Wir haben es satt! Ach! So ein Zufall. Ich auch. Immer noch. Und wie!

Infos zum Aktionstag
Das Aktionsbündnis „Wir machen Euch satt“ packt lieber an statt auf Töpfe einzudreschen.

Kommenden Samstag ist es wieder soweit: Das „Aktionsbündnis Wir haben es satt (WHES) demonstriert gegen alles Mögliche rund um die moderne Landwirtschaft in Berlin. Vorrangiges Ziel: Man will der Agrarindustrie die Stirn bieten.

Ich habe es es auch satt. Daher  habe ich meine private Anti-WHES-Demo von 2017 aus dem Archiv geholt, abgestaubt, aufgepeppt und online gestellt. Die Version 2.0 ist um einiges länger als mein erster Text damals. Nicht von ungefähr. Wer gedacht hatte, 2016 war ein heftiges Jahr für die konventionelle Landwirtschaft, wurde 2017 eines Besseren belehrt.

Warum ich auch 2018 nicht bei WHES mitlaufen und der Agrarindustrie die Stirn bieten will? Darum!

WAS ist Agrarindustrie? WAS ist ein Bauernhof? WAS ist Massentierhaltung?

Ich habe es nämlich auch satt. Ich kann die Dämonisierung der Agrarindustrie nicht mehr hören, genauso wenig wie den Ruf nach der bäuerlichen Landwirtschaft. Warum? Schlicht und ergreifend weil keiner definiert, was ein Bauernhof oder was Agrarindustrie ist. Es definiert auch keiner, was Massentierhaltung ist. Wo es anfängt, wo es aufhört. Was oder wen genau die Satten im Land wollen. Jeder hat seine eigene Vorstellung und vertritt sie in voller Lautstärke.

Bloß: Mit pauschalen Kampfbegriffen und entsprechendem Aktionismus machen sie höchstens kaputt, was sie erhalten wollen. Es häufen sich die Geschichten von potenziellen Hofnachfolgern, die die Betriebe ihrer Eltern nicht mehr bewirtschaften wollen, unter anderem weil sie die Nase gestrichen voll haben von diesem non-stopp Bauernbashing in Politik, Öffentlichkeit und Medien.

Glyphosat-Hexenjagd

Ich habe die Art und Weise satt, wie Bündnis 90 / Die Grünen und diverse Nichtregierungsorganisationen (teilweise auch Medien!) das Thema Glyphosat verhackstücken. In den vergangenen Monaten hat sich seitens der Wissenschaft herauskristallisiert, dass die Bewertung „wahrscheinlich krebserregend“ unhaltbar ist. Das hält die Big Green allerdings nicht davon ab, weiter mit den Ängsten von Menschen um ihre Gesundheit bösen Schindluder zu treiben.*

In welchem Ausmaß Glyphosat oder sonstige Pflanzenschutzmittel (PSM) verantwortlich gemacht werden können für ein Insektensterben bzw. einen Artenrückgang ist unklar. So haben die Macher der aufsehenerregenden PlosOne-Studie zum Insektensterben eindeutig formuliert: Die Ursachen sind unbekannt, es besteht dringender Forschungsbedarf! Auch beim Thema Artenverlust muss genau hingesehen werden. Wer echte Lösungen will, sucht sie ohne Scheuklappen. Das ist den Big Green bekannt. Bei Facebook und Twitter wurden oft und viele relevante Webseiten verlinkt. Es hat sie nicht von ihrer geradezu mittelalterlich anmutenden Hexenjagd abgehalten – nein, sie führen sie am 20. Januar sogar durch Berlin!

Warum interessiert es eigentlich kaum einen, was die a-wissenschaftliche Glyphosat-Hetze mit Landwirten und Wissenschaftlern macht? Dass sie das gesellschaftliche Klima vergiftet? Irgendwer bringt PSM schließlich auf die Felder bzw. bewerkstelligt seitens unterschiedlicher Institutionen, dass das Ausbringen rechtens ist. Bauernbashing – Kollateralschaden?! Gewalt- und Morddrohungen, wie sie an Landwirtschaftsminister Schmidt oder den Chef des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bzw. BfR-Mitarbeiter ergangen sind – Kollateralschäden?!

Ich bin die geistige Brandstiftung der Big Green so was von leid! Sie haben den Pfad einer kritischen Auseinandersetzung längst verlassen. Der Beleg: Wenn es wirklich um die Toxizität von PSM geht – warum kapriziert man sich auf das harmlose Glyphosat und kehrt die Tatsache unter den Teppich, dass mit Kupfersulfat im Biolandbau ein deutlich toxischeres PSM  eingesetzt werden darf? Oder der Bienenkiller Spinosad. Da wird mit zweierlei Maß  gemessen. Der Grund? Santa Bio, ick hör Dir trapsen!

Ich will an dieser Stelle übrigens gar nicht den Biolandbau angreifen. Pflanzenschutzmittel sind wichtig! Die Satten im Land wissen gar nicht mehr, warum Landwirte „Ackergifte“ einsetzen – nämlich um Pest und Cholera auf ihren Feldern in Schach zu halten. Vor 100 Jahren waren Mindererträge und Missernten bis hin zu Totalausfällen nichts Ungewöhnliches. Mangelernährung, Unterernährung, Hungersnöte, aber auch Vergiftung durch verunreinigte Feldfrüchte – möchte jemand diese Zeiten zurück haben? Die Satten im Lande ja, will mir scheinen. Wer also PSM abschaffen will, muss sich über die Konsequenzen im Klaren sein und entsprechend umsichtig zu Werke gehen – alles andere ist fahrlässig. Mit dem Essen spielt man nicht!

Umwelt und Klimawandel

Ich bin es ferner leid, dass so viele Menschen hierzulande behaupten, die moderne Landwirtschaft mache die Umwelt kaputt. Wo sie sich doch selber alle an die Nase packen müssten. Die Republik wird zubetoniert für die Allgemeinheit, fürs Eigenheim, Arbeiten und bequeme Shoppen auf der Grünen Wiese. Jeden Tag werden 70 Hektar Agrarland aus der Bewirtschaftung genommen und vieles davon versiegelt. Alle profitieren.

So wie seit mehr als zwei Jahrzehnten massenmedial verbreitet wird, dass der globale Klimawandel menschengemacht ist und gerade der reiche Westen sowohl Mobilität als auch Stromverschwendung einschränken müsse. Das Gegenteil ist passiert. Aber die Landwirtschaft ist schuld? Es waren übrigens die Grünen, die die Förderung von Biogasanlagen initiiert haben. Und jetzt, wo ihnen die tatsächlichen bzw. vermeintlichen Konsequenzen nicht passen, schieben sie die Verantwortung in Richtung Landwirtschaft ab.

Gutes Essen

Ich bin es satt, dass so viele nicht zu würdigen wissen, dass wir in einem der reichsten Länder der Welt leben und es zynisch ist, für gutes Essen auf die Straße zu gehen. Sämtliche Kontrollen der letzten Jahre sagen: Unser Essen ist sauber. So sauber wie vermutlich niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Für jeden ist etwas dabei – für jeden Geldbeutel. Dagegen zu protestieren grenzt doch an Wohlstandsverwahrlosung!

Gentechnikfreies Essen

Für endgültig wohlstandsverwahrlost halte ich den Widerstand gegen grüne Gentechnologie. In all den Jahrzehnten konnten null Negativauswirkungen nachgewiesen werden.

Diabetiskranke Menschen hierzulande betrachten Insulin gar als einen Segen, und das ist es definitiv. Bloß: Bei der Herstellung von Insulin werden gentechnisch manipulierte Pilzen und Bakterien verwendet. Aber wenn’s um die eigene Gesundheit geht, nicht wahr?

Bei Lebensmitteln scheinen wissenschaftliche Erkenntnisse nicht zu tangieren – vermutlich weil keiner die Auswirkungen ausbaden braucht. Was ist das Resultat eines vagen Unwohlseins des einflussreichen, satten Westens gegenüber den Entwicklungsländern? Wertvolle Lebensmittel wie der Goldene Reis werden flächendeckend NICHT eingesetzt und Millionen von Kindern NICHT vor dem sicheren Erblinden und dem Tod bewahrt.

Neo-Kolonialismus?

Was ich endgültig satt habe, ist die generelle Verurteilung von Lebensmittelexporten in Entwicklungsländer. Mit welchem Recht fordern satte Westler für die dortigen Landwirte pauschal eine kleinteilige Landwirtschaft? Diese Attitüde trägt bemerkenswert neo-kolonialistische Züge. Schon mal darüber gedacht, wie man z.B. ein Land wie Nigeria mit über 180 Mio. Einwohnern (vermutlich 264 Mio. bis 2030) adäquat ernähren kann? Vielleicht WOLLEN die Nigerianer „Agrarindustrie“ – eine Landwirtschaft, die möglichst schnell möglichst viele Menschen satt macht? Die aktuell vorherrschende Subsistenzwirtschaft kann es wenigstens nicht leisten. Vielleicht WOLLEN lebensmittelimportierende Länder Essen einführen, weil die im Land angebauten Lebensmittel schlicht und ergreifend nicht ausreichen? Weil Menschen SATT werden wollen und sollen?

Agrarwende für Wohlhabende

Ich habe es satt, dass die, die die Landwirtschaft ökologisieren wollen, es nicht für notwendig erachten, belastbare Konzepte vorzulegen, wie denn eine für alle bezahlbare Lebensmittelversorgung nach der Agrarwende funktionieren soll. Vermutlich können sich die nur wohlhabendere Milieus leisten – unter anderem grüne Stammwähler.

Ich habe es auch satt, dass die Landwirte pauschal für Antibiotikaresistenzen verantwortlich gemacht werden. Wo doch die Humanmedizin das mit Abstand größere Sorgenkind ist. Resultat: Die Landwirte reduzieren Jahr für Jahr – wie sieht es in der Humanmedizin aus? Ganz schwierig. Bloß löst man so Probleme?

Es ist eine Unverschämtheit, dass sich Deutschlands Landwirte Jahr um Jahr um mehr Tierwohl in den Ställen bemühen und dafür höchstens einen Tritt in den Hintern bekommen.

Es wird nur noch draufgehauen. Kaum einer erzeugt noch Lebensmittel und hat eine Ahnung, wie man es anstellt. Die Meckerer machen niemanden satt, aber verurteilen pauschal diejenigen, die es jeden Tag tun. Fangen Sie alle damit erst mal an! Beweisen Sie, dass Sie es besser können. Bevor Sie die Profis jeden Tag aufs Neue fertig machen!

Also: Anstatt auf Töpfe einzudreschen zeigen Sie uns, dass Sie sie auch füllen können!

Statt immer nur alles satt zu haben, lobe ich mir die diesjährigen Aktionen der Landwirte bundesweit unter dem Motto „Deutschland blüht auf“. Das Bündnis „Wir machen Euch satt“ fordert Landwirt-Kollegen auf, Blühstreifen anzulegen. Positive Zeichen setzen, statt NegativCampaigning zur Internationalen Grünen Woche 2018!

*Fußnote zu Absatz 6, wie die Big Green Schindluder treiben mit den Ängsten von Menschen um ihre Gesundheit, trotzdem die Faktenlage keinen Anlass für Befürchtungen gibt, zeigen beispielhaft die folgenden Links:
Katrin Göring-Eckardt in einem Interview mit der NOZ (20.12.2017): „Wir wollen, dass die Bürger sich sicher sein können: Egal, wie viel Geld sie haben, bekommen sie nichts auf den Tisch, was möglicherweise krebserregend ist.“
BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland auf seiner Webseite (abgerufen 28.12.2017): Glyphosat-Report zeigt: EU-Behörden kehrten Beweise für Krebsbefunde systematisch unter den Tisch.

9 Gedanken zu „Wir haben es satt! Ach! So ein Zufall. Ich auch. Immer noch. Und wie!

  1. Da laufen auch so Sarah Wieners mit – „Sojamilch ist so künstlich wie Cola“. Nein, nein, nichts für mich. Wenn es um „Natürlichkeit“ geht, steckt man schon tief drin im ideologischen Morast. Natürlichkeit ist schlicht kein Kriterium! Wo wären wir gesellschaftlich, wenn man immer danach gefragt hätte, ob etwas „natürlich“ ist? Mit einem Natürlichkeitswahn ist eine offene, freiheitliche Gesellschaft nicht möglich.

    Die Albert-Schweitzer-Stiftung, die sich für eine weniger qualvolle Züchtung, Haltung und Tötung von Tieren einsetzt, war dementsprechend als Teilnehmer der Demonstration nicht mehr erwünscht, weil sie auch für vegane Ernährung wirbt und die Forderung nach einer Reduktion des Fleischkonsums auf der Demo betont sehen wollte. Wenn aber nicht einmal durch Appelle am Maß des Fleischkonsums gerüttelt werden soll, wie will man dann eine wesentlich ressourcenschonendere und emissionsärmere Landwirtschaft erreichen? You can’t eat the cake and have it too. Oder: You can’t eat the meat and don’t have it produced.

  2. Danke für den Beitrag, der mainstreamübliche Herz -Jesu- Naturschutz ist nichts anderes als moderner Ablasshandel, ein Bärendienst für die Natur

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