugs, aber ihre Verbände haben wenig Chancen, einen solchen außerhalb ihrer eigenen Reihen aufzudecken. Und ob sie es wollen? Schließlich gefährdet jeder Betrugsfall den Bioabsatz und damit ihr eigenes Geschäft. Und der ominöse Verbraucher: Der will ein gutes Gefühl für billiges Geld. Da stören Skandale nur.
Deshalb sollten wir gelegentlich schon einmal den gesunden Menschenverstand bemühen – auch wenn das nicht jedem gefällt und schon gar nicht politisch korrekt ist. Getreide, Ölsaaten, Milch und Fleisch oder Fertigprodukte daraus für kleines Geld aus Italien, dem Balkan oder von italienischen Händlern? Mamma Mia!
Christian Bickert

Über eine lebhafte Diskussion würde ich mich freuen.