Politik muss Nein zu Glyphosat sagen?

In einem aktuellen Kommentar fordert Claudia Plaß von NDRinfo ein NEIN zu Glyphosat.

Meine Antwort stelle ich hier mit einigen ndr_info_glyphosat_plassZusatzinformationen online:

Sehr geehrte Frau Plaß,
Sie fordern in Ihrem Kommentar eine schonende Bodenbearbeitung. Vielleicht sollten Sie wissen, dass die konservierende Bodenbearbeitung ohne Unkrautregulierung per Glyphosat nur schwer umzusetzen ist. Das Gegenteil wird mit einem Verbot bewirkt. Es wird wieder vermehrt gepflügt werden, die Intensität der Bodenbearbeitung wird wieder zunehmen. Die Folge wird dann

  • vermehrte Bodenerosion durch Wind und Wasser
  • Abbau der organischen Substanz (verschlechtert auch die CO2-Bilanz)
  • Reduzierung des Bodenlebens
  • schlechtere Wassernutzungseffizienz wegen höherer Verdunstung
  • Ausweichen auf neue, wenig getestete Herbizid-Cocktails sein.

Das wären also insgesamt negative Auswirkungen auf die Umwelt. Sie könnten jetzt entgegnen, dass aber möglicherweise positive Effekte auf die Artenvielfalt erzielt werden könnten, wie es das Umweltbundesamt behauptet. Bezüglich der Artenvielfalt und Biodiversität gibt es aber sicher mehr als nur einen Grund für den Rückgang.

Allerdings begründen Sie ihre Forderung nach einem Verbot des Wirkstoffes Glyphosat mit vermeintlichen Risiken auf die Gesundheit. Dazu ist schon so viel geschrieben worden. Ich möchte an dieser Stelle nur erwähnen, dass es einen Unterschied macht, wenn man den Wirkstoff in hoher Konzentration oder in praktizierten Dosen bewertet. Es gibt einen Unterschied von Risiko und Gefahr! Bitte lesen Sie dazu auch Haie in der Nordsee von Susanne Günther.

Es gibt zwei wunderbare Diagramme bzw. Tabellen, die ganz anschaulich zeigen, von welcher Dimension wir sprechen, wenn wir von „Glyphosatbelastungen“  und potentieller Risiken sprechen:

glyphosat_einordnung
Die unglaublich empfindliche Analysetechnik spürt bereits minimalste Stoffmengen auf. Glyphosat lässt sich in vielen Bereichen finden, liegen aber über tausendfach unter dem strengen, in Deutschland gültigen Grenzwert
Übersicht der Toxität verschiedener Substanzen
Übersicht der Toxität verschiedener Substanzen. Folgt man der Logik des Vorsorgeprinzips, müssten viele andere Stoffe verboten werden.

Die Kampagnen, die rund um die Verbotsforderung des Glyphosats von vielen NGOs und den Grünen gefahren wurden, waren überwiegend mehr als unsachlich. Dieses Spiel haben nahezu alle Medien gerne mitgespielt. Eine sachliche, wissenschaftlich basierte Bewertung und Berichterstattung blieb dabei in der Öffentlichkeit weitestgehend auf der Strecke, was ich auch weiterhin bedaure. Ich habe hier im Blog auf einige dieser Kampagnen und deren Wirkung hingewiesen. Diese können Sie hier nachlesen:z.B. meine kleine Glypho-Fiktion-Serie –> Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und der offene Brief bezüglich der Muttermilch-Studie, den ich mit unterzeichnet habe.

Aber es wurden nicht nur Kampagnen gegen das Glyphsat initiiert. Nein, auch das unabhängige BfR (einst von Renate Künast gegründet) wurde systematisch von vielen NGOs, Medien und grünen Politikern (und hier auch Exministerin Künast selbst) diskreditiert. Ein Umstand, der zumindest bei vielen Wissenschaftsjournalisten auf deutliches Unverständnis fiel: –> Link

Frau Plaß, ich schreibe Ihnen diese Zeilen, weil wir uns bereits begegnet sind und ich Sie als ernsthafte und seriöse Journalistin kennengelernt habe. Sie unterliegen in dieser Sache einem aktuellen Zeitgeist, in dem Meinung und Stimmung mehr Gewicht zu haben scheint als eine sachlich fundierte Bewertung der Faktenlage.

spd_glyphosatDie Stimmung, die von vielen Kritikern in den NGOs und bei B90/Grüne geschürt und von der breiten Medienlandschaft multipliziert wurde, führt nun aktuell dazu, dass unsere Umweltministerin Hendricks (SPD) sich plötzlich klar gegen Glyphosat ausspricht. Die SPD in ihrem Umfragetief und in den Wahlkampfmodus schaltend, fügt sich diesem Stimmungsbild und scheint sich der Ablehnung von Barbara Hendricks kollektiv anzuschließen. Eine Niederlage der Wissenschaft.

Nun wird mit einem Verbot des Glyphosats nicht die Welt untergehen, aber ich frage mich, was ein völlig unnötiges Verbot über unser Land aussagt? Was kommt dann? Dann wird nichts mehr vor von Medien unterstützter Ideologie sicher sein. Das kann doch auch nicht ihr Ziel sein, oder?

12 Gedanken zu „Politik muss Nein zu Glyphosat sagen?

  1. Frau Plaß hat das Privileg, dass sie ihre Meinung auf ndr.de schreiben und sagen darf und auch noch von uns allen über die GEZ bezahlt wird. – Doch entspricht die Art dieses Journalismus aus dem sicheren Sessel heraus nicht mehr dem, was ich mir als Zuhörer/Leser es heute erwarte: Eine Meinung sich zu einem Thema bilden und Fakten bewerten kann inzwischen nicht nur ein Journalist. Aber dieser sollte alle, und wirklich alle Fakten erst mal neutral darstellen (die FAZ und der Spiegel haben es ja zu Glyphosat einmal geschafft, s.u.), bevor solche Kommentare verfasst werden.

    Daher finde ich dein und und Susanne Günthers Blog heute so wichtig, denn sie liefern Informationen aus anderen Blickwinkeln als diese voreingenommenen Grünschreiberlinge.

    http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-mehr/glyphosat-nuetzliches-gift-14107388.html
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/glyphosat-was-fuer-ein-verbot-spricht-und-was-dagegen-a-1084846.html

    1. Hallo Friedrich,
      danke für das Lob. Wir Landwirte haben letztlich nur eine NGO (der DBV) und eigentlich keine Partei mehr, auf die wir uns verlassen können. Die Wissenschaft hält sich lieber aus kontroversen Debatten heraus und riskiert keine Kürzungen ihrer Hochschulfinanzierung. Es gibt zu wenige Leuchttürme, die eine wissensbasierte Meinung nach außen vertreten und auch gehört werden.

  2. Ich beobachte seit langer Zeit das Flächenmanagment sehr großer Ackerbaubetriebe in unserer Nähe.
    Fakt ist , es gibt keine vermehrte Erosion ohne Glyphosat
    Eine Verringerung des Humusgehaltes/ organischer Substant ist nicht zu erwarten, eher das Gegenteil, weil glyphosatfreie Betriebe ein strategisches Zwischenfrucht – und Fruchtfolgemanagment an den Tag legen.
    Glyhosat fördert das Bodenleben. Das halte ich für einen Scherz.
    Ertragseinbußen durch schlechte Wasserversorgung bei Bodenbearbeitung sind in der Praxis nicht festzustellen.

    Richtig ist jedoch ,daß viele selbstkomponierte Pestizidcocktails die von Landwirten in der Praxis eingesetzt werden, nicht getestet und zugelassen bzw von Fachleuten empfohlen werden .

    1. Ob der Einsatz von Glyphosat sinnvoll ist oder nicht, ist sicher auch eine Standortfrage. Das lässt sich nicht verallgemeinern. Mancherorts bietet sich auch an, den Zwischenfruchtanbau mit Glyphosateinsatz zu kombinieren: Ölrettich zur Nematodenbekämpfung friert in milden Wintern nicht sicher ab. Irgendwie muss ich den Aufwuchs im Frühjahr ja klein kriegen. An manchen Standorten würden bestimmte Problemunkräuter ohne Glyphosat nur schwer in den Griff zu bekommen sein.

  3. Hallo Herr Meyer,

    da haben Sie ja eine ganze Menge Meinung. Ich sehe, dass die Mais-Strip-Till-Flächen wesentlich besser da stehen, als an Standorten, wo der Wind den Sand verwehte.
    Hier in unserer Gegend wird noch sehr viel mit dem Pflug gearbeitet. In anderen Gegenden mit weniger Niederschlag ist der pfluglose Ackerbau die einzige Chance ohne künstliche Bewässerung einigermaßen vernünftige Erträge zu erzielen.
    Das Bodenleben bekommt beim Pflügen und bei tieferer Bodenbearbeitung ordentlich einen aufm Deckel, die Regenwürmer finden das gar nicht so toll.
    Zu den Pestizidcoktails: Auch da gibt es Angaben der herstellen, was geht und nicht geht…

    1. Hallo Herr Barkmann ,Sie haben auch nur eine ganze Menge Meinung zu bieten hier in diesem Blog. Jetzt noch mal , erfolgreiche rentabele Landwirtschschaft braucht kein Glyphosat.

      1. Es geht sicher auch ohne – auch erfolgreich und rentabel und ohne gleich Bio-Bauer zu werden, aber es ist fraglich, ob Mensch, Tier und Umwelt damit wirklich geholfen ist, denn die Alternativen sind auch gerade unter ökologischen Gesichtspunkten nicht unbedingt besser.

  4. Nun gut. Die Landwirtschaft wird nicht von einem einzigen Wirkstoff abhängig sein. Somit besteht an dieser Stelle Einigkeit.
    Allerdings geht es bei der Glyphosat-Zulassung um viel mehr: Die Gegner des Glyphosats initiieren einen Stellvertreterkrieg. Die Gesundheitsgefahren sind nicht existent bei ordnungsgemäßer Anwendung- das wissen alle Experten. Den Gegnern geht es um die Wirtschaftsweise der Landwirtschaft, um grüne Gentechnik, um Artenvielfalt und auch einträgliche Kampagnen, die man mit diesem Thema offensichtlich fahren kann.
    Sollte Glyphosat wegen des „Vorsorgeprinzips“ verboten werden, werden Tür und Tor geöffnet, alle weiteren Wirkstoffe aus dem Verkehr zu ziehen. Dann gibt es kein Halten mehr. Birnensaft dürfte unter diesen Parametern nicht als Pflanzenschutzmittel zugelassen werden, weil es u.a. den definitiv krebserregenden Stoff Formaldehyd (IARC Kat. 1) enthält (Glyphosat ist IARC Kat. 2a!!).
    Wenn wir Landwirte uns bei einem Zulassungsverfahren nicht mehr darauf verlassen können, dass nach klar abgestecktem Verfahren entschieden wird, sondern nur ideologischen Dogmen folgt, dann ist das der Einstieg in die Zwangsökolisierung durch die Hintertür.
    Dann werden in den deutschen Läden weiter volle regale vorzufinden sein, auch zu recht günstigen Preisen. Allerdings wird der Ursprung immer weniger Deutschland sein. Das sollte nicht das Ziel sein!
    Wir können gerne über die Zukunft der Landwirtschaft reden, wie wir künftig wirtschaften sollen und wollen- allerdings sollte ein Zulassungsverfahren nicht dafür missbraucht werden.
    Ich weiß von vielen SPD-Politikern und wenigen Grünen, dass sie förmlich entsetzt sind über den Populismus, der in der aktuellen Debatte herrscht. Das wird vor allem der SPD mittelfristig schaden. Bei den Grünen scheint das eigene Klientel anscheinend diesen ideologischen Dogmatismus zu tolerieren…

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