Drohungen, gehackter Fernseher: Hatz auf NRW-Ministerin erreicht neue Eskalationsstufe

Blick in eine Großbucht der Mastschweinehaltung von Christina Schulze Föcking
Mastschweine im Stall von Schulze Föcking, Juni 2017

Wer einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb besitzt, Schweine mästet und NRW-Landwirtschaftsministerin ist, der – ist Freiwild! Christina Schulze Föcking und ihre Familie durchleben gerade einen Horrortrip: Seit Monaten ist die Politikerin massiven Anfeindungen bei Facebook ausgesetzt. Vor einigen Tagen wurde die Familie zudem Opfer eines Hackerangriffes.

Unbekannte hatten sich Zugang zum Fernseher der Familie verschafft und ein Video eingespielt (WDR, 16.03.2018: NRW-Umweltministerin wird massiv bedroht). Hintergrund: Familie Schulze Föcking war im Juli vergangenen Jahres seitens eines Tierrechtlers vor laufender Stern TV-Kamera Missstände im Schweinestall angeklagt worden. Zu Unrecht, wie ein Berufskollege bei BlogAgrar im Detail erläutert. Nichtsdestotrotz schloss sich eine massenmediale Hatz an.

TierSCHUTZ?

Pikantes Detail: Die Organisation „tierretter“.de e.V. hatte Monate bei der Familie gefilmt, OHNE die Behörden einzuschalten. Jetzt sollte man eigentlich annehmen, „Tierretter“ setzen Himmel und Hölle in Bewegung, um Missstände unverzüglich abzustellen. Wäre das nicht naheliegend? Bloß – wo nichts ist, scheint es schwierig zu werden mit dem Material. Die Vermutung steht im Raum, dass man gezwungenerweise warten musste, bis die Krankenbucht das eine oder andere Motiv hergab.

Bei Deutschlands Medien scheint man allemal auf der sicheren Seite zu sein, die hinterfragen nichts. Haben die Gier nach Aufsehen, Skandal, Reichweite, Klicks solide Recherche bzw. kritische Quellenreflexion abgelöst?

Wagen mit Anhäger: Foto Ministerin und Kastenstand
Das „Mobbing Mobil“ der Albert Schweitzer-Stiftung in Düsseldorf (Pressemitteilung „Über 50.000 Unterschriften gegen Agrarministerin“ der Albert Schweitzer Stiftung vom 22. August 2017)

Eine weitere Eskalationsstufe war der mittelalterlich anmutende Pranger, mit dem die vegane Albert Schweizer-Stiftung hinterher durch die Republik tourte und angebliche Verfehlungen der Ministerin zur Schau stellte.

Seit einigen Jahren scheint es bei Tierrechtlers förmlich zu einem Volkssport auszuarten, sich nachts zu Ställen Zugang zu verschaffen, Kameras zu installieren und dann Monate später mit dem Material, das nicht selten manipuliert ist, an die Medien heranzutreten. Die freuen sich einen Ast und blasen das Zeugs mit viel TamTam ungeprüft in die Öffentlichkeit. Kein Journalist stutzt und hinterfragt, warum nicht unverzüglich Anzeige erstattet wurde. Natürlich geht auch keiner das Material im Stall überprüfen. Wie nennt man das nochmal – Erfüllungsgehilfen? Rehabilitationen werden selbstverständlich nicht ausgestrahlt. NIE!

Geistige Brandstiftung?

Aktuell veröffentliche ich hier bei BlogAgrar einen Serie zur (Online-)Kommunikation von Bündnis 90/Die Grünen in Sachen konventionelle Landwirtschaft. Anhand von Screenshots zeigt sich: Der Ton ist rau – um nicht zu sagen: regelrecht diffamierend! So manche Nichtregierungsorganisation und teilweise die Medienberichterstattung stoßen ins gleiche Horn. Meiner Meinung nach läuft die öffentliche Kommunikation zur konventionellen Landwirtschaft regelrecht auf geistige Brandstiftung hinaus.

Sind das die Geister, die Ihr gerufen habt? Eine gesellschaftliche Stimmung, in der eine Landwirtschaftsministerin (und konsequenterweise Mann und Kinder) angefeindet werden und Bauernkinder wegen der Berufe ihrer Eltern gemobbt werden?

Linksammlung

Grüne geistige Brandstiftung?

Geistige Brandstiftung?

6 Gedanken zu „Drohungen, gehackter Fernseher: Hatz auf NRW-Ministerin erreicht neue Eskalationsstufe

  1. Man darf nicht Ursache und Wirkung vertauschen. Die Grünen versuchen den Frust über Teile der Agrarpolitik zu kanalisieren, ähnlich wie Seehofer jüngst den Frust über die zunehmend zur Schau gestellte Islam-Anhängerschaft. Wie letzlich die Auswirkungen sind, ob beschwichtigend oder aufhetzend, kann man aber kaum nachmessen.

    Die Urheberschaft des unheimlichen Hackerangriffs ist bislang unklar. Könnte auch ein taktischer Zug derer sein, die meinen, in der „Veganerszene“ müsste mal ordentlich aufgeräumt werden. Forderungen nach einem Verbot von Vereinen oder der Aberkennung der Gemeinnützigkeit wurden ja bereits mehrfach erhoben. In der Hinsicht könnten einige ihre Hoffnung durchaus auf Hausdurchsuchungen aufgrund eines vagen Anfangsverdachts setzen. (Dem, der das Video mit der keifenden Frau in der roten Jacke gedreht und online gestellt hat, traue ich den Hackerangriff allerdings nicht zu.)

    1. Über die grüne doppelzüngigkeit hat sich erst kürzlich Herr Span geäußert. Da kann man ihm nur beipflichten. Hoffentlich begreifen immer mehr Wähler wessen Geistes Kind diese Menschen sind!

      1. Sehen Sie einen Widerspruch, wenn jemand für Straffreiheit von Abtreibungen unter bestimmten Voraussetzungen nebst Änderungen beim Informationrecht und zugleich für Tierschutz eintritt?

        Ich bin beruhigt, dass viele in der Union und vor allem deren Wähler das so nicht sehen und Herr Spahn mit seiner Äußerung keine Schnitte gewinnen konnte. So unaufgeklärt – wissenschaftsfeindlich und religiös verblendet – ist die Gesellschaft dann doch noch nicht.

          1. Wer fordert denn hier NICHT Respekt vor ungeborenem Leben?

            Spahn sagte doch selbst, beim Thema Abtreibungen sei vor vielen Jahren „ein mühsamer gesellschaftlicher Kompromiss“ gefunden worden. Finden Sie, dass die normierte Konfliktregelung aufs Spiel gesetzt wird, wenn das Werbeverbot nach Paragraph 219a StGB in der Weise klarer und enger gefasst wird, dass sich Ärzte nicht strafbar machen, wenn sie sachlich über den Eingriff informieren? Der Meinung kann man ja sein. Ich sehe hingegen keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Konfliktregelung und einem zu engen Informationsverbot, welches ich für eine Bevormundung der betroffenen Frauen halte.

            Für mich steht immer noch die Frau Mittelpunkt. Sie befindet sich in der Konfliktlage, in der der Abbruch der Schwangerschaft unter Berücksichtigung ihrer gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse nach ärztlicher Erkenntnis indiziert ist, um eine Gefahr für ihr Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung ihrer körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes abzuwenden. Oder in der Konfliktlage, ein Kind zu bekommen, das durch Vergewaltigung entstanden ist, und zu befürchten, das sie es nicht so lieben kann wie es geliebt zu werden verdient?

            Spahn zielte auf Zuspruch einiger und verletzte womöglich vor allem betroffene Frauen und diejenigen, die sich der schwierigen und zehrenden Aufgabe zuwenden, bei der Bewältigung menschlicher Konflikte zu helfen.

  2. Bei mehr als 100.000 , also auf 7 Geburten mehr als eine ,schwangerschaftsabrüche stellt sich mir die Frage ob zu leichtferig mit dem Leben des ungeborenen Menschen um gegangen wird.

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