Wenn mit dem Bauerntum das Wissen um die Landwirtschaft verschwindet

Mein Oktober-Lieblingsbild: Der moderne Blick auf die Landwirtschaft (Quelle: www.ichliebelandwirtschaft.de)

Am 18.10. 2018 veröffentlichte das SZ-Magazin (Süddeutsche Zeitung) in dem Beitrag »Mit Milch verbinden wir keine Schmerzen, keine Schlachtung« ein Interview mit der Fotografin Manuela Braunmüller. Diese hatte in einer Fotoreportage den Weg der Milch von der Besamung der Kuh bis zu ihrer Tötung begleitet. Auf die abschließende Frage, ob sich etwas an Ihrem eigenen Milchkonsum geändert habe, antwortet die Fotografin:

Ja, ich trinke keine Milch mehr. Ernährung ist ja ein emotionales Thema. Aber es ging mir nicht darum, irgendjemand abzuschrecken. Sondern allein darum, die Kuhmilchherstellung in industrialisierten Ländern zu zeigen. Das Bild vom Bauern, der bei Sonnenaufgang eine Kuh mit der Hand melkt, ist einfach veraltet. Durch unseren massenhaften Konsum hat sich das so verändert. Bei Kuhmilch geht es primär um wirtschaftlichen Profit.

Mir ist der Kragen geplatzt. Im Folgenden das Resultat, so wie ich es bei Facebook dem SZ-Magazin in den Thread gehauen habe:

Schimpfkanonade

Dann möge die Fotografin bitte selber hingehen und ihre Milch mit der Hand melken, statt zu jammern. Nicht immer nur kritisieren und fordern, macht es selber!

Diese romantisierte Vorstellung von Landwirtschaft ist unerträglich. Sie wird mit jedem Jahr unerträglicher, weil eine total durchurbanisierte Öffentlichkeit keine Ahnung mehr hat von der Erzeugung ihrer Lebensmittel. QED. Sonst wüsstet Ihr alle da draußen, dass Ihr Euer Leben mit Nine to Five, Wochenende und regelmäßig Urlaub leben könnt, weil Ihr selber nicht mehr auf den Höfen anpacken müsst wie vor 50 oder 100 Jahren.

Wenn man die Eier will, darf man die Henne nicht schlachten

Stattdessen profitiert Ihr tagein-tagaus von der Agrarindustrie, lehnt sie aber trotzdem ab, verachtet sie sogar! Schlimmer noch: Durch Eure einseitige, so oft uninformierte Darstellung basht Ihr die moderne Landwirtschaft UND die Landwirte. 80 Mio. Menschen haben die Ahnung und stellen lauthals ihre Forderungen, nicht einmal mehr 2 Prozent machen die Arbeit auf den Höfen und den Feldern, und zwar sieben Tagen die Woche.

Mem mit Zahlen zur Landwirtschaft
Massenhaft war auch früher schon. Fakten, die verstören?

Und da 80 Mio einfach nicht irren können, werden zunehmend Gesetze erlassen in Sachen Tierwohl, Düngung, Umwelt, Lebensmittelhygiene etc. Das wisst Ihr bloß nicht, weil es nie, NIE berichtet wird. In der Berichterstattung wird immer nur draufgehauen. Die Verordnungen wollen Landwirte wohl umsetzen, können es aber zunehmend nicht leisten. Weil die Forderungen an den Supermarktkassen nicht entlohnt werden.

Resultat: Ihr alle da draußen betet die bäuerliche Landwirtschaft an, legt aber kollektiv eine Attitüde an den Tag, die wiederum ein Grund dafür ist, dass Landwirte ihre Höfe schließen. Ich höre immer häufiger, dass Bauern ihren Kindern NICHT empfehlen, weiterzumachen. Vom bösen „Massentierhalter“ bis hin zum „guten“ Bio-Kartoffelbauern. Sie haben keine Lust mehr auf Hetze. Sie macht nicht nur rat- und hilflos, sie macht krank. FAKT. Ihr macht kaputt, was Ihr erhalten wollt.

Gute alte Zeit?

Was das Deckphoto (Anmerkung Bernhard Barkmann: aus urheberrechtlichen Gründen entfernt) betrifft: Würde mal bitte jemand der Verfasserin erklären, dass damals in der guten alten Zeit, als nicht künstlich besamt wurde, Herr Bulle von einer Dame zur anderen weitergereicht wurde zwecks Besamung. D.h. 200 bis 400 kg (kenne mich nicht genau aus) knallen auf eine Kuh drauf. Könnte man wissen, à propos Romantik. Und natürlich weiß auch keiner, dass die Deckbullen seinerzeit nicht selten Geschlechtskrankheiten weiterreichten, so dass die Kuhbestände teils ganzer Dörfer erkrankten waren und die Tiere keine Milch mehr gaben. Tierwohl? Vergesst es. Übrigens, was ist das denn für eine Rasse, wo wurde das Bild aufgenommen? In Deutschland?

Audiatur et altera pars!

Nur ein Landwirt weiß, was ein Landwirt weiß! Sprecht ihn an, wenn Ihr zur Landwirtschaft arbeitet! Fragt doch mal den Landwirt anstatt aus Euren landwirtschaftsfernen Perspektiven heraus einseitig Euch zur modernen Landwirtschaft zu äußern.

Eine ganz heiße Adresse, extra für Euch geschaffen: Der Bauernwiki Frag doch mal den Landwirt.

Speziell zu Kühen: Videoplattform My KuhTube – Milch-Bauern drehen Videos – zwei neue pro Woche

Auch die andere Seite will gehört werden! Audiatur et altera pars – da waren die alten Römer aber um Längen zivilisierter als der Deutsche im 21. Jahrhundert.

Bitte mal sacken lassen:

Dr. Andreas Möller hat es in der FAZ (20.09.18) in seinem Beitrag „Hört auf zu träumen“ mit einem Zitat eindrücklich auf den Punkt gebracht: „Und in Ulrich Raulffs lesenswerter Geschichte des Verschwindens der Pferde aus dem Erscheinungsbild der Dörfer und Städte kommt der Kunsthistoriker Jean Clair zu Wort, geboren 1940 als Sohn einer Bauernfamilie. „Ich gehöre zu einem verschwundenen Volk. Bei meiner Geburt machte es noch 60 Prozent der französischen Bevölkerung aus. Heute sind es keine 2 Prozent mehr. Eines Tages wird man anerkennen, dass das wichtigste Ereignis des 20. Jahrhunderts nicht der  Aufstieg des Proletariats war, sondern das Verschwinden des Bauerntums.

Soweit mein Rant beim SZ-Magazin

Die im Interview getätigten Aussagen sind symptomatisch für eine Zeit, in der selbst Basiswissen zur Landwirtschaft in breiten Teilen der Gesellschaft inexistent ist. Symptomatisch ist ferner die Attitüde, die durchschimmert: Ich habe es nicht nötig, mir dieses Wissen anzueignen. Zur modernen Landwirtschaft, zur Massentierhaltung ist doch alles gesagt: Die ist einfach nur böse-böse-böse.

In diesem Kontext möchte ich einige Fragen ansprechen, die sich mir immer wieder stellen:

Halbe Wahrheiten

Im ersten Absatz fällt mit Blick auf die Fotoreportage der Satz:

Grüne Wiesen kommen dabei nicht vor.

Es verwundert, dass die Weidehaltung unter den Tisch gefallen ist. Obwohl, nein, eigentlich verwundert es nicht. Im Reich des Bösen, aka in der Massentierhaltung, wollen Bilder von entspannten Kühe auf der grünen Wiese, scheint’s, nicht ins Konzept passen. Recherche fällt halt aus. Dabei stehen in Deutschland sehr viele Kühe auf Weiden rum. Und diese sind, man höre und staune, in der Regel sogar grün (die Weiden, nicht die Kühe ;-)).

Ich bin mir sicher, Amos Venema, Landwirt, Kuhhalter und Blogger bei BlogAgrar, ist gerne bereit, Fragen zu Kuhhaltung, Milch und Wiese zu beantworten. Neben www.mykuhtube.de erreicht man ihn auch bei bei Facebook, wo er mit informativen Infos rund um die Rinderhaltung nicht geizt.

Kühe grasen auf Weide
Kühe auf der Wiese. Es dominiert: die Farbe Grün. (Quelle: Amos Venema)

Luftaufnahme mit zwei großen Ställen und Silos
Moderner Bauernhof mit Rinderhaltung aus der Vogelperspektive. Es dominiert: die Farbe Grün. (Quelle: A. Venema)

Ein Video mit noch mehr Grün: Weidenabtrieb in Ostfriesland

Und ewig nervt der Profitanwurf!

Das Bild vom Bauern, der bei Sonnenaufgang eine Kuh mit der Hand melkt, ist einfach veraltet. Durch unseren massenhaften Konsum hat sich das so verändert. Bei Kuhmilch geht es primär um wirtschaftlichen Profit.

Sorry, wenn ich Illusionen raube, aber: Auch der romantisch verklärte Bauer hat seine Kühe des Profits wegen gemolken. Ich werde NIE verstehen, wie Menschen auf den Gedanken kommen, dass alle Berufstätigen Geld verdienen dürfen, bloß Landwirte nicht. Glaubt Ihr wirklich, Bauern haben jemals für ümme gearbeitet?

Demnachzufolge ist mein heute 84 Jahre alter Vater  in der „guten alten Zeit“ mit 14 Jahren jeden Morgen um 4 Uhr aufgestanden, um auf unserem Familienbetrieb für Luft und Liebe Knochenarbeit zu leisten?

Ganz ehrlich: hakt’s da draußen?

Ob unser Konsum massenhafter ist als früher, ist laut Mem des Bauernverbandes Schlewsig-Holsteins nicht eindeutig. Es gab sehr viel mehr Höfe, auf denen wesentlich weniger Tiere standen. Fakt ist: Deutschland hat deutlich mehr Einwohner als früher, und davon arbeitet nur noch ein Bruchteil in der Landwirtschaft. Wie sollen die paar Männeken Milch für 80 Mio. Menschen melken, Ackerfrüchte ausbringen und ernten sowie unser Obst und Gemüse anpflanzen ohne große Maschinen? Per Handarbeit bekommen die wenigen Bauern das Land nicht satt.

Fakt ist ferner: Dieses Land hat kaum noch Bauern. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen. Davon ganz abgesehen sind die Zeiten der Hand- bzw. Fußarbeit vorbei. So wie Ihr Eure Texte nicht mehr an der Schreibmaschine schreibt oder jeden Morgen kilometerlange Wege per pedes zur Arbeit zurücklegt. Wie viele Münchner wohl gar mit dem SUV die fünf Kilometer zum Job fahren? Plus: Für die Tiere macht es keinen Unterschied, ob sie mit der Hand oder an der Maschine gemolken werden. Nur für den urbanisierten Verbraucher, der die Knochenarbeit nicht machen muss. Finde den Fehler.

Bullerbü ist heute!

Was veraltete Bilder betrifft: Ich stamme selber aus der Landwirtschaft und war ein neugieriges Kind. „Erzähl mal von frühers“, diesen Satz habe man sehr häufig von mir gehört, berichten meine Eltern. Daher weiß ich viel aus den „guten“ alten Zeiten, von den Menschen und ihrer Arbeit. So weiß ich aus erster Hand von den Großeltern und Großtanten, dass Romantik fehl am Platz ist. Je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto schwieriger war die Arbeit.

Eine Großtante wäre in den 1930-er Jahren viel lieber in die Stadt gegangen, um eine Lehre als Bäckereifachverkäuferin zu machen. Weil sie unverheiratet war und jede HAND auf den Höfen gebraucht wurde – Pech gehabt. Mit 80 Jahren war sie deswegen noch traurig.

Aber es war sicher ein malerisches Bild, wenn sie morgens in der Herrgottsfrüh auszog, die Bullen zu hüten, vor denen sie eigentlich panische Angst hatte.

Anders herum ausgedrückt: Bullerbü ist heute! Dafür steht paradoxerweise das schwedische Smaland mit dem niedlichen Bullerbyn, das vielen als Synonym für eine heile Landwelt bzw. Landwirtschaft gilt. Bloß: Mitte des 19. bis in das 20. Jahrhundert hinein verlor die südschwedische Region fast die Hälfte ihrer Einwohner, zum großen Teil Bauern an die Emigration. Weil das Leben unerträglich hart war, weil man Steine nicht essen kann, weil die Kinder an Hunger starben.

Landwirtschaft vor 100 Jahren. Romantisch? Los, ran an die Kuh. Wir haben noch einen uralten Melkschemel zu Hause. Den verleihe ich gern.

Milchschemel mit Blaubeeren vor Stallgebäude
Exklusiver Melkschemelverleih. Für alle Fälle die Info: es ist dasTeilchen rechts (vermutlich wissen die meisten nicht, wie ein solches Sitzgerät ausschaut).

P.S. Ergonomisch ist der aber nicht. Den schmerzenden Rücken gibt es inklusve. Alles wie „frühers“!

Noch ein Lektüretipp: „Sag nein zur Milch?“

Um was es in dem verlinkten Beitrag geht? Klaus Alfs ist der Kragen geplatzt. Hier die einleitenden Worte zu einem infomativen Beitrag.

Es ist äußerst ermüdend, jahrein, jahraus dieselben aggressiv vorgetragenen falschen Behauptungen über Milch und Milchviehhaltung richtigzustellen. Da aber Milch müde Männer munter macht, erkläre ich eben nochmal, was es mit dem verpönten Sekret auf sich hat.

Enjoy!

16 Gedanken zu „Wenn mit dem Bauerntum das Wissen um die Landwirtschaft verschwindet

  1. „Diese romantisierte Vorstellung von Landwirtschaft ist unerträglich. Sie wird mit jedem Jahr unerträglicher, weil eine total durchurbanisierte Öffentlichkeit keine Ahnung mehr hat von der Erzeugung ihrer Lebensmittel.“

    Echt jetzt?

    Diese romantisierte Vorstellung von Landwirtschaft ist aber für die Vermarktung dann gerade recht. Verstehe einer den Autor des Blogbeitrags – die SZ-Autorin trägt einen Teil dazu bei, diese romantisierte Vorstellung zu zerstören. Das ist dann auch wieder nicht recht. Nur weil sie sagt, sie trinke keine Milch. Dann ist es gleich Hetze.

    Es wird gegen eine „durchurbanisierte Öffentlichkeit“ (soll ich mich angesprochen fühlen als Wahl-Großstädter vom Land?) gebasht. Aber gleichzeitig Bashing beklagt. Wie bei den Hottentotten.

    1. Ihr Fotozusammenstellung zeigt nur den technisierten Prozess in und rund der Milcherzeugung. Eine Bildauswahl, die nichts anderes möchte, als ein negatives Bild zu zeichnen. Die junge Fotografin dürfte nicht unvoreingenommen ihre Arbeit begonnen haben.
      Das passt sich sehr gut ein in die Reihe viele Anti-Milch-Kampagnen diverser veganer bzw. Tierrechtsorganisationen.
      So ehrlich hätte die SZ sein dürfen und dieses so benennen können.

      1. F: „Wurdest du gefragt, ob du Veganerin bist? Hatten die Landwirte/Mitarbeiter Fragen oder Meinungen zum Thema Veganismus?“

        A: „Nein das hat niemand gefragt. Tatsächlich habe ich mir deswegen viele Gedanken gemacht, da ich niemanden ausnutzen wollte und jede einzelne Person, deren Betrieb ich fotografiert habe, respektiere und niemandem in diesem System persönlich schaden möchte.Für mich zählt, dass es in dieser Arbeit nicht über Veganismus geht, sondern über die Kuhmilchproduktion. Dass ich Vegan bin, hat mich zwar dazu gebracht mich mit diesem Thema außeinanderzusetzen, jedoch hat die Arbeit per se für mich nichts mit Veganismus zu tun, sondern mit Informationsverbreitung und jeder kann letztendlich selbst entscheiden, was er mit dieser Information anfängt.Die Fotos sind keine Werbeaufnahmen ich habe mich bemüht einen relativ neutralen Standpunkt zu wahren, auch wenn teils sehr brutale Aufnahmen zu sehen sind.“

        (…)

        F: „Wenn dich jemand fragt, was Veganer für ein Problem bei der Milchproduktion sehen, wäre deine Antwort vor der Recherche und vor dem Besuch der Betriebe anders ausgefallen als jetzt?“

        A: „Vermutlich nicht. Jedoch ist es für mich jetzt leichter zu argumentieren, warum ich es ethisch problematisch finde die Milch von Kühen zu konsumieren. Das schöne ist, dass ich jetzt einfach den Link zur Arbeit an alle Leute verschicke, die daran interessiert sind. :)“

        Quelle: r/Vegan.DE
        https://www.reddit.com/r/VeganDE/comments/95mjz7/hallo_mein_name_ist_manuela_braunm%C3%BCller_und_ich/

        1. Was ist denn mit einer Reportage über die Landwirtschaft, Bereich Pflanzenproduktion? Vielleicht überlegt sich dann mancher, doch wieder Fleisch zu essen.
          Schließlich sind weder die Pflanzen-, noch die Tierproduktion ein Zuckerschlecken. Und ich hätte auch einen Vorschlag, die Bevölkerung wieder fitter zu machen. Drückt allen eine Hacke in die Hand und lasst sie das Unkraut jäten. Das hält fit, gesund und jung und hätte zum Vorteil, dass manch Unkrautvernichter gespart werden könnte.

        2. Objektiver können Bilder wohl nicht sein (oder soll da auch wieder was getürkt sein?).

          Würde sich der Informationsgehalt der Bilder ändern, wenn man sich das mögliche Motiv einer Veganerin wegdenkt? Würde es sich ändern, wenn man das Motiv „Ersetzung romantisierter durch realistische Vorstellung“ hinzudenkt?

          Ein Motiv ist immer nur so relevant, wie es auch im Verhalten zum Ausdruck kommt. Die Fotografin hat genau das gemacht, was Amos Venema angeblich vermisst: Fakten über Landwirtschaft vermitteln. Dass sie keine Milch trinkt, ist dabei genau so relevant wie ihre Frisur.

          1. In wieweit Bilder objektiv sein können, ist vielleicht auch eine philosophische Frage, bzw. Antwort dürfte philosophisch ausfallen.
            Es ist die Perspektive einer Veganerin, die die Bilder haben. Ich finde das auch interessant und die Bilder haben durch aus ihre Berechtigung.
            Was aber nicht in Ordnung ist, ist das Verschweigen der veganen Grundhaltung, die hätte das Magazin benennen müssen.
            Eine ganz andere Perspektive und deutlich bessere Einordnung bietet die Deichdeern ihren Lesern an in ihrer Reportage zur künstlichen Besamung.
            Wirklich lesenswert und sicher auch mal was für die Süddeutsche Zeitung: https://deichdeern.com/2018/11/04/der-bulle-aus-dem-kofferraum/

          2. Wie sieht denn eine „vegane Grundhaltung“ aus?

            1.
            Ich kann zwar nur für mich und einige Veganer sprechen, von denen ich denke, ihre Haltung einschätzen zu können, stelle dabei aber fest: Die Grundhaltung unterscheidet sich so gut wie nicht von derjenigen der Mischköstler. Jeder Mischköstler äußert, dass er Massentierhaltung – und damit ist wohl v.a. Enge und reizarme Umgebung gemeint – ablehnt. Vor ein paar Tagen veröffentlichte Einslive die Sendung „Jäger trifft Tierrechtler“, darüber kam ich auch auf die Sendung aus der gleichen Reihe „Veganerin trifft Grillmeister“. Sowohl der Jäger, der einen Wildverarbeitungsbetrieb hat, als auch der Grillmeister in der Sendung distanzierten sich von der Intensivtierhaltung. Der Grillmeister versicherte, dass sein Fleisch vorher draußen rumlaufen und auf Stroh schlafen konnte. Ähnlich verläuft es auch im Alltag, wenn das Thema aufkommt: Jeder befürwortet eine Haltung, bei der jeder Veganer nicht zum Veganer geworden wäre. Da jeder Fleischesser ein potentieller Veganer ist, werden den Leuten falsche Vorstellungen durch die Werbung eingetrichtert.

            Was ich sagen will: Veganer sind nicht unbedingt härter und unerbittlicher, sondern vielleicht nur etwas konsequenter.

            2.
            Eine „vegane Grundhaltung“, wie Sie sie wohl verstehen, kann ohne Weiteres auch ein Fleischesser an den Tag legen, während er eine Doku anfertigt. Oder sind Fleischesser etwa weniger gut darin, ein Gespür für Trigger und Aufmerksamkeitserregendes zu haben?

            3.
            Abgesehen von diesen meinen persönlichen Eindrücken und Meinungen – aus den uns bekannten Tatsachen könnnen wir lebensnah folgenden objektiven Schluss ziehen:

            Dass es der Fotografin nicht darum ging, die Milkakuh auf der Alm im Schlachthof zu finden, war jedem dort klar. Warum? Weil es eben ein Schlachthof war und keine Alm.

            Hinzu kommt der Umstand, dass die Fotografin, wie sie sagt, vorher den Betrieben alle Fotos schickte und sich deren Veröffentlichung genehmigen ließ.

            Mag sein, dass die Genehmigung nicht erteilt worden wäre, hätte die Fotografin sich als Veganerin zu erkennen gegeben. Dann aber eher aus persönlichen Animositäten, auf die man allein wegen des Labels „Veganer“ manchmal trifft. Oder haben die Fotos plötzlich eine andere Eigenschaft, nur weil sie von einer Veganerin stammen? Die Beantwortung hat nichts mit Philosophie zu tun, sondern mit Naturwissenschaft. Und da kann selbst ich sgen: nein, die Bilder ändern ihre Eigenschaft NICHT plötzlich.

            Ich komme Ihnen weiter entgegen: Gehen wir mal davon aus, die Fotografin hat die Auswahl der Bilder, so wie sie veröffentlicht wurden, nicht freigeben lassen. Wäre die Befürchtung der Schlachthofverantwortlichen gerechtfertigt, bei einer Vegaberin falle die Auswahl drastischer aus als bei einem Mischköstler? Und welche schönen Bilder hätte denn eine über jeden Verdacht erhabene Mischköstlerin ausgewählt? Weiße frisch gereinigte Kacheln? Blumenrabatte vor dem Gebäude, lächelnde Metzger, Nahaufnahmen niedlicher Kuhgesichter im einfallenden sanften Abendlicht?

            Also: Wer ist hier unfair? Die Fotografin ist es nicht.

          3. kurze Antwort:
            ich zitiere aus dem Interview im SZ-Magazin:

            Hat sich etwas an Ihrem eigenen Milchkonsum geändert?
            Ja, ich trinke keine Milch mehr.

            Die Fotografin ist aber schon vorher Veganerin gewesen. (steht z.B. hier)

            Fotografin Manuela Braunmüller ist nicht ganz ehrlich und schon gar nicht objektiv!

          4. Die Frage war, ob man von der Fotografin ein erquickliches Bilderbuch erwarten konnte, weil man in ihr niemanden zu vermuten brauchte, der Milchkuhhaltung und -schlachtung kritisch sieht. (Hat man sich etwa kostenlose Imagewerbung mit einem bisschen Realität erhofft, und wenn warum?)

            Jetzt sagen Sie außerdem, die Fotografien habe im späteren SZ-Interview nicht die Wahrheit gesagt:

            „Hat sich etwas an Ihrem eigenen Milchkonsum geändert?
            Ja, ich trinke keine Milch mehr.“

            Wodurch und seit wann? Durch die Aufnahmen? Vielleicht, darum gehts ja. Aus dem vorher Gesagten geht aber ebenso hervor, dass die Fotografin sich schon vorher mit dem Thema befasst hat. Also dadurch und seitdem?

            Bevor wir also eine namentlich bekannte nichtprominente Berufsanfängerin vernichten, sollte man ihr vielleicht Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Schon, um sich nicht wegen Verleumdung und übler Nachrede strafbar zu machen. Und wegen: Audiatur et altera pars.

            Die Fotografien hat ja diesen Grundsatz beachtet (Bilderfreigabe).

          5. „Wodurch und seit wann? Durch die Aufnahmen? Vielleicht, darum gehts ja. Aus dem vorher Gesagten geht aber ebenso hervor, dass die Fotografin sich schon vorher mit dem Thema befasst hat. Also dadurch und seitdem?“ Auch juristische Spitzfindigkeiten ändern nichts daran, dass Barkmann recht hat.

          6. Hat nichts mit Jura zu tun. Aber wenn Du unbedingt eine bestimmte Bedeutung in den uneindeutigen Text legen willst… Audiatur et altera pars gilt eben nur für die anderen, Fake ist alles, was mir nicht passt. Schönen Abend!

          7. Stimmt, ich habe mich nicht präzise genug ausgedrückt. „Auch die Spitzfindigkeiten eines Topjuristen ändern…“ hätte es formuliert erden müssen….
            Ebenfalls noch einen schönen Abend.

        3. Ergänzung:
          A: „Danke melanin_broccoli!
          Ich glaube als nicht Veganer und Ohne Kamera wäre es mir noch schwerer gefallen eine Schlachtung zu fotografieren.“

          Sagt doch einiges aus über den geistigen Zustand von Veganern … 🙂

  2. Ich will Dich mal sehen, wie Du ohne Kamera fotographierst. Das ist nahezu unmöglich, vor allem wenn man (noch) nicht für Lichtnahrung empfänglich ist.

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